Familie gibt Vollgas auf zwei Rädern

Anfang Mai beginnt für Timo und Joel Kugler aus Rebstein die Rennsaison. Von Kindesbeinen an bewegen sich die beiden Brüder auf Renn-Töffs: Vater Markus ist Teamchef, Mutter Rosmarie ist verantwortlich für Verpflegung/Administration, und Lina ist einfach die kleine Schwester.

Kurt Latzer
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Das Team ist fit für die kommende Saison: (von rechts) Teamchef Markus Kugler, die beiden Fahrer Joel und Timo, Logistik- und Kommunikationschefin Rosmarie Kugler und Lina – «einfach die kleine Schwester». (Bild: Kurt Latzer)

Das Team ist fit für die kommende Saison: (von rechts) Teamchef Markus Kugler, die beiden Fahrer Joel und Timo, Logistik- und Kommunikationschefin Rosmarie Kugler und Lina – «einfach die kleine Schwester». (Bild: Kurt Latzer)

MOTORSPORT. Hätte nicht ihr Vater bereits Töffrennen gefahren und seine beiden Söhne dazu mitgenommen, hätte die sportliche Zukunft von Timo und Joel Kugler womöglich anders ausgesehen. Denn der 16-Jährige und sein zwei Jahre jüngerer Bruder spielen nebst dem Rennenfahren Faustball. Timo erinnert sich an die Oldtimer-Rennen, die sein Vater bestritten hat, und gesteht, dass ihn der Motorsport schon damals in den Bann gezogen hat.

Team – ein grosse Familie

Mit acht Jahren begann er Töffrennen zu fahren, damals auf Pocket-Bikes. Auch der zwei Jahre jüngere Bruder des 16-jährigen Rebsteiners hat mit den Mini-Motorrädern angefangen. Joel aber war im Gegensatz zu seinem Bruder bei seinem Einstieg erst fünf Jahre alt. Lina wird im Team-Beschrieb als «einfach die kleine Schwester» aufgelistet. Obwohl sie heute lieber nur noch auf einem PS unterwegs ist, hat auch sie schon Rennluft geschnuppert. «Und sie war bei den Pocket-Bikes wirklich gut – ein Talent», meint Teamchef Markus Kugler. Trotzdem habe sie sich statt dessen für das Reiten entschieden.

Vorne mitfahren

Die Fünfte im Bunde, Mutter Rosmarie, hat einen der wichtigsten Posten im Team. Sie zeichnet für das leibliche Wohl der Akteure verantwortlich, auch das von Chefmechaniker Kurt Huber und Aushilfsmechaniker Pascal Nadalet. In den Klassen, bei den Motorrädern und bei der Anzahl zu bestreitender Rennen ändert sich 2015 nichts. Timo startet Anfang Mai am Lausitzring im Yamaha R6 Cup – 600 Kubikzentimeter (ccm) – Joel im ADAC Junior Cup (390 ccm). Beide wollen acht Rennen bestreiten und dank der 2014 gesammelten Erfahrungen vorne mitmischen. Timos Ziel sind die Top 15. In beiden Klassen gehen zwischen 25 und 30 Fahrer an den Start. Abgesehen von einem Rennen, starten die beiden Brüder immer auf der gleichen Strecke. «Joel darf dieses Jahr im Rahmenprogramm des GP am Sachsenring ein Rennen bestreiten, weil der ADAC diesen Grand Prix ausrichtet», sagt Teamchef Markus Kugler. Dafür fällt für ihn der Termin im belgischen Zolder weg, wo Timo an den Start geht.

Von der Pike auf lernen

Körperlich haben sich die Rebsteiner Brüder mit Faustball vorbereitet. «Wichtig im Motorrad-Rennsport sind Ausdauer und Konzentration», sagt Timo Kugler, «wenn man im Kopf beginnt müde zu werden, hat man das Rennen schon verloren», ergänzt sein Vater.

Auch wenn es in dieser Saison mit den gesteckten Zielen nicht klappt, zählen die gesammelten Erfahrungen. Denn beide haben ein grosses Ziel: «Wir wollen Superbike fahren.» Ihr Teamchef und Vater ist überzeugt, dass der langsame Weg mit weniger Geld auf lange Sicht besser ist. Es gebe genug Beispiele dafür, wie junge Fahrer mit sehr viel Geld schnell weitergekommen sind und dann in den höheren Klassen nicht mehr mithalten konnten oder kein Geld mehr hatten.

«Ich finde es richtig, wenn junge Fahrer, wie meine Söhne, zuerst <Dreck fressen> müssen und sich so hocharbeiten», meint Markus Kugler.

Schmitter als Vorbild

Und warum ausgerechnet Superbike, eine der höchsten Klassen überhaupt, am Hubraum gemessen? «Weil man sich das eher leisten kann, als einen Auftritt in der Moto2», sagt der Teamchef. Um eine Moto2-Saison bestreiten zu können, müsse man mindestens eine halbe Million Franken einsetzen, bei den Superbikes reiche etwa die Hälfte.

Im Gespräch mit dem Team zeigt sich relativ schnell, wer zurzeit das grosse Vorbild ist. Es ist der 20-jährige Motorradrennfahrer Dominic Schmitter aus Altstätten, der im vergangenen Jahr mit seinem Team die RLC-Langstreckenmeisterschaft gewonnen hat und dieses Jahr in der Supersport-WM mitfährt. «Auch er hat sich nicht allein mit Geld hochgearbeitet, sondern von der Pike auf. Auch er hat <Dreck gefressen>», sagt Markus Kugler.