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«Es ist stets jemand zu Hause»

DIEPOLDSAU. Meryem und Ömer Sarac arbeiten beide Schicht – Gegenschicht. Sohn Furkan kommt nach den Sommerferien in die zweite Oberstufe und Tochter Tuana in die vierte Primarschulklasse. Sie schätzen es, dass immer jemand von den Eltern zu Hause ist.
Bea Sutter
Familie Sarac aus Diepoldsau: Furkan, Ömer, Tuana und Meryem. (Bild: Bea Sutter)

Familie Sarac aus Diepoldsau: Furkan, Ömer, Tuana und Meryem. (Bild: Bea Sutter)

An ruhiger, idyllischer Lage an der Äuelistrasse in Diepoldsau haben sich Meryem und Ömer Sarac vor zwei Jahren eine Eigentumswohnung gekauft. «Wir legen grossen Wert auf schönes, ruhiges Wohnen und haben uns diesen Traum erfüllt», sagt Ömer Sarac nach der Begrüssung auf dem Parkplatz vor dem neuen Mehrfamilienhaus. Offen und freundlich begrüssen auch die neunjährige Tuana und der 14-jährige Furkan den Gast von der Zeitung. Er habe gerade die Kinder vom Fussballspielen für dieses Gespräch geholt, sagt Ömer Sarac in breitem Diepoldsauer Dialekt auf dem Weg in die Wohnung.

Fussball ist Favorit

Seine Frau Meryem ist gerade von der Arbeit nach Hause gekommen, als sich die ganze Familie an den grossen Esstisch im Wohnzimmer setzt.

Die quirlige Tuana erzählt sofort von ihren Hobbies – Favorit sei das Fussballspielen, wie bei ihrem Vater und ihrem Bruder auch. «Wir sind eine Fussballer-Familie», lacht Ömer Sarac und erntet einen vielsagenden Blick von seiner Frau. Nein, sie spiele nicht Fussball, sei aber meistens dabei, wenn die Kinder ein wichtiges Spiel haben. «Wir sind fast jedes Wochenende auf dem Fussballplatz», sagt Ömer Sarac. Er spielt inzwischen bei den Senioren des FC Widnau. «Weil ich Schicht arbeite, kann ich nicht mehr regelmässig zum Training gehen. Sich bei den Senioren fit zu halten, das geht gut. An den Matches mitzuspielen, ist Ehrensache.» Furkan ist ein begabter junger Fussballer. Der junge Stürmer war bei der Auswahl bei Rheintal-Bodensee, nun spielt er wieder im Heimclub. Er spielt in Widnau bei den B-Junioren.

Tuana kommt nach den Sommerferien zu den Juniorinnen D beim FC Widnau. So versteht es sich von selbst, dass die Eltern fast jedes Wochenende auf dem Fussballplatz sind und ihre Kinder anfeuern.

Ömer Sarac ist in Diepoldsau aufgewachsen. Seine Familie war aus der Türkei eingewandert, seine Eltern wohnen auch in Diepoldsau. Ömer Sarac erlangte mit Frau und Kindern das Bürgerrecht der Ortsgemeinde Schmitter. «Mer seand Bürger vo Schmeatter», will er betont haben. Seine Frau Meryem, die in Vorarlberg aufgewachsen ist, lacht. Dann wird das Gespräch wieder ernster, als es um die beiden Kulturen geht. Man sei sich der Herkunft wohl bewusst, da beide aber hierzulande aufgewachsen sind, sei es nie ein Thema gewesen, nach welchen kulturellen Gepflogenheiten man leben möchte, sagt Ömer Sarac. «Leben und Leben lassen», sagt er. «Mit gesundem Menschenverstand und mehr Toleranz wären viele Probleme erst gar nicht da.»

Ideales Arbeitsmodell

Ömer Sarac erlernte den Beruf des Maschinenmonteurs, arbeitete bei einigen Rheintaler Firmen, seit 15 Jahren bei SFS, Heerbrugg. «Die Schichtarbeit kam mir entgegen, weil in dieser Zeit auch Furkan geboren wurde», erzählt er. Zwei Jahre nachdem Tuana zur Welt gekommen war, wollte auch Meryem Sarac wieder erwerbstätig sein. So erhielt sie vor sieben Jahren eine Stelle in der Produktion bei SFS.

Dass das Unternehmen der jungen Familie entgegengekommen war – die Eheleute können in Gegenschicht arbeiten – dafür sind Saracs ihrem Arbeitgeber dankbar. Meryem sagt: «Es ist enorm wichtig, dass immer jemand von uns beiden bei den Kindern zu Hause ist.» Hätte sich nicht eine so ideale Möglichkeit geboten, wäre sie nicht ausser Haus arbeiten gegangen. «Die Familie steht immer im Vordergrund. Wir haben Kinder gewollt und sind so glücklich, wie wir es haben», findet auch ihr Mann. Fremdbetreuung wäre nie in Frage gekommen. Tuana sagt: «Es ist stets jemand zu Hause, wenn wir von der Schule kommen». Furkan ergänzt: «Man kann immer gleich erzählen, wenn man etwas auf dem Herzen hat.»

Willkommener Zusatzverdienst

Natürlich sei der Zusatzverdienst der Frau willkommen, um «sich nicht so einschränken zu müssen», findet Ömer Sarac. Die Wohnung, die Versicherungen – alles kostet. «Als die Kinder noch klein waren und Meryem 75 Prozent arbeitete, war es schon anstrengend», erinnert sich Ömer Sarac. Von der Arbeit nach Hause zu kommen und sich dann um die Bedürfnisse der Kinder zu kümmern, obwohl man sich am liebsten hingelegt hätte – es war eine «happige Zeit» für beide Elternteile.

Seit Januar arbeitet Meryem Sarac nur noch 50 Prozent, auch dafür sei sie ihrem Arbeitgeber dankbar. «So bringe ich alles gut unter einen Hut.» Sie könne sogar noch ein bisschen «Coifförle» – sie hat in einem Raum einen kleinen Frisiersalon eingerichtet. «Auch das gibt ein bisschen Feriengeld», äussert sie sich lachend und findet es noch wichtiger, dass sie ihre Kreativität ausleben und so auch den Kontakt zu den Leuten pflegen kann – ein willkommener Ausgleich zur Arbeit im Betrieb.

Meryem Sarac fasst zusammen: «So zu leben, wie wir leben, braucht eine wahnsinnige Organisation. Das muss man sich beim Gegenschichten bewusst sein.» Ömer Sarac wirft seiner Frau einen dankbaren Blick zu und ergänzt: «Sie ist die Agenda.»

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