Fairplay bei der Lehrstellenvergabe

RHEINTAL. Viele Rheintaler Lehrbetriebe haben das Credo «Fairplay bei der Auswahl von Lernenden» unterzeichnet. Es besagt, dass Lehrstellen erst ab dem 1. September vergeben werden dürfen. Das bringt Schülern und Betrieben viele Vorteile.

Anina Gächter
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Schüler werden in Zukunft die Lehrverträge frühestens im September unterschreiben. (Bild: Anina Gächter)

Schüler werden in Zukunft die Lehrverträge frühestens im September unterschreiben. (Bild: Anina Gächter)

In den letzten Jahren hat sich die Situation auf dem Lehrstellenmarkt stark verändert. Früher gab es mehr Schulabgänger als es Lehrstellen gab, heute ist es umgekehrt. Das hat dazu geführt, dass Lehrbetriebe um gute Schulabgänger buhlen und Lehrverträge so früh wie möglich abschliessen. Kaum ein Lehrbetrieb hält sich noch an den einst vereinbarten Stichtag für die Lehrstellenvergabe, den 1. November. Teilweise werden die Lehrstellen sogar schon vor den Sommerferien und somit noch im zweiten Oberstufenjahr vergeben.

Die Schüler geraten dadurch unter Druck, möglichst schnell eine Lehrstelle zu finden, wodurch eine seriöse Berufswahl stark beeinträchtigt wird. So kommt es zu Fehlentscheidungen, und es kann passieren, dass Schüler ihren Lehrvertrag wieder auflösen wollen, weil sie sich plötzlich umentscheiden.

Fairplay im Lehrbetrieb

Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat eine Arbeitsgruppe des Arbeitgeberverbands Rheintal das Credo «Fairplay bei der Auswahl von Lernenden» erarbeitet. Der Arbeitsgruppe gehören das Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbands, Nick Huber, der Altstätter Oberstufenschulleiter Ralph Good und der Chance-Industrie-Vertreter Albert Koller an. Das verbindliche Credo hält fest, dass den Schülern die Möglichkeit gegeben werden muss, Betriebe zu besichtigen, dass der persönliche Eindruck ins Auswahlverfahren einzubeziehen ist und dass Lehrbetriebe vor dem 1. September keine Lehrstellen vergeben dürfen. Bis jetzt haben rund 60 Rheintaler Lehrbetriebe aus der Industriebranche, der Dienstleistungsbranche und der öffentlichen Hand das drei Jahre geltende Credo unterschrieben. Weitere KMU-Betriebe werden im Verlaufe des Jahres angefragt.

Wenn festgestellt wird, dass sich ein Betrieb nicht an das Credo hält, wird der Vertrag aufgelöst.

Vorteile für Schule und Eltern

Schulleiter Ralph Good freut sich über die Einführung eines Credos: «In den letzten Jahren hatten 20 Prozent unserer Schüler im August schon ihre Lehrverträge unterschrieben. So lastete ein grosser Druck auf den Schülern, die noch keine Lehrstelle hatten. Diejenigen, die bereits eine Lehrstelle hatten, waren nicht mehr motiviert und gaben sich in der Schule keine Mühe mehr. Mit dem Credo können wir das verhindern.»

Es sei jetzt auch wichtig, dass die Eltern von der Schule über das Credo informiert und man ihnen klarmacht, dass ihre Kinder genügend Zeit für die Berufswahl haben. Es gebe also keinen Grund, auf die Kinder Druck auszuüben.

Öffentliche Information

Damit sich Lehrpersonen, Betriebe und Eltern genauer über das Fairplay-Credo und dessen Vorzüge informieren können, findet am Dienstag, 17. März, ein Infoanlass im Sonnensaal des Hotels Sonne in Altstätten statt.

Die Vorteile des Credos werden dabei aus der Sicht einer Psychologin, einer Berufs- und Laufbahnberaterin, eines Schulleiters und eines Personalverantwortlichen vorgestellt. Der Anlass beginnt um 19 Uhr.

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