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Evergreen: Der Heimatlose

Jan Berger wurde eine grosse Karriere vorausgesagt. Stattdessen wurde der tschechische Fussballer zu einem Nomaden, der den Durchbruch nicht schaffte. Aus sportlichen, aber auch aus persönlichen Gründen.
David Gadze
Jan Berger absolvierte 55 Spiele für den FC St. Gallen – so viele wie für keinen anderen Verein auf seiner langen Reise. (Bild: Michel Canonica)

Jan Berger absolvierte 55 Spiele für den FC St. Gallen – so viele wie für keinen anderen Verein auf seiner langen Reise. (Bild: Michel Canonica)

Er galt als eines der grössten Talente der Schweiz, als technisch überdurchschnittlicher Fussballer, als Musterprofi, umgänglich und verantwortungsbewusst. Der grosse Durchbruch blieb Jan Berger jedoch verwehrt. Stattdessen wurde er zum Nomaden, zum Heimatlosen, der scheinbar ziellos von Club zu Club zog und oft in unteren Ligen statt bei grossen Vereinen spielte. Die zweieinhalb Jahre beim FC St. Gallen bezeichnet er als «die schönste Zeit in meiner Karriere». Hier sei es ihm gut gegangen, hier habe er Freunde fürs Leben gefunden.

Die Kinder als Pfand zurückgelassen

Jan Berger ist heute Nachwuchstrainer bei FCO.

Jan Berger ist heute Nachwuchstrainer bei FCO.

Das Fussballer-Gen wurde Jan Berger in die Wiege gelegt. Sein Vater Jan senior war ebenfalls Fussballprofi und lief 30-mal für die tschechoslowakische Nationalmannschaft auf. Das kommunistische Regime verbot jedoch Wechsel ins Ausland vor dem 30. Altersjahr. So schloss er sich 1986 dem FC Zürich an. Aufgrund früherer regimekritischer Äusserungen und einer Androhung, sich bei einem internationalen Spiel ins Ausland abzusetzen, durften die Eltern nur mit dem einjährigen Tomáš – auch er wurde später Profifussballer – ausreisen. Den neunjährigen Jan und den achtjährigen Petr mussten sie als Sicherheit zurücklassen. Erst 1991 durften sie ihren Eltern nach Zürich folgen.

1994 schafft der damals 17-Jährige den Sprung in den Profikader von GC, damals das Mass aller Dinge im Schweizer Fussball. Doch trotz seines grossen Talents, das er auch in der Champions League zeigen darf, bringt er es in den folgenden drei Saisons nur auf 16 Einsätze für die Hoppers. 1997 wechselt er zum FC Basel. Ein Schritt, den er heute bereut. «Ich hätte geduldiger sein und mich bei GC durchsetzen müssen. Womöglich wäre meine Karriere anders verlaufen.» Denn was folgt, ist eine schier beispiellose Odyssee. Bis zu seinem Karriereende spielt er für Aarau, Bellinzona, Baden, Sion, Lausanne, Bulle, Chênois, die tschechischen Vereine Marila Pribram, Fotbal Třinec und den 1. FC Slovácko, den East Bengal Club aus Kalkutta, Gossau, Amriswil und den FC St. Gallen. Bei keinem Verein bleibt Berger länger als eine Saison – ausser bei den «Espen», zu denen ihn Marcel Koller nach dem Gewinn des Meistertitels im Sommer 2000 holt. Der Mittelfeldspieler kommt regelmässig zum Einsatz, überzeugt mit seiner technischen Versiertheit und der guten Übersicht. Doch Anfang 2003 sortiert ihn Trainer Heinz Peischl aus. «Ich wäre gerne in St. Gallen geblieben», sagt Berger. Er wechselt in seine Heimat zum 1. FK Příbram, kehrt aber wenige Monate und noch weniger Einsätze später in die Schweiz zurück. Er heuert beim FC Sion an, spielt aber meist in der Nachwuchsmannschaft und wird dann an Lausanne, das damals in der 1. Liga spielt, ausgeliehen.

In Indien zu sich selbst gefunden

2009 schliesst sich Berger nach einem weiteren Intermezzo in Tschechien dem indischen Erstligisten East Bengal Club an. Sportlich ist es zwar ein Abstieg, persönlich aber ein wichtiger Schritt. «Dort habe ich Antworten auf viele Fragen gefunden», sagt er. Er setzt sich mit selbst auseinander, auch mit der Frage, was nach dem Fussball kommen könnte. Nach wenigen Monaten ist das Abenteuer Indien vorbei. Berger geht zum FC Gossau. In der Ostschweiz endet seine Reise, bei Amriswil lässt er seine Karriere ausklingen.

Jan Berger gibt unverblümt zu, aus seinem Talent zu wenig gemacht zu haben. «Meine Karriere hätte ganz anders verlaufen können, wenn ich nicht mit mir selber zu kämpfen gehabt hätte.» Die Heimatlosigkeit habe ihn belastet, aber auch die Vergleiche mit dem Vater und seinem Cousin Patrik Berger, der lange für den FC Liverpool spielte. Doch die Vergangenheit hat er abgehakt. Mit seiner Frau und den beiden ein- und dreijährigen Töchtern lebt der 41-Jährige in St. Gallen. Im Sommer zieht die Familie nach Kirchberg um. Berger arbeitet bei einer Versicherung, ist dem Fussball aber treu geblieben. Bei Future Champs Ostschweiz gehört er zum Trainerteam der U18. «Mir geht’s gut, ich bin glücklich», sagt er. Das war nicht immer so. Seine Heimat Tschechien vermisse er zwar nach wie vor. Seinen Platz im Leben habe er aber gefunden.

FC St. Gallen – Lausanne-Sport heute Sa, 19 Uhr im Kybunpark; Matchtipp Jan Berger: 3:1.

Einst Spieler – und heute?

Die Stadtredaktion ruft auch in dieser Saison einige ausgewählte Akteure des FC St. Gallen in Erinnerung, die zwischen den 1960er-Jahren und der jüngeren Vergangenheit auf dem Espenmoos oder im neuen Fussballstadion gespielt haben. (red)

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