Erstes Heimturnier zum Lernen

345 Judokas nahmen am 44. internationalen Rankingturnier in Altstätten teil, das sind 40 weniger als vor einem Jahr. Der Organisator, der JJJC Rheintal, war mit zwei Kämpfern vertreten, der jüngere startete am Heimspiel gar in einer höheren Kategorie.

Yves Solenthaler
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Gereon Schlickeiser aus Montlingen (rechts) ist ein hoffnungsvoller Judoka des JJJC Rheintal. Bei seiner ersten Teilnahme am Heimturnier traf er jedoch auf (noch) übermächtige Gegner. (Bild: Christian Kamber)

Gereon Schlickeiser aus Montlingen (rechts) ist ein hoffnungsvoller Judoka des JJJC Rheintal. Bei seiner ersten Teilnahme am Heimturnier traf er jedoch auf (noch) übermächtige Gegner. (Bild: Christian Kamber)

An U13-Turnieren hat Gereon Schlickeiser schon mehrmals den Sieg davongetragen. Am Sonntag wagte der 12-Jährige in der Alt­stätter Schöntalhalle den Sprung in eine höhere Altersklasse.

Um erstmals am Turnier seines Vereins starten zu können, trat der Montlinger gegen Konkurrenten der U15-Kategorie; das ist die tiefste Altersklasse, in der in Altstätten Wettkämpfe durchgeführt wurden.

Ostschweizer Meister gegen ältere Schweizer Kämpfer

Der Wettkampf der Schüler U15 gehört nicht wie die üblichen Konkurrenzen des Rheintaler Judoturniers als Quali-Turnier zur Schweizer Meisterschaft – in dieser Altersklasse gibt es noch keine nationalen Titelkämpfe. Aber der Anlass ist dennoch national besetzt: Der Sieger der Gewichtsklasse bis 36 kg, in der Gereon Schlickeiser kämpfte, kommt von der Ecole Judo Dégallier in Yverdon-les-Bains.

Der junge Rheintaler Judoka trainiert in der Gruppe von Trainer Christian Rebholz. Gereon Schlickeiser sei mit viel Fleiss dabei, sagen sie im Judo- und Ju-Jitsu-Club Rheintal. Und er hat in seiner Altersklasse schon einigen Erfolg, auch ein Ostschweizer Meistertitel kürt sein Palmarès.

Die drei Kämpfe gegen um zwei bis drei Jahre ältere Judokas enthalten für das JJJC-Rheintal-Talent vor allem einen grossen Lerneffekt.

Die Enttäuschung war dem Rheintaler anzusehen, als er im dritten Kampf überrumpelt worden war. Ähnlich war es ihm schon beim ersten Auftritt ergangen. Er kämpfte aber nach Einschätzung gut, zumindest in den ersten zwei Auftritten.

In seinem zweiten Kampf war es Gereon Schlickeiser gar gelungen, mit einem Waza-ari in Führung zu gehen. Sein älterer Gegner fand darauf eine Antwort und drehte den Spiess um. Aber diese Wertung hat dem jungen Rheintaler Judoka die Gewissheit gegeben, in naher Zukunft auch in der älteren Altersklasse bestehen zu können.

Mit einem weiteren Jahr gewissenhaftem Training kann Gereon Schlickeiser am 45. Rheintaler Judoturnier als regulärer U15-Kämpfer seinen Konkurrenten vielleicht die Stirn bieten.

Taktische Überlegungen und grosse Niveauunterschiede

In der Altstätter Schöntalhalle, in der die Judokas seit einigen Jahren Gastrecht geniessen, hat es Platz für fünf Matten. An der Seite finden die Zuschauer Raum zum Verweilen, in der Festwirtschaft bekommen sie auf Leinwand Filmausschnitte des Turniers im letzten Jahr geboten.

Die Kapazität der Halle vertrüge jedoch mehr als 345 Teilnehmer. Die Zahlen sind – mit Unterbrüchen – seit Jahren rückläufig, allerdings war vor einem Jahr ein Anstieg zu verzeichnen.

Oft ist für die Organisatoren die Teilnehmerzahl nicht steuerbar. Als Quali-Turnier für die Schweizer Meisterschaft ist der Wettkampf wichtig. Allerdings gibt’s noch weitere solcher Turniere, und nicht selten beschliessen die Judokas eine Teilnahme aus taktischen Gründen – oder eben nicht. Etwa, um einem Gegner aus dem Weg zu gehen.

Kein Rheintaler Heimsieg am eigenen Turnier

Ein Ansatz für den Grund des Rückgangs liefert vielleicht auch die Teilnahme des organisierenden Vereins: Nur zwei Mitglieder massen sich mit den Besten der Schweiz. Der Vorgang ist auch in anderen Sportarten zu beobachten: Je besser Trainingsmethodik und höher die Intensität schon in jungen Jahren wird, umso grösser werden die Leistungsunterschiede. Durch dieses Training enteilen die Spitzenleute den Schwächeren, die den Spass daran verlieren, sich mit übermächtigen Konkurrenten zu duellieren.

Daniel Renetzeder aus Diepoldsau war der zweite heimische Judoka, der am heimischen Turnier antrat. Auch der 29-Jährige konnte in der Gewichtsklasse bis 81 Kilo keinen Kampf gewinnen. Renetzeder hatte nicht viel mehr erwartet, weil er die vergangenen Monate häufiger auf dem Snowboard als in der Judohalle verbracht hatte.