FCSG-Fans hissen in Luzern heikles Transparent

ST. GALLEN/LUZERN. Am Donnerstag haben Fans des FC St. Gallen im Spiel gegen Luzern ein Banner mit einer starken Anlehnung ans nationalsozialistische Deutschland gehisst. Es ist die Retourkutsche auf eine Aktion von Luzerner Fans Mitte Februar.

Jana Rutarux/Christoph Fust
Drucken

ST. GALLEN/LUZERN. Am Donnerstag haben Fans des FC St. Gallen im Spiel gegen Luzern ein Banner mit einer starken Anlehnung ans nationalsozialistische Deutschland gehisst.

Es ist die Retourkutsche auf eine Aktion von Luzerner Fans Mitte Februar.

«Fussball macht frei» prangte auf dem Transparent, das St. Galler Fans am Donnerstagabend in Luzern in die Höhe gehalten haben. Der Spruch ist eine Abwandlung der Tor-Inschrift «Arbeit macht frei». Diese stand während des Zweiten Weltkriegs über mehreren Konzentrationslagern der Nationalsozialisten, beispielsweise in Auschwitz. Als «stumpfsinnig» bezeichnet Daniel Last, Mediensprecher des FC St. Gallen, die Aktion. «Dumm und unnötig» findet Dölf Früh, Verwaltungsratspräsident des FCSG, den Vorfall. Gerade am Abend einer 2:6-Niederlage hätte man so etwas nicht auch noch gebraucht. Das Spruchband hing in Richtung Luzerner Fans und wurde laut Last anfangs der zweiten Halbzeit abgenommen, in Zusammenarbeit mit Fanarbeitern. Last fragt sich, wie das Transparent überhaupt ins Stadion gelangen konnte. Daraus möchte Dölf Früh den Luzerner Sicherheitskräften jedoch keinen Strick drehen. «Die Kontrolleure durchsuchen an Spielabenden Hunderte von Personen.» Er könne verstehen, wenn einem Kontrolleur in der hektischen Einlass-Phase dieser Spruch nicht auffalle. Man müsse zudem schon ein «durchaus gebildeter Mensch» sein, dass sich einem der nationalsozialistische Kontext sofort erschliesse. Sogar er selber habe «im ersten Moment nicht an die Verbindung zum Dritten Reich gedacht».

Auf die Frage, was nun mit den verantwortlichen St. Galler Fans geschehen solle, antwortet Früh zurückhaltend: «Wir können sie nicht in Handschellen legen lassen.» Daniel Last betont, dass die Verantwortlichen in Zusammenarbeit mit den involvierten Personen gefunden werden sollen, um das Geschehen aufzuarbeiten.

Gegenüber «20 Minuten» sagte Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei, die Staatsanwaltschaft prüfe, ob ein Anfangsverdacht wegen einer Widerhandlung gegen die Antirassismus-Strafnorm gegeben sei. Das Transparent sorgt auch auf Twitter für Aufregung. «Primitiv, primitiver, <Fans> des FCSG», schreibt ein User. «Diese FCL –FCSG-Rivalität bewegt sich irgendwie auf Kloaken-Niveau. Sind die noch stolz darauf?», fragt sich ein anderer.

Die Aktion ist auch aus Sicht von Mediensprecher Last als Reaktion auf den 15. Februar zu deuten. Damals trieben Anhänger des FC Luzern beim Fanmarsch in St. Gallen einen Mann in der Aufmachung eines orthodoxen Juden vor sich her. Die St. Galler Stadtpolizei wird FC-Luzern-Fans anzeigen – diese hätten gegen die Antirassismus-Strafnorm verstossen. Noch ist die St. Galler Polizei in Zusammenarbeit mit den Luzerner Kollegen mit Befragungen zum Vorfall beschäftigt.