Erst Halloween-Party, dann Schläge

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat sich nach der Montlinger Halloween-Party vom Sonntag, 31. Oktober, ein tätlicher Übergriff ereignet. Eine Anzeige liegt zwar vor, hingegen nicht auf Körperverletzung.

Maya Schmid-Egert
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Montlingen. Der 30-jährige Vorarbeiter, der an besagtem Abend die Hand gebrochen hat und laut eigenen Aussagen zwei Wochen lang krankgeschrieben wurde, möchte anonym bleiben: «Womöglich muss ich sonst noch mit einer Racheaktion rechnen.»

Er beschreibt den Hergang nach dem Partybesuch so: «Meine Freundin und ich stiegen um 4 Uhr in der Früh in unser Auto, das auf dem Parkplatz neben der <Halle> an der Industriestrasse 5 stand, und wollten unsere drei Kollegen, die beim Eingang warteten, abholen. Beim Heranfahren sahen wir, dass sich unsere Kollegen und vier Männer um die 20 ein Scharmützel lieferten. Ich stieg aus und hörte etwas wie <Alli Albaner sind gliich> und <Nein, es sind nöd alli gliich>, da packte mich jemand von hinten und warf mich über die Motorhaube. Panik ergriff mich, ich drehte mich reflexartig um und drückte den Kerl auf den Boden. Meine Freundin schrie, dass sie die Polizei rufen würde. Ich liess ab, stieg ins Auto und spürte die Schmerzen in meiner rechten Hand. Die Kollegen stiegen auch ein. Wir fuhren weg und entdeckten die Polizei, die um die Ecke zufällig einen Unfall bearbeitete. Als wir ihnen schilderten, was geschehen war, kehrten sie mit uns zurück und suchten nach den Männern. Sie hatten bereits das Weite gesucht.»

Korrekte Anzeige fehlt

Der Vorfall ist der Polizei zwar bekannt, allerdings in einer anderen Version. Polizeisprecher Hans Peter Eugster: «Uns wurde am 1. November um 4.15 Uhr gemeldet, dass zwei Streithähne aus der Disco eine Frontscheibe beschädigt hätten.» Unterschrieben hat die Anzeige, die auf Sachbeschädigung lautet, die Auto-Inhaberin und Freundin des Vorarbeiters. Das Paar bestätigt: «Uns sagte der Polizist vor Ort, dass eine Anzeige auf Körperverletzung noch geprüft werden müsse.»

Weil diese offiziell nicht vorliegt, wurde auch keine Fahndung ausgelöst. Hans Peter Eugster: «Wäre es in jener Nacht tatsächlich um eine Tätlichkeit oder einfache Körperverletzung gegangen, hätte die Polizei Anwesende genauer befragt, um irgendwelche Hinweise auf die Identität der Täter zu erhalten.»

Offensichtlich war sich das Paar nicht bewusst, dass es diese Anzeige (auf Körperverletzung) hätte nachholen müssen. Realisierbar wäre dies auch jetzt noch. Der Polizeisprecher: «Es besteht die Möglichkeit, innerhalb von drei Monaten einen Strafantrag zu unterzeichnen, d. h. auch eine Anzeige zu deponieren.» Ob dies im vorliegenden Fall noch etwas bringen würde, bleibt fraglich. Denn, so Eugster: «Je mehr Informationen vor Ort erhoben werden können, umso grösser ist die Chance, solche Täter zu ermitteln.»

Erfolg nach anderem Übergriff

Wie entscheidend das Rechtsverhalten ist, zeigt der Fall des heute 83-jährigen Albert Sieber, der im März 2009 Opfer einer Schülergruppe wurde («Der Rheintaler», 30. Mai 2009: «Mit Dreck und Steinen beworfen») Dank der polizeilichen Intervention, ausgelöst durch Gemeinderätin Marlen Hasler, an die sich der Altersheimbewohner persönlich gewendet hatte, konnte die verwerfliche Tat geklärt werden. Der Betagte wurde seither in Ruhe gelassen, wie die Jugendbeauftragte bestätigt: «Ich habe keine Kenntnisse von weiteren Übergriffen.» Auch werde seitdem der Spielplatz Lugwies, wo sich besagte Schüler mit Vorliebe und häufig auch nachts aufhielten, vermehrt kontrolliert.

Auf die Rolle der Medien, die den Fall publik machten, angesprochen, resümiert Marlen Hasler: «Einerseits wurde die Öffentlichkeit auf diesen sicherlich sehr speziellen Fall aufmerksam gemacht, andererseits wird dadurch manchmal der Eindruck erweckt, Gewalt sei an der Tagesordnung, was natürlich nicht stimmt.»

Die Lehre, die das Paar aus der Sache gezogen hat, lautet: Diese Partyhalle vorläufig meiden, vor Mitternacht heimkehren, denn «nachher steigt der Alkoholpegel ins Ungesunde».

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