Feuerbrand meldet sich zurück

In Vorarlberg hat man bereits Ende April für die Pflanzenseuche Feuerbrand Entwarnung gegeben. Zu früh, wie sich nun zeigt: Nicht nur bei den Nachbarn, sondern auch im St. Galler Rheintal sind Apfel- und Birnbäume befallen.

Kurt Latzer
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Im Gegensatz zu den letzten zwei Jahren gibt es heuer mit dem Feuerbrand wieder mehr Probleme. Ein grossflächiger Befall wurde bis jetzt allerdings nicht festgestellt. (Bild: Archiv/Hannes Thalmann)

Im Gegensatz zu den letzten zwei Jahren gibt es heuer mit dem Feuerbrand wieder mehr Probleme. Ein grossflächiger Befall wurde bis jetzt allerdings nicht festgestellt. (Bild: Archiv/Hannes Thalmann)

RHEINTAL. Sie ist hoch ansteckend und nicht nur bei Obstbauern gefürchtet. Die Pflanzenseuche Feuerbrand lässt erkrankte Pflanzen welken, färbt ihre Blätter dunkelbraun bis schwarz. Wegen der grossen Ansteckungsgefahr für andere Pflanzen besteht beim Feuerbrand eine gesetzliche Meldepflicht.

Entwarnung kam zu früh

In Vorarlberg wollte man wegen des Feuerbrandes bereits Ende April Entwarnung geben. Vermutlich, weil in den vergangenen zwei Jahren praktisch keine Meldungen über befallene Pflanzen eingegangen sind. Seit Ende Juni seien vielerorts Birn- und Apfelbäume massiv befallen, hiess es nun aber in Mitteilungen aus dem Nachbarland.

«Betroffen sind vor allem Hochstammbäume, auch im St. Galler Rheintal», sagt Nina Thomas von der Fachstelle Pflanzenschutz am landwirtschaftlichen Zentrum, Salez, auf Anfrage.

Antibiotika bewilligt

Verantwortlich für die grössere Ausbreitung der Pflanzenkrankheit macht die Agrar-Ingenieurin das Wetter. Denn in den vergangenen beiden Jahren war es in der Hauptinfektionszeit deutlich kühler und nasser. Nina Thomas geht davon aus, dass heuer im Vergleich zu 2013 und 2014 mehr gerodet werden muss.

Und weil sich der Feuerbrand wieder mehr ausbreitet, wurde der Einsatz des Antibiotikums Streptomycin bewilligt.

Auch Kaliumaluminiumsulfat (LMA) kommt zum Einsatz. Schenkt man Expertenberichten Glauben, ist LMA für Bienen nicht schädlich. Rückstände in Früchten oder Honig sind oft unter der Nachweisgrenze oder im Bereich der natürlich vorkommenden Werte. «Nicht alle Rheintaler Obstbauern, die Streptomycin beantragt haben, haben dieses Mittel auch eingesetzt», sagt Nina Thomas. Eine grossflächige Ausbreitung bei Niederstamm-Kulturen habe man bisher nicht festgestellt. Die neusten Zahlen habe sie allerdings noch nicht bekommen.

Internationales Monitoring

Im Gegensatz zum St. Galler Rheintal ist Vorarlberg viel stärker betroffen. Nina Thomas führt dies auf die unterschiedlichen Strukturen zurück.

«In Vorarlberg gibt es viel mehr Hochstammbäume, auch sogenannte Saubirnen, die für den Feuerbrand sehr anfällig sind. Apfelbäume reagieren viel langsamer auf Feuerbrand. Oft reicht es, befallene Zweige bei trockenem Wetter abzubrechen und fachgerecht zu entsorgen. Zu den auf Feuerbrand anfälligen Pflanzenarten gehören Quitten, Cotoneaster und Weissdorn. «Bisher wurden meines Wissens bei diesen Pflanzen keine Fälle gemeldet», sagt die Expertin für Pflanzenschutz. Über die Ausbreitung von Feuerbrand sind die Fachstellen auf dem Laufenden. Es finden internationale Monitorings statt. Dabei tauschen die Bodensee-Anrainerländer, das Fürstentum Liechtenstein und Tirol die neusten Daten aus.