Es braucht mehr Verbote

Der Mensch ist ausser Kontrolle geraten, dagegen helfen Verbote. Das Verbots-Monopol liegt beim Staat, also soll er gut schauen zu uns. Er nimmt diese Verantwortung wahr – zumindest teilweise.

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Der Mensch ist ausser Kontrolle geraten, dagegen helfen Verbote. Das Verbots-Monopol liegt beim Staat, also soll er gut schauen zu uns. Er nimmt diese Verantwortung wahr – zumindest teilweise.

So dürfen Wirte in ihren Räumen das Rauchen nicht mehr gestatten. Weil dennoch die Gefahr besteht, dass ein Hauch Rauch durch Fenster dringt, wären strengere Richtlinien für Abdichtungen nötig. Auch das Einkaufen zur Unzeit schränkt Vater Staat ein.

Mit Hilfe gewerkschaftlicher Fürsorge erreicht er es vielleicht, dass Läden nur noch werktags von 9 bis 17 Uhr geöffnet haben dürfen, inklusive strikter Mittagspause. An Fussballspielen sollen Stehplätze abgeschafft werden, denn der stehende Fan ist Gesängen zugeneigt, die den Geldgeber in der VIP-Loge in den Ohren schmerzen.

Ausserdem verführe das Stehen zur Gewalttätigkeit – ein nachvollziehbares Argument: Sitzend ist es schwieriger, mit der Faust zuzuschlagen.

Doch es gibt noch riesige Gesetzeslücken. Für eine homogene Gesellschaftsordnung wären weitere Vorschriften angebracht: Nicht unrasiert aus dem Haus gehen, kein Alkoholausschank an Dorffesten, den Müll erst am Morgen des Abfuhrtages raus stellen, in der Öffentlichkeit nicht Kaugummi kauen, nicht händchenhaltend durch die

Fussgängerzone laufen, Gesprächs-Lautstärke auf 50 Dezibel beschränken, Telefonieren nur noch in dafür bezeichneten Zonen.

Damit der Mensch die Perfektion erreichen kann, zu der er fähig ist, müssten wohl noch mehr Sachen reglementiert werden. Dann ist der Mensch auch wieder leicht zu kontrollieren – es darf allerdings niemand erwarten, dass er noch Ideen entwickelt, die über das Erlassen neuer Verbote hinausgehen.

Yves Solenthaler

solenthaler@rdv.ch