FAUSTBALL: «… am Ende gewinnen immer die Deutschen»

Die Schweizer Nationalspieler haben im World-Games-Final gegen Deutschland weitgehend grossartig gespielt, aber nach einer 3:1-Satzführung noch 3:4 verloren. Nicht nur bei Nationaltrainer Oliver Lang überwiegt deshalb die Enttäuschung.

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Rheintaler Fast-Goldmedaillengewinner an den World Games in Breslau (von links): Raphael Schlattinger, Lukas Lässer, Kevin Kohler, Kenneth Schoch, Mario Kohler und Malik Müller. (Bild: Emmy Kohler)

Rheintaler Fast-Goldmedaillengewinner an den World Games in Breslau (von links): Raphael Schlattinger, Lukas Lässer, Kevin Kohler, Kenneth Schoch, Mario Kohler und Malik Müller. (Bild: Emmy Kohler)

Mit 3:1-Sätzen führten die Schweizer Faustballer am Dienstag im Final der Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten in Breslau (Polen). Die Goldmedaille schien für sie auf dem Silber­tablett bereit zu liegen; einen Matchball besassen die Spieler von Oliver Lang zwar nie. Aber im sechsten Satz (beim Spielstand von 9:7) und im siebten Durchgang (9:8) fehlte jeweils nur ein Punkt zum Matchball.

Aber nach dem letzten Ball siegte wie an allen grossen Turnieren der letzten Jahre Deutschland. Im Faustball gilt das berühmte Bonmot von Gary Lineker noch mehr als im Fussball, worauf es gemünzt ist: «… am Ende gewinnen immer die Deutschen.» Zur Not im Penaltyschiessen.

«Gold verloren, nicht Silber gewonnen»

Nach der Finalniederlage vor vier Jahren waren sich die Schweizer noch einig: «Wir haben Silber ­gewonnen, nicht Gold verloren.» Nach der dritten Silbermedaille in Folge an diesem Turnier und unter dem Eindruck der dramatischen Niederlage, fand Nationaltrainer Oliver Lang keinen Grund mehr, irgendetwas zu beschönigen: «Diesmal haben wir wirklich Gold verloren.»

Ähnlich war die Stimmungslage bei Captain Ueli Rebsamen: «Wie wir diesen Final noch verlieren konnten, weiss ich nicht.» Er kann ja mal bei Gary Lineker nachfragen, wie das passiert ist.

Das Schweizer Aufgebot für die World Games umfasste zehn Spieler, sechs von ihnen spielen bei Rheintaler Vereinen oder haben wie der zurzeit bei Calw in der deutschen Bundesliga engagierte Raphael Schlattinger (ex-Diepoldsau) einen Rheintaler Bezug. Lukas Lässer, Malik Müller und Kenneth Schoch spielen beim SVD Diepoldsau und die Kohler-Brüder Mario und Kevin bei Faustball Widnau. Dem Rheintaler Sextett war die Enttäuschung gestern Abend nach der Ankunft in der Schweiz noch anzumerken.

Das Ziel ist Gold an der Heim-WM in zwei Jahren

Bei der Ursachenforschung wird klar, dass die Analyse nicht abgeschlossen ist. Mario Kohler erwähnte einen «falschen Schiedsrichterentscheid im sechsten Satz, der uns einen Matchball verwehrte». Aber er sagte auch: «Vielleicht war es eine Kopfsache – so nahe am Sieg gegen Deutschland waren wir noch nie.»

Für Anschläger Lukas Lässer war die Schweiz im Final das bessere Team gewesen: «Vielleicht klappt’s ja nächstes Jahr an der EM.» Das ganz grosse Ziel sei aber die Goldmedaille an der Heim-Weltmeisterschaft in zwei Jahren: «Und dafür werden wir die Deutschen ganz sicher besiegen müssen.»

Das Potenzial dazu ist vor­handen, das sah man in Polen. Und die Hoffnung der Schweizer Faustballer besteht auch darin, dass es in ihrem Sport kein Penaltyschiessen gibt.

 

Yves Solenthaler