FAUSTBALL: Der Leader an der Aussenlinie

Die Faustballer des SVD Diepoldsau-Schmitter gewinnen am Wochenende alle vier Spiele und bleiben an der Tabellenspitze der Nationalliga A. Ihr Schlagmann Lukas Lässer ist beim 3:1-Sieg gegen Jona Auswechselspieler.

Beni Bruggmann
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Für Lukas Lässer ist es schwierig, von draussen zuzusehen und nicht eingreifen zu können. (Bild: Beni Bruggmann)

Für Lukas Lässer ist es schwierig, von draussen zuzusehen und nicht eingreifen zu können. (Bild: Beni Bruggmann)

FAUSTBALL. Am Sonntagnachmittag wird auf dem Sportplatz Rheinauen in Diepoldsau eine Faustballrunde mit Jona, Walzenhausen und Diepoldsau gespielt. Das erste Spiel gegen Jona, den Tabellenletzten, bestreiten die Einheimischen ohne ihren Leader, ohne Lukas Lässer. Nachwuchskräfte sollen Einsatzzeit bekommen.

Er macht den letzten Punkt

Lässer tigert während des Spiels an der Seitenlinie auf und ab, spornt seine Kameraden an und hält für die kurzen Pausen zwei Trinkflaschen bereit. «Es ist verdammt schwierig, da draussen zu sein und zuzuschauen», sagt er später, «ich war nervös. Ich glaube, ich habe eine Flasche alleine ausgetrunken.» Seine Kollegen sind auf ordentlichem Weg. Nach zwei gewonnenen Sätzen verlieren sie aber den dritten. Als Diepoldsau im vierten Satz mit 10:6 führt, will Trainer Manuel Sieber auf sicher gehen. Er schickt seinen Ersatzmann aufs Feld. Lukas Lässer beendet das Spiel mit einem Ass. Eine einzige Ballberührung – Sieg.

Das Spiel gegen Aufsteiger Walzenhausen ist ausgeglichen. Es ist das Duell der Kraft-Aufschläger, also Lukas Lässer gegen Cyrill Schreiber. Dieser Zweikampf endet unentschieden. Aber Diepoldsau gewinnt dennoch mit 3:1. «Unsere erfahrenen Verteidiger machten den Unterschied aus», sagt Lässer.

Kurztrip nach Brasilien

Lässer, 27-jährig, hat schon rund 40 Länderspiele bestritten. Seit 2008 spielt er in der Nationalliga. «Wir haben die Saison immer auf einem der ersten drei Plätze beendet», blickt er zurück, «mit einer einzigen Ausnahme.» Da war er ein Vierteljahr in Australien, hat die Sprache gelernt und das Land bereist. Damit hat er auch angedeutet, wie wichtig der Aufschläger im Faustball ist. Zwei Turniere hat er in Brasilien gespielt, als Gastspieler von Florianopolis. Aber Lässer gehört nach Diepoldsau.

Gemeinsam

Schon Vater Anton hat Faustball gespielt, sogar dreimal im Nationalteam. Zwei seiner Söhne, Christian und Lukas, sind ihm gefolgt. Lukas, gelernter Mechaniker, arbeitet wie viele aus seiner Familie und der Verwandtschaft bei der Firma Lässer Stickmaschinen in Diepoldsau, einem Betrieb mit 220 Angestellten, den sein Onkel und sein Vater führen. Viermal in der Woche ist er beim Faustballtraining. Früher hat er dieses oft auf die leichte Schulter genommen. «Es ist wichtig, ernsthaft zu trainieren. Ich bin heute koordinativ stärker und körperlich fitter.» So kann er die Spiele in bester körperlicher Verfassung bestreiten. Zusammen mit seinem Bruder Christian und mit seinem Kollegen im Angriff, Raphael Schlattinger, lebt er in einer WG. Zu diesem Trio stösst regelmässig auch noch Zuspieler Malik Müller. Dann sind nicht nur 78 Faustball-Länderspiele vereint, sondern auch eine gute Portion Unternehmungslust.

Randsportart

Faustball ist eine Randsportart. In Diepoldsau wird dies deutlich. Im Sportplatz-Beizli findet ein Spiel der Fussball-EM etliche Zuschauer, und beim Fussballturnier der Schüler auf den Nebenplätzen herrscht Hochbetrieb. Aber es scharen sich viele Faustballfreunde ums Spielfeld. Es herrscht eine gute Stimmung. Die Spieler der drei Teams kommen einem vor wie gute Bekannte, die sich wieder einmal treffen: Freundliches Grüssen, lockere Sprüche. Sportlich werden Schiri-Entscheide akzeptiert, oder es wird sogar, zum eigenen Nachteil, ein Ball dem Gegner zugesprochen.

Dass auch eine tadellose sportliche Leistung gebracht wird, sagt die Bemerkung eines Fussball-Zuschauers auf dem Heimweg: «Isch no cheibe dynamisch, de Fuschtball!»