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«Es ist ein Buch gegen das Vergessen»

Letzte Woche ist Peter Beutlers Roman «Kristallhöhle» erschienen. Das Buch handelt vom Doppelmord von 1982 bei Oberriet. Thomas Benz, der dem Autor umfangreiches Recherchematerial zur Verfügung gestellt hat, ist froh, dass das nie aufgeklärte Verbrechen so nicht vergessen geht.
Max Tinner
Thomas Benz hat der unaufgeklärte Doppelmord von Kindsbeinen an keine Ruhe gelassen. «Das skrupellose Verbrechen darf nie vergessen gehen», sagt er. Möglicherweise führe Peter Beutlers Roman ja sogar zu neuen Hinweisen, denkt der gelernte Offsetdrucker, der heute als Bestatter arbeitet. (Bild: Max Tinner)

Thomas Benz hat der unaufgeklärte Doppelmord von Kindsbeinen an keine Ruhe gelassen. «Das skrupellose Verbrechen darf nie vergessen gehen», sagt er. Möglicherweise führe Peter Beutlers Roman ja sogar zu neuen Hinweisen, denkt der gelernte Offsetdrucker, der heute als Bestatter arbeitet. (Bild: Max Tinner)

Herr Benz, Sie haben während vieler Jahre zum sogenannten Kristallhöhlenmord recherchiert. Haben Sie das Buch schon gelesen? Was halten Sie davon?

Thomas Benz: Ich bin noch dran, es zu lesen. Der Roman basiert zum grössten Teil auf meinen Recherchen, die ich Peter Beutler dafür zur Verfügung gestellt habe. Wir haben zwar eng zusammengearbeitet; was er letztlich daraus machte, wusste aber auch ich nicht. Mein Eindruck ist, dass er die Fakten meisterhaft verarbeitet hat. Überrascht hat mich, dass ich im Roman eine wichtige Rolle spiele – und im Buch den Fall zuletzt sogar löse. Was tatsächlich ja nie passiert ist, in den ganzen 32 Jahren nicht.

Ist Ihnen das zu realitätsfern?

Benz: Es entspricht zwar nicht der Realität. Der Autor betont aber auch, dass der Roman Fiktion ist – selbst wenn er auf Fakten beruht. Das Buch ruft aber das schreckliche Verbrechen von damals in Erinnerung. Und das ist gut so.

Warum?

Benz: Weil nie vergessen gehen darf, was damals geschehen ist. Selbst wenn der Fall mittlerweile strafrechtlich verjährt ist. Aber immerhin war es ein Doppelmord und damit eines der schwersten Verbrechen, das in der Schweiz jemals begangen worden ist. Man stelle sich vor, jemand aus der eigenen Familie wäre eines der Opfer gewesen…

War Ihre Familie betroffen?

Benz: Nein.

Wie kamen Sie dann dazu, seit den 1980er-Jahren als Privatperson zu recherchieren?

Benz: Als das Verbrechen geschah, war ich sieben Jahre alt und oft bei meinen Grosseltern im Oberrheintal zu Besuch. Damals wurde kaum über etwas anderes geredet. Dass die Leichen der Mädchen in der Nähe der Kristallhöhle gefunden worden sind, in der ich schon als Fünfjähriger herumgestiefelt bin, berührte mich sehr. Noch im Jahr darauf, 1983, stand etwas über den Fall in der «Volkszeitung». Ich bekam den Artikel als Achtjähriger in die Hände. Dass so viele Fragen offengeblieben sind, störte mich. Es war für mich unverständlich, dass das Verbrechen nach einem Jahr noch nicht aufgeklärt war. Dann kam hinzu, dass ich und mein Bruder damals über längere Zeit belästigt wurden.

Inwiefern?

Benz: Wir wurden verfolgt und immer wieder fotografiert – unter anderem aus einem grauen Auto heraus. Und damals suchte man in Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Doppelmord ebenfalls nach jemandem mit einem grauen Auto, der die beiden Mädchen fotografiert hatte. Als Bub stellte ich da eben einen Zusammenhang her. Es war eigenartig. Unheimlich.

Dann begannen Sie auf eigene Faust nach Zeugen zu suchen?

Benz: Ja. Ich war nicht älter als neun, als ich in Kobelwald und Kobelwies von Haus zu Haus ging und die Leute fragte, ob sie Ende Juli 1982 etwas Auffälliges gesehen hätten.

Und die Leute gaben Ihnen bereitwillig Auskunft?

Benz: Ja. Ich wurde von den Leuten nie belächelt. Sie haben mich immer ernst genommen. Auch, als ich ab 2002 wieder zu recherchieren begann und dabei auch Kontakt mit dem ehemaligen Haupttatverdächtigen hatte, der von der Justiz mangels Beweisen rehabilitiert worden ist. Er gab mir Einsicht in die Akte, die von den Untersuchungsbehörden über ihn angelegt worden ist.

Denken Sie, dass das Verbrechen jemals aufgeklärt wird?

Benz: Ich denke, dass es längst aufgeklärt wäre, hätten Polizei und Staatsanwaltschaft so engagiert recherchiert wie ich. Selbst ein ehemaliger Staatsanwalt hat mir das so gesagt. Er hat mir mehrfach bestätigt, dass die Ergebnisse meiner Recherchen glaubwürdig und stichhaltig sind. Das ist mit ein Grund, weshalb ich den Fall immer wieder an die Öffentlichkeit bringe. Ich will weder Narben aufreissen, noch geht es mir darum, den Fall selbst zu lösen. Ich hoffe aber noch immer, dass es aufgrund von Medienberichten Hinweise gibt, die helfen, den Fall endlich zu lösen.

Auch noch nach 32 Jahren? Der Fall ist doch damit verjährt?

Benz: Trotzdem. Nach mehreren Beiträgen auf Tele Ostschweiz, die von mir angeregt wurden, gab es letztes Jahr tatsächlich noch neue, vielversprechende Hinweise. Gut möglich, dass auf Peter Beutlers Buch hin noch mehr an den Tag kommt.

Der Autor des Buchs stellt im Nachwort die These auf, dass der Doppelmord von Oberriet und die Ermordung der fünfjährigen Ylenia im Jahr 2007 zusammenhängen. Was halten Sie davon?

Benz: Ich halte es für eine recht gewagte Behauptung, aber ich könnte es mir vorstellen.

Weshalb?

Benz: Jemandem, der Brigitte Meier und Karin Gattiker auf dem Gewissen hat, würde ich auch den Mord an Ylenia zutrauen. Aufgrund von konkreten Hinweisen, die Peter Beutler nach den Beiträgen auf Tele Ostschweiz erhalten hat, spricht einiges dafür, dass der Mord an Ylenia nicht von einem Einzeltäter begangen worden ist. Wer immer es in Oberriet war, könnte auch in Appenzell involviert gewesen sein.

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