Es wird nie mehr richtig Nacht

Auf Einladung des Vereins St. Galler Rheintal referierte Lukas Schuler, Präsident Dark-Sky Schweiz, über die zunehmende Lichtverschmutzung. Auch im Rheintal gibt es kaum Orte, wo es nachts wirklich dunkel ist.

Maya Seiler
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Bodennebel im Rheintal, darüber eine sternenklare Nacht: Die Siedlungen sind an ihrem hellen Widerschein zu erkennen. (Bild: Philipp Seiler)

Bodennebel im Rheintal, darüber eine sternenklare Nacht: Die Siedlungen sind an ihrem hellen Widerschein zu erkennen. (Bild: Philipp Seiler)

«Nächtliche Lichter, die blenden, sind falsch ausgerichtet.» Wer nach dem informativen Anlass vom Donnerstag Richtung Au oder Berneck nach Hause fuhr, war durch die Aussage des Referenten Lukas Schuler gleichsam sensibilisiert: Zwischen den Strassen- und Hausbeleuchtungen stachen die Scheinwerfer der verschiedenen Sport- und Fussballplätze unangenehm ins Auge. Dies ist wohl auch Christian Sepin aufgefallen, der als Gemeindepräsident von Au-Heerbrugg und Präsident der Fachgruppe Energie die zahlreichen interessierten Besucher begrüsst hatte. Lukas Schuler vom Verein Dark-Sky wies eindrücklich auf die negativen Folgen der nächtlichen Lichtüberflutung hin. Pflanzen und Tiere werden durch den nächtlichen Lichtüberfluss negativ beeinflusst. Insekten kreisen unendlich um Lampen; Zugvögel verlieren die Orientierung; Fledermäuse bleiben angestammten Nachtquartieren fern, wenn Kirchen oder Türme durch Flutlicht angestrahlt werden.

Licht ist Umweltverschmutzung

Die Nacht war während Jahrmillionen dunkel; künstliches Licht kennt man erst seit etwa 200 Jahren. Problematisch ist, dass die Menschen Licht als etwas Positives empfinden, während Lärm oder Luftverschmutzung sofort Proteste hervorrufen. Darum waren die bisherigen Bestrebungen auch nur darauf ausgerichtet, Beleuchtungen mit Sparlampen energieeffizienter zu betreiben. Dagegen gibt es kaum Anstrengungen, Lampen sparsamer und gezielter einzusetzen oder, wenn immer möglich, ganz wegzulassen. Der Fachmann von Dark-Sky verglich die menschengemachten Lichtimmissionen mit der Helligkeit des Vollmonds. Bewohnte Regionen strahlen nachts um ein Vielfaches heller als das Mondlicht. Eine Nachtaufnahme der Schweiz vom Satelliten aus zeigt das Mittelland als breites helles Band zwischen Genf und Zürich. Auch in den Alpen sind wirklich dunkle Regionen kaum mehr zu finden. Das betonte Physiklehrer Benedikt Götz, an der Kanti für den Astronomie-Unterricht und die Sternwarte zuständig. Zur Himmelsbeobachtung weilt er öfter auf dem Gornergrat. Aber auch in dieser Bergregion sieht man im Süden die Lichtglocke über Mailand, im Westen das Streulicht der Stadt Genf.

Hier kennt man die Milchstrasse noch

Fast alle Hände gingen in die Luft, als Götz die Zuhörer fragte, wer die Milchstrasse schon gesehen habe. Im Rheintal haben wir zum Glück noch das Privileg, in klaren Nächten den Sternenhimmel zu sehen. Hingegen gibt es in Grossstädten Kinder, die unsere Galaxie, die Milchstrasse, noch nie gesehen haben.

Unter der Führung von Kantischülern konnten die Besucher anschliessend auf dem Planetenweg, im Planetarium und in der Sternwarte einen vertieften Blick ins Universum erhaschen.

Zeitschaltuhren, Lampen mit Bewegungsmeldern, Reduktion der Strassenbeleuchtung ab 22 Uhr waren Diskussionsthemen beim Apéro.

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