Ersatz für den scheidenden Chor

Im Mai 2017 war der Kirchenchor voller Hoffnung. Mit einem Pfingstprojekt wollte er neue Mitglieder gewinnen. Es gelang, sieben Interessenten meldeten sich. Doch jetzt ist das Ende besiegelt. Der Chor löst sich auf.

Monika von der Linden
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Auf Musik brauchen die Gläubigen nicht zu verzichten. Präsident Pirmin Hutter (M.), Vizepräsident Paul Hasler (l.) und Organist Norbert Klien werden die Gottesdienste vermehrt mitgestalten. (Bild: Monika von der Linden)

Auf Musik brauchen die Gläubigen nicht zu verzichten. Präsident Pirmin Hutter (M.), Vizepräsident Paul Hasler (l.) und Organist Norbert Klien werden die Gottesdienste vermehrt mitgestalten. (Bild: Monika von der Linden)

Es waren die fehlenden Männerstimmen, an denen der Katho­lische Kirchenchor zunächst krankte und die nun sein Aus bedeuten. Die verbleibenden drei Männerstimmen – ein Bass und zwei Tenöre – vermögen die Hoffnung der Sängerinnen und Sänger nicht mehr aufrechtzuerhalten. Am 17. Januar beschliesst die Hauptversammlung, den Chor aufzulösen. Seinen letzten Einsatz hatte er in der Heiligen Nacht.

Pfingstfeuer ist wieder erloschen

Pirmin Hutter, Präsident des Kirchenverwaltungsrates, ist überrascht ob des schnellen Endes. Dabei hatte es im Mai 2017 noch gut ausgesehen. «Der Kirchenchor ist wieder Dorfgespräch», sagte damals Placida Dietsche. Die Stammsängerin war guter Dinge. Der Kirchenchor hatte seinerzeit geplant, den Pfingstgottesdienst mit einer Jazz-Messe mitzugestalten.

Zum Feuer von Pfingsten kam die zündende Idee hinzu, einen Projektchor zu gründen. «Wir hatten den Mut, uns zu öffnen», sagte damals Placida Dietsche. Sieben Sängerinnen und Sänger verstärkten den Kirchenchor. Der gewünschte Erfolg trat ein. Der Chor erfuhr kurzfristig Aufwind. Seither mussten die Sängerinnen und Sänger Rückschläge verkraften. Die Projektsänger sprangen wieder ab, und es gab vier Ausfälle wegen Krankheit und Tod. Übrig blieben die erwähnten drei Männerstimmen sowie zwölf Frauenstimmen. Folglich hatte der Chor zu wenig stimmliches Volumen zu bieten.

«Dirigent Markus Bachmann hat alles Mögliche getan», sagt Pirmin Hutter. Ihm könne er keinen Vorwurf machen. «Die Menschen wollen singen, singen, singen.» Die Literatur war oft zu anspruchsvoll für die Bedürfnisse des Laienchors. Das korrigierte Markus Bachmann nach einer Aussprache vor zwei Jahren. Wegen des Endes der Singgemeinschaft hat die Kirchgemeinde den Vertrag mit dem Chorleiter aufgelöst. Betroffen ist auch die Kirchgemeinde in Lüchingen. Sie unterhält keinen eigenen Chor und hat oftmals auf den Marbacher zählen können.

Fusion mit Rebstein ist kein Thema

Ein Blick über die Grenze zum Nachbarn Rebstein empfand Pirmin Hutter als ernüchternd. «Kirchenpräsident Kurt Sieber sagte mir, der Chor dort hänge ebenfalls am seidenen Faden.» Eine Fusion wird gar nicht erst thematisiert. Zu stark wirkt die Ablehnung auf Ebene der politischen Gemeinden nach. An Festlichkeit wird es den Gottesdiensten auch ohne Chor nicht mangeln. Das frei werdende Budget setzt die Kirchgemeinde ein, um externe Formationen zu engagieren. Bereits am Neujahrstag machte der Präsident ernst mit seiner An­kündigung. Als erster Trompeter spielte er mit Vizepräsident und Trompeter Paul Hasler und Organist Norbert Klien im Gottesdienst. Geplant ist ein Auftritt der Folk Family, eines Gesangsquartetts und eines Gospelchors.

Die Nachricht, dass sich der Chor auflöst, nahm die Bevölkerung mit Bedauern zur Kenntnis. «Niemand von jenen, die sich zu Wort gemeldet haben, hat sich als Sänger anerboten», sagt Hutter.