Erste Weltpokal-Feier der Schweiz

Nach seiner Hauptversammlung feierte Faustball Widnau im Restaurant Hecht seinen Sieg am Weltpokal. Präsident André Stoffel sagte, er sei stolz, die erste Weltpokal-Feier der Schweiz eröffnen zu dürfen. Eine Spurensuche des Triumphs anhand einiger Voten der Feier.

Yves Solenthaler
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Die Helden von Porto Alegre feiern mit den Fans in Widnau (hinten von links): Kevin Kohler, Domenic Fehle, Jan Esser (Eminenz), Pascal Krenn, Remo Pinchera (Betreuer), Cyrill Schreiber, Kurt Sieber (Trainer). Vorne: Mark Hüttig, Yanick Linder, Mario Kohler und Jan Meier. Abwesend ist Juliano Fontoura, der noch am Reisen ist. (Bild: Yves Solenthaler)

Die Helden von Porto Alegre feiern mit den Fans in Widnau (hinten von links): Kevin Kohler, Domenic Fehle, Jan Esser (Eminenz), Pascal Krenn, Remo Pinchera (Betreuer), Cyrill Schreiber, Kurt Sieber (Trainer). Vorne: Mark Hüttig, Yanick Linder, Mario Kohler und Jan Meier. Abwesend ist Juliano Fontoura, der noch am Reisen ist. (Bild: Yves Solenthaler)

FAUSTBALL. Trainer Kurt Sieber erinnerte sich an den NLA-Final 2013. Mit 1:3 nach Sätzen lag Widnau gegen Diepoldsau im Hintertreffen. Die Widnauer drehten das Spiel und gewannen 4:3. «Dieser Meistertitel war Voraussetzung für den Europacup-Sieg 2014 – und dieser für den Gewinn des Weltpokals.» Vor allem sei aber dieses Finalspiel gegen Diepoldsau der Moment gewesen, in dem der gute Zusammenhalt im Team begründet wurde.

Die Widnauer Faustballer lebten in Brasilien drei Wochen auf engem Raum zusammen. «Wir haben einander ausgehalten», sagt Sieber, «nie hat es Streit gegeben.» In der Woche vor den beiden Finalspielen gegen Porto Alegre bereitete sich Widnau bei Novo Hamburgo, Schreibers früherem Verein, vor. «Fausto ist dort lebende Legende und Ehrenmitglied auf Lebenszeit», witzelte Sieber. Und auch zwischen Novo Hamburgo und Widnau bestehe nun eine starke Verbindung: «Wir sind Freunde geworden.»

«Stühle und Bänke auf dem Feld»

Die brasilianischen Freunde unterstützten Widnau gar im Spiel gegen den brasilianischen Gegner. Sieber: «Knapp 50 Zuschauer kamen aus Widnau, etwa gleich viele von Novo Hamburgo – der heissblütige Rest war für Porto Alegre.» Wie Leidenschaft im brasilianischen Faustball aussieht, schilderte vorher Erwin Ziegler, Präsident der Gönnervereinigung Widnau: «Sie werfen Stühle und Bänke aufs Feld. Damit muss man als Gastmannschaft klarkommen. Kein Wunder, haben brasilianische Teams zehn von dreizehn Weltpokal-Finals auf eigenem Terrain gewonnen.»

Stühle und Bänke kamen zwar nicht geflogen. Aber gerade im zweiten, lange offenen Spiel war fast jeder Schlag Schreibers von Pfiffen und Buhrufen begleitet. «Auch wegen der heissblütigen Fans habe ich so gerne in Brasilien gespielt. Ich mag diese aufgeladene Atmosphäre», sagt Schreiber. Im zweiten Spiel hat er gar damit gespielt, als er sich in einer entscheidenden Situation mit dem Schiedsrichter auf Diskussionen einliess. Die mentale Vorbereitung bildet sicher auch eine Spur auf dem Weg zum Triumph.

Offensiv das Ziel verfolgt

Eine solche erspürte auch Widnaus Gemeinderat Werner Barmettler, der die Glückwünsche der Gemeinde überbrachte. Charmant hatte Barmettler zu Beginn einen Faux-pas eingeräumt: Er hatte einen Gutschein für Bier aus Rebstein dabei, wurde vor der Feier aber gewahr, dass eine Brauerei aus St. Gallen Sponsor von Faustball Widnau ist. Die Faustballer nahmen das Geschenk dennoch gerne an.

Und auch Barmettlers Worte fanden Anklang. Er hob hervor, dass Faustball Widnau explizit und öffentlich das Ziel Weltpokal ausgegeben hat: «Andere sind gerne <glatti Chaibe>. Aber ein solches Ziel zu kommunizieren, braucht viel Mut.» Barmettler ist davon beeindruckt, die Widnauer zeigten damit die Haltung von Champions: «Vielleicht hat es gerade deshalb gereicht.»

Einige Spuren sind zusammengekommen: Teamgeist, Nerven, Leidenschaft, Selbstvertrauen. Die Basis bildet immer das harte Training. Und das gute Umfeld des 73-jährigen Vereins, das Redner Karl Liechti in den Vordergrund stellte, ist auch hilfreich. Das zeigt sich darin, dass Widnau seit der Einführung der Nationalliga stets in der höchsten Spielklasse spielt – als einziger Schweizer Verein. Wie breit abgestützt der Verein ist, zeigte sich an der Feier im proppenvollen Restaurant Hecht. Und auch die Familie und das weitere Umfeld jedes Spielers und Staff-Mitglieds sind für das Gelingen einer solchen Expedition entscheidend.

Alle haben mitgefiebert

Die Widnauer Faustballer sind Weltklasse, Geld verdienen sie aber nicht. Aber ihr Training und ihre Reisen verursachen Kosten, die jemand bezahlen muss. Der Verein finanziert sich über Sponsoren und Gönner. Sie haben also auch einen Teil zum Gewinn des Weltpokals beigetragen. Wie alle, die dabei gewesen sind an diesem Triumph – sei dies in Brasilien, am Livestream im Internet oder sonst irgendwie mitfiebernd.

In diesem Sinn sagte Widnaus Coach Sieber etwas sehr Ähnliches, wie Deutschlands Trainer Jogi Löw nach dem Gewinn des Fussball-WM-Titels: «Alle, die hier sind, sind Weltpokal-Sieger!»

Fausto Schreiber: Für ihn zählen die inneren Werte des Pokals.

Fausto Schreiber: Für ihn zählen die inneren Werte des Pokals.