FC AU-BERNECK: Nur knapp im Soll

Die neu formierten Degern-Kicker steigerten sich nach miesem Start. Der Platz im Mittelfeld genügt nur knapp.

Yves Solenthaler
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Es gibt Gründe für den schwachen Start – null Punkte und zwei hohe Heimniederlagen in den ersten drei Spielen: Neue Spieler in Mannschaftsstärke, die zudem in der Sommervorbereitung oft abwesend waren, wurden vom ebenfalls neuen Trainer Jürgen Maccani auf ein anderes Spielsystem eingestellt.

Die zuletzt vielen Gegentore hatten den Vorarlberger veranlasst, der defensiven Stabilität Vorrang zu geben. Bis die Spieler beherzigten, was Maccani vorschwebt, brauchte das Team fünf Spiele inklusive Cup (Ausscheiden gegen Rüthi). Die Wende zum Besseren wurde durch einen 3:0-Heimsieg gegen St. Margre­then eingeleitet, der keineswegs so überzeugend war, wie es das Resultat vorgaukelt.

Siegesserie aus dem Nichts dank stabiler Defensive

Nachher gab es zwar eine Niederlage in Ems, die ohne den Sieg gegen St. Margrethen wohl zu einem gehörigen Rumoren geführt hätte. Aber danach holten die Auer fünf Siege in Serie.

Dabei überzeugten sie vor allem in der Defensive, was für langjährige Beobachter des FC Au-Berneck ein neues Gefühl ist. Nur zwei Tore musste der untadelige Goalie Kevin Jung während dieser Siegesserie hinnehmen, dreimal in Folge (gegen Montlingen, Mels und Diepolds­au) blieb Au-Berneck sogar ohne Gegentreffer.

Der Anschluss an die Spitze schien möglich – aber im letzten Spiel in Ruggell tauchten die Rheintaler mit 1:2. Neun Punkte beträgt deshalb der Rückstand. Es wird schwierig, ganz vorne mitmischen zu können – und gar unmöglich, wenn Widnau im nächsten Frühling weiter so stark spielt. Der vierte Platz sieht besser aus als er ist; der erste Abstiegsplatz ist nur acht Zähler entfernt.

Ein Mittelfeldplatz ist für diese Mannschaft nur knapp genügend – und auch nur dann, wenn man die schwierigen Umstände mit den vielen personellen Wechseln in Rechnung stellt. Aber dem neuen Trainer ist zugute zu halten, dass er sein Versprechen – die Defensive zu stabilisieren – eingehalten hat.

Auf dem Feld waren dafür zwei Spieler hauptverantwortlich, die vor der Saison keiner auf der Rechnung hatte: Der Ghanaer Sani Musah, der erst im Lauf der Vorrunde dazustiess, und der 37-jährige Roger Meyer, der auf dem Mannschaftsbild von vor der Saison als «Aushilfsspieler» aufgeführt wurde. Meyer und auch Musah spielten den defensiven Part im zentralen Mittelfeld, und sie taten das meist zur Verzweiflung der gegnerischen Angreifer.

Viele Zuzüge haben noch Luft nach oben

Die hochgehandelten neuen Spieler konnten die Erwartun­-gen nur teilweise erfüllen. Abwehrchef Johannes Hirschbühl brauchte lange, bis er sich mit dem tieferen Niveau als bei seinen früheren Vereinen zurechtgefunden hatte. Stürmer Rafael Godoi Pereira schoss zwar sieben Tore, drei davon per Elfmeter, präsentierte aber auch Schatten. Vor allem mit dem Platzverweis im Diepoldsau-Spiel erwies er seiner Mannschaft einen Bärendienst. Pech hatte Samir Sganzerla, der sich im ersten Spiel verletzte und erst im Frühling wieder mitspielen kann. Keine (wesentliche) Rolle spielt Salvatore Cifonelli, auch er war von Blessuren geplagt.

Taktische Disziplin hat Maccani seiner Mannschaft zwar beigebracht, was die Fairness-Wertung betrifft, hat sie aber weiterhin Nachholbedarf. Zwar tendiert der FC Au-Berneck nicht mehr gegen 120 Strafpunkte wie in der letzten Saison. Mit bisher 47 Strafpunkten ist ein weiteres dreistelliges Total am Ende der Saison aber nicht abwegig.

Yves Solenthaler