Erste Elitestute ist aus Balgach

Der Burgdorfer Pferdezuchtverein hat erstmals die Auszeichnung «Elitestute» erteilt.

Gerhard Huber
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Zuchtkommissionspräsident Jürg Schenk gratuliert Pferdehalter Andreas Giger zur Auszeichnung seiner «Ombra» als Elitezuchtstute: (v.l.) Vereinspräsident Marius Zollet, «Othello», «Ombra», Andreas Giger, Jürg Schenk, «Romero» und Nicole Hollenstein. (Bild: Ulrike Huber)

Zuchtkommissionspräsident Jürg Schenk gratuliert Pferdehalter Andreas Giger zur Auszeichnung seiner «Ombra» als Elitezuchtstute: (v.l.) Vereinspräsident Marius Zollet, «Othello», «Ombra», Andreas Giger, Jürg Schenk, «Romero» und Nicole Hollenstein. (Bild: Ulrike Huber)

Pferdesport Malerisch schön ist es an diesem herbstlichen Sonnentag auf dem Nussbaumhof in Balgach, wo Andreas Giger einen Stall für seine drei Burgdorfer Pferde gemietet hat. Auf dem angrenzenden Grundstück geniesst eine Herde Jungrinder die letzten Tage im Freien und tollt übermütig über das Feld, bevor es über den Winter in den wärmenden Stall geht. Gleich acht samtpfotige Mäusejäger liegen vor dem Stalleingang und blinzeln gähnend in die Sonne – lassen sich nicht von den drei mächtigen Arbeitspferden stören, die Besitzer Andreas Giger gerade auf den Hof führt. Die Stute Ombra und ihre beiden Söhne Othello und Omero sind gestriegelt und geputzt.

Lebendige Pferdestärken statt Traktoren

Denn es ist ein besonderer Tag. Vereinspräsident und Zuchtkommissionspräsident des Burgdorfer Pferdezuchtvereins, Marius Zollet und Jürg Schenk, sind extra aus der Innerschweiz angereist, um der 22-jährigen Stute Ombra die Auszeichnung als allererste Elitezuchtstute seit Wiedererweckung der Burgdorfer Pferderasse zu verleihen. Früher, als in Land- und Forstwirtschaft noch lebendige Pferdestärken anstatt Traktoren und Kraftfahrzeuge im Einsatz waren, waren die Burgdorfer, eine Mischung aus Ardenner und Freiberger Pferden, eine weitum verbreitete Schweizer Pferderasse. In den Sechzigerjahren starben diese nervenstarken, robusten und leichtfuttrigen Pferde aus. Bis sich 2008 eini­- ge Pferdeliebhaber der Aufga­- be verschrieben haben, diese mittel- bis schwergewichtigen Arbeitspferde wieder zu züchten.

«Ombra ist ein ganz besonderes Pferd mit exzellenten Genen», erzählt Zuchtkommissionspräsident Jürg Schenk und bekräftigt dies mit der Vorlage ihres Stammbaums. Ombra zählt in beiden Linien mehrfach den legendären Freibergerhengst Hamid, der etwa in den Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts gelebt hat, zu ihren Vorfahren. Sie verfügt über eine konsolidierte Genetik, was sich daran gezeigt hat, dass sie, obwohl von verschiedenen Hengsten gedeckt, jeweils Fohlen zur Welt brachte, die in ihren Jahrgängen zu Siegerfohlen des Zuchtvereins gekürt wurden.»

Die Besten bei den Leistungsprüfungen

Und der stolze Besitzer Andreas Giger ergänzt, «Ombras Söhne Othello und Omero waren jeweils die Besten der Leistungsprüfungen 2013 bzw. 2019. Omero hat dabei die höchste Note seit Bestehen dieser Prüfungen erhalten.» Die Voraussetzung für die Auszeichnung als «Elitestute» ist es, dass mindestens zwei Nachkommen die Leistungsprüfung mit Erfolg ablegen, bei der neben Dressurgehorsam auch die Bewältigung des Slalomparcours mit angehängtem Baumstamm und das Schlittenziehen gehört. Mit Wehmut denkt Andreas Giger an das dritte Fohlen Ombras zurück. Odessa zeigte auch tolle Anlagen und wurde Siegerfohlen bei der Jubiläumsschau des Zuchtvereins 2018. Leider musste sie nach einem Weideunfall eingeschläfert werden.

Die Pferde sind täglich im Einsatz

Wobei Ombra, Othello und Omero nicht nur im Stall stehen, sondern täglich im Einsatz sind. Entweder als Kutschenzugpferde, Reitpferde oder in der Pferdesportart Holzrücken. Und auch in der Forstarbeit, wo diese kräftigen Tiere bestens geeignet sind, um die gefällten Baumstämme zur nächsten befestigten Strasse zu schleppen. So vor Kurzem in Teufen, wo Andreas Giger mit zwei Holzrücker-Kollegen gefällte Eschen über einen schmalen, unbefestigten Forstweg bis zu den wartenden LKW geschleppt haben. Natürlich mit weniger CO2-Belastung der Umwelt als beim heutzutage normalen maschinellen Holztransport. Denn Pferde brauchen nur Heu und etwas Kraftfutter und trinken keinen Diesel.