Fenster sind Mahnmal der Kirche

Im Dezember jährt sich das Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils zum 50. Mal. Zu der Zeit wurde die Lüchinger Kirche gebaut. Albert Wider entwarf die Kirchenfenster – wie ein Bilderbuch über das Konzil.

Monika von der Linden
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Leis Burchia störte sich daran, dass es keine Unterlagen zu den Kirchenfenstern von Albert Wider gab. Sie machte sich kundig und schrieb eine Dokumentation. Am Jubiläum erklärte sie die vierzehn Motive. (Bild: Monika von der Linden)

Leis Burchia störte sich daran, dass es keine Unterlagen zu den Kirchenfenstern von Albert Wider gab. Sie machte sich kundig und schrieb eine Dokumentation. Am Jubiläum erklärte sie die vierzehn Motive. (Bild: Monika von der Linden)

LÜCHINGEN. Wer die katholische Kirche in Lüchingen betritt, dem geht es wohl ähnlich wie Generalvikar Pater Josef Rosenast. Als er im Mai als Firmspender in die Kirche Maria, Königin des Friedens kam, fiel sein Blick auf die farbenfrohen Kirchenfenster. «Obwohl ich sie bereits kannte, faszinierten sie mich aufs Neue», sagte er. «Während in Rom die Bischöfe tagten, bauten die Lüchinger ihre Kirche.» Das nahm der Generalvikar als Anstoss, den Festgottesdienst zum Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils in Lüchingen zu feiern. Josef Rosenast ist der Präsident der Diözesanen Missionskommission.

Alle wichtigen Konzilaussagen

Die Arbeit der DMK geht auf das Dekret «Ad gentes» zurück, eines von sechzehn Dokumenten, die das Konzil am 8. Dezember 1965 verabschiedet hatte. «Die Fenster enthalten alle wichtigen Aussagen des Konzils.» Sie sind ein Mahnmal dafür, dass die Katholische Kirche selbst nach 50 Jahren längst nicht alle Beschlüsse umgesetzt hat», sagte Josef Rosenast.

Leis Burchia meint, die Kirche habe eher Rückschritte gemacht und sollte sich künftig wieder mehr öffnen. Die Lüchinger Kirchbürgerin erklärte den Festbesuchern am Samstag die Motive, die Albert Wider entworfen hatte. Der Widnauer Künstler erzählt die Inhalte des Konzils in einer Bildergeschichte. Die Fakten dazu konnte Burchia nirgends nachlesen. «Nie griff jemand die Geschichte und Bedeutung der Fenster in einer Predigt auf», sagte sie. Auch habe es vor zwanzig Jahren keine aussagekräftige Dokumentation gegeben. Also schrieb sie ihre Abschlussarbeit im Rahmen eines Theologiekurses über die Kirchenfenster. «Man kann sich in jedes einzelne Motiv vertiefen, so inhaltsreich sind sie», sagte Leis Burchia.

Fenster sind neu beleuchtet

Das kann man nun auch in den Wintermonaten jederzeit erkennen. Bis jetzt waren die Fenster ab dem frühen Abend nur als schwarze Flächen zu sehen. Am Samstag wurde zum ersten Mal die Beleuchtung eingeschaltet. Es wirkt, als ob die Sonne scheinen würde – ein Farbenspiel, das einlädt, genau hinzuschauen.

Welches ihr Lieblingsfenster ist, konnte Leis Burchia nicht beantworten. In ihrem Vortrag aber griff sie jenes heraus, das die Menschenrechte zum Thema macht. «Die Kirche hat eingesehen, dass sie die Kirche der Armen sein muss. Mit dem Konzil anerkannte sie die Menschenrechte und erklärte, sie wolle sich für sie einsetzen.»

Klaus Heither ist Pfarreibeauftragter in Lüchingen und war Gastgeber des Jubiläumsfestes. Ihm gefällt das Fenster, auf dem das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen dargestellt ist, besonders gut: «Die Kirche anerkennt, dass alle Menschen in ihrer Religion ihre Heimat finden können. Das habe ich so deutlich und unmissverständlich noch nirgendwo gesehen.»