Ex-Geserhus-Leiterin freigesprochen

RHEINECK. Weil sie unbefugt Medikamente an Heimbewohner abgegeben haben soll, war die ehemalige Leiterin des Altersheims Geserhus in Rebstein zu 500 Franken Busse verurteilt worden. Dagegen wehrte sich die Frau vor dem Kreisgericht Rheintal - mit Erfolg.

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Das Geserhus in Rebstein stand lange im Zwielicht - die Vorwürfe gegen die frühere Heimleitung liessen sich aber nicht erhärten. (Bild: Archiv/Reto Martin)

Das Geserhus in Rebstein stand lange im Zwielicht - die Vorwürfe gegen die frühere Heimleitung liessen sich aber nicht erhärten. (Bild: Archiv/Reto Martin)

Der Einzelrichter sprach die 59-jährige Angeklagte, die heute in einem anderen Heim als Nachtwache und Aushilfe arbeitet, vom Vorwurf der mehrfachen Übertretung gegen das Heilmittelgesetz frei. Die Begründung: Die Abgabe von Medikamenten in Heimen werde von den Kantonen geregelt. Im Kanton St.Gallen gebe es gegenwärtig keine Verordnung und keine Strafbestimmungen darüber.

Enge Zusammenarbeit mit Arzt
Die Frau gab in der Befragung an, lediglich von den Ärzten verschriebene Medikamente bestellt, hergerichtet und zur Verabreichung bereit gestellt zu haben. Dies während Jahren und in enger Zusammenarbeit mit dem Heimarzt. Dieser hatte der Frau vollstes Vertrauen zugesprochen, wie der Verteidiger am Mittwoch an Schranken ausführte. Die Medikamentenabgabe sei geregelt gewesen.

Staat trägt Kosten
Der Richter folgte der Argumentation der Verteidigung und sprach die Frau frei. Die Kosten des ganzen Verfahrens und das Honorar der Verteidigung hat der Staat zu tragen. Bemerkenswert ist, dass die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift lediglich noch eine Busse von 400 Franken gefordert hatte.

Happige Vorwürfe
Das Altersheim Geserhus in Rebstein war Anfang 2010 in die Schlagzeilen geraten: Es gab eine Hausdurchsuchung, ein Strafverfahren und eine interimistische Heimleitung. Das Strafverfahren gegen die ehemalige Heimleiterin und drei Mitarbeiterinnen wurde Ende letzten Jahrs eingestellt. Offen blieb einzig die Frage nach der unbefugten Abgabe von Medikamenten. Die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter (UBA) war mit happigen Vorwürfen gegen das Heim an die Öffentlichkeit getreten. So sollen Pensionäre in Kellerräume gesperrt und mit Medikamenten ruhig gestellt worden sein, und übergewichtigen Heimbewohnern soll zudem das Essen rationiert worden sein, hiess es von Seiten der UBA. All diese Vorwürfe konnten nicht erhärtet werden. (sda)