Experten sollen Qualität sichern

Die Interessengemeinschaft Ortsplanung Rheintal nimmt Stellung zum neuen Musterbaureglement.

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Das Musterbaureglement soll den Planungs- und Bewilligungsprozess vereinfachen und vereinheitlicht die verschiedenen Begrifflichkeiten. (Symboldbild)

Das Musterbaureglement soll den Planungs- und Bewilligungsprozess vereinfachen und vereinheitlicht die verschiedenen Begrifflichkeiten. (Symboldbild)

(pd/red) Seit Oktober 2017 ist das neue kantonale Planungs- und Baugesetz (PBG) in Kraft. Entsprechend müssen die kommunalen Bau- und Zonenordnungen angepasst werden. Die Vereinigung der St.Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten (VSGP) hat dafür ein Musterbaureglement ent­wickelt, das nun von den einzelnen Gemeinden adaptiert werden soll. Dieses Dokument ist für die bauliche Entwicklung entscheidend – auch im Rheintal. Deshalb hat die Interessengemeinschaft Ortsplanung Rheintal (Igor) vor Kurzem allen Rheintaler Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten einen Kommentar zum Musterbaureglement zugestellt. Dabei wurden neben spezifischen Anregungen auch übergeordnete Themen erwähnt, die aus Sicht von Igor für das Erscheinungsbild der Gemeinden ausserordentlich wichtig sind.

Das Musterbaureglement soll den Planungs- und Bewilligungsprozess vereinfachen und vereinheitlicht die verschiedenen Begrifflichkeiten. Nutzungsart und Nutzungsintensität der einzelnen Zonen werden durch die Gemeinden bestimmt.

Der Spielraum und die entsprechenden Auswirkungen sind beträchtlich. Da auch die Masse der Regelbauweise kommunal festgelegt wird, können Vorgaben wie Grenzabstand, Gebäude- und Fassadenhöhen, Niveaupunkt oder Dachgestaltung neu definiert werden. So kann beispielsweise durch Reduktion und Vereinheitlichung des Grenzabstandes künftig wesentlich mehr Parzellenfläche überbaut werden, als dies noch mit dem grossen und kleinen Grenzabstand der Fall war. Stichwort: innere Verdichtung.

Ein Baureglement ist jedoch mehr als eine Sammlung von Vorgaben – insbesondere bei Qualitätskriterien sind Spielräume vorhanden. Entscheidend für das Erscheinungsbild unserer Gemeinden ist mitunter, wie diese von den zuständigen Behörden und Architekten oder Bauherren interpretiert und genutzt werden.

Bauen ist eine kulturelle Tätigkeit von gesellschaftlicher Relevanz und weitreichenden Folgen für unseren Lebensraum – heute, wie auch als Hinterlassenschaft für die nächsten Generationen. Eine qualitätsvolle Weiterentwicklung der Siedlung hat höchste Priorität. Deshalb vertritt Igor die Meinung, dass Bauvorhaben – abhängig von Lage und Grösse – stets von einem Gremium von unabhängigen und ausgewiesenen Fachpersonen beurteilt werden sollen. Ob eine Gestaltung genügend «gut» ist oder die kontextuelle Gesamtwirkung gewährleistet ist, kann von Fachex­perten nach klaren Kriterien beurteilt werden.

Um der anhaltenden Bautätigkeit und zunehmenden Verdichtung erfolgreich zu begegnen, ist eine hochwertige und kohärente Gestaltung von Gebäuden, aber auch von Umschwung, Strassen- und Freiräumen unabdingbar. Jede Bau­eingabe sollte gemäss Igor ein schlüssiges und ökologisch wertvolles Umgebungskonzept enthalten. Gemeinde und Kanton müssen mit gutem Beispiel vorangehen und Strassen- und öffentliche Freiräume entsprechend vorbildlich gestalten. So können grosse Mehrwerte geschaffen werden.

Eine Kooperation über die Gemeindegrenzen hinweg würde bezüglich Nutzungsplanung oder landschaftlicher Aspekte neue Möglichkeiten eröffnen und die Chance für ein kompaktes Erscheinungsbild der Siedlung bieten. Auch für eine zusammenhängende Grünraumplanung. Dies vor dem Hintergrund, dass die Siedlungsgrenzen durch die Bautätigkeiten der letzten Jahrzehnte verunklärt wurden. (pd/red)

Hinweis Igor lädt am Montag, 9.September, um 18.30 Uhr zu einem Referat zum Thema Architektur und Ortsbild ein. Veranstaltungsort ist die «art dOséra» in Diepoldsau.