Fett- und Hungerkünstler

Kein Widerspruch! Sukkulenten sind extrem genügsam. Fettblattgewächse, wie man sie zusammenfasst, müssen kurze oder längere Zeiten in – für Wachstum nicht gerade optimalen Gegenden – überleben. Was fast wie ein Bankenwerbespot tönt: Sie sparen in der Zeit.

Urs Stieger Berneck, Www.u-Stieger.com
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Schön ist eine Mischung: Stapelia, Harwothia, Ceropegia. (Bild: Urs Stieger)

Schön ist eine Mischung: Stapelia, Harwothia, Ceropegia. (Bild: Urs Stieger)

Kein Widerspruch! Sukkulenten sind extrem genügsam. Fettblattgewächse, wie man sie zusammenfasst, müssen kurze oder längere Zeiten in – für Wachstum nicht gerade optimalen Gegenden – überleben. Was fast wie ein Bankenwerbespot tönt: Sie sparen in der Zeit. Die Not kommt mit trockenen Perioden oder grosser Hitze oder beidem.

Mit dem (vermeintlichen) Überfluss des Urwalds zu leben, tönt leicht. In Gegenden alt zu werden, in denen es nicht einmal jedes Jahr regnet, ist schon schwerer. So haben Pflanzen Strategien entwickelt, in lebensfeindlichen Gegenden zu bestehen. Lithops, lebende Steine, bestehen fast nur aus Wasser, das sie über lange Zeit speichern können. Nicht nur sehen sie Steinen sehr ähnlich, als Mittagsblumengewächs blühen sie auch gross und bunt. Lithops kann man aus Samen ziehen.

Die berühmteste Hungerkünstlerin ist sicher Welwitschia mirabilis, die in der Wüste Namibias lebt. Es gibt Jahre ohne Regen, manchmal gibt es nur 1 Zentimeter pro Jahr! Trotzdem wird sie alt, grosse Exemplare werden auf 1500 Jahre geschätzt. Die Anzucht ist nicht einmal besonders schwer, aber das Warten… Im Botanischen Garten St. Gallen hat es auch eine «alte» Pflanze, geschätzte 50 Jahre.

Für Hobbygärtner gibt es geeignetere Stücke. Wer Freude an skurrilen Dingen hat, dem empfehle ich Stapelia. Diese Pflanzen sind völlig einfach zu ziehen und zu vermehren. Das Problem sind ihre grossen, (bis 15 Zentimeter) haarigen Blüten. Diese duften oder besser stinken so bestialisch, als ob in unsern Häusern die Kanalisation noch nicht erfunden worden wäre.

Völlig problemlos, wenn etwas Regenwasser vorhanden ist, und mit zauberhafter Blüte sind Ceropegia, Leuchterblumen. Die Blüten sind speziell und exklusiv, der Wuchs üppig. Ich finde Ceropegia in flachen Schalen schön, sie sind ja keine Hängeblumen, wie man sie oft sieht.

Kalanchoe daigremontiana, die «Chindlipflanze» ist allgemein bekannt. Sie heisst auch Goethepflanze, weil Goethe an ihnen die Metamorphose studiert hat. Für Leute mit Affinität zu Geld, bzw. Münz wäre der Pfennigbaum oder Judasbaum, Crassula ovata das Richtige. Ein Triebstück oder ein Blatt in Erde stecken, wenig feucht halten, das grüne «Münz» wächst und wächst, lässt sich aber leider nicht in Noten umtauschen. Ich schneide ihn gerne wie einen kleinen Baum, so bekommt er schnell ein bonsaiähnliches Aussehen. Die vielen Resten kann man verschenken.

Alle erwähnten Pflanzen haben es gerne sehr hell, mögen lauwarmes Regenwasser, wenig Dünger und Kakteenerde. Schön sieht eine Mischung verschiedener Pflanzen in einer flachen Schale aus.

Der Schwiegermutterstuhl (ja ja, so nennen sie frustrierte Botaniker – Schwiegersöhne…) auf dem Bild ist aber eine Kaktee.