Euro-Lohn ist kaum realisierbar

Die Idee, Grenzgängern ihren Lohn in Euro auszuzahlen, ist nicht neu. Aber kaum zu realisieren. Der Arbeitgeberverband Rheintal (AGV) rät seinen Mitgliedern zur Zurückhaltung. Gewerkschafter Paul Rechsteiner sagt: «Schweizer Löhne müssen in Franken bezahlt werden.»

René Schneider
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Der Euro ist aktuell praktisch gleich viel wert wie der Franken, aber Schweizer können damit seit einer Woche in der EU mehr kaufen. (Bild: René Schneider)

Der Euro ist aktuell praktisch gleich viel wert wie der Franken, aber Schweizer können damit seit einer Woche in der EU mehr kaufen. (Bild: René Schneider)

BERNECK. «Grenznahe Firmen planen, Löhne in Euro auszuzahlen», verkündete gestern der Zürcher «Tagesanzeiger» auf seiner Titelseite. Das treffe für das Rheintal so nicht zu, sagt AGV-Präsident René Wuffli auf Anfrage. Die Idee sei «verlockend, aber rechtlich kaum umsetzbar». Der Arbeitgeberverband Rheintal (AGV) rate darum den Mitgliedsfirmen zu Zurückhaltung. Die Freigabe des Eurokurses durch die Schweizerische Nationalbank stelle die Rheintaler Wirtschaft vor grosse Herausforderungen. Die Unternehmen suchten nach Einsparpotenzial, und beim AGV-Sekretariat seien Fragen zum Euro-Lohn für Grenzgänger eingegangen. Doch rät der AGV gemäss Wuffli, «von solchen Massnahmen abzusehen». Sie sind «rechtlich problematisch», steht auch in einem Mitglieder-Schreiben auf der AGV-Webseite.

SFS: «Kein Thema»

Das Unternehmen SFS, grösster Rheintaler Arbeitgeber, hat gestern an einer der regelmässigen Mitarbeiterinformationen am Rand auch über die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem starken Franken informiert. Die Löhne der Grenzgänger in Euro zu bezahlen oder die Franken-Löhne an den Wechselkurs anzupassen, sei «kein Thema» gewesen, sagt Mediensprecher Claude Stadler auf Anfrage. SFS habe sich gegenüber der Belegschaft einmal mehr zum Produktions-Standort Rheintal bekannt. Bekannt gegeben worden sei ein Einstellungs- und Erweiterungs-Stop. Geprüft würden aktuell (wie schon zur Zeit der «Eurokrise» 2010/2011) Massnahmen in allen Bereichen, darunter auch Anpassungen der Anstellungskonditionen. «Entsprechende Entscheide sind aber gemäss Claude Stadler «erst nach sorgfältiger Prüfung in zwei bis drei Monaten zu erwarten».

Schweizer Löhne in Franken

«In der Schweiz müssen Schweizer Löhne in Schweizer Franken bezahlt werden», hält auf Anfrage der St. Galler Ständerat, Rechtsanwalt und Gewerkschafter Paul Rechsteiner fest. Alle Firmen, die 2010 und 2011 versucht hätten, Löhne in Euro auszuzahlen, «sind zurückgekrebst, mussten zurückkrebsen oder sind vor Gericht gescheitert».

Schweizer Angestellten, so Rechsteiner, stünden Löhne und Renten in Schweizer Franken zu. Würden Grenzgängern die Löhne in Euro ausbezahlt, sei das nicht nur eine Diskriminierung der Grenzgänger, sondern auch der Schweizer im Unternehmen, weil es für die Arbeitgeber günstiger wäre, Grenzgänger statt Schweizer zu beschäftigen. «Das würde zu einem massiven Lohndruck und einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen führen. Die tripartiten Kommissionen der Kantone und des Bundes zur Überwachung des Arbeitsmarktes seien in der Pflicht, «dafür zu sorgen, dass das nicht passiert». Die Ideen, Löhne in Euro auszuzahlen, seien nicht neu und kämen immer dann wieder auf, wenn der Franken gegenüber dem Euro erstarke.

«Es ist das Falscheste, die Angestellten jetzt mit Hektik zu verunsichern, statt Ruhe und kühlen Kopf zu bewahren. Der Wechselkurs werde sich wieder beruhigen. «Auch wenn das jetzt dauert und in erster Linie die Nationalbank wieder gefragt sein wird.»