Erneut Milde – wegen der Familie

RHEINECK. Im Mai 2006 verurteilte ihn das Kantonsgericht AR zu 15 Monaten Gefängnis, auf Bewährung. Gestern stand der notorische Trinker und Blaufahrer erneut vor dem Richter. An die Blaufahrt erinnert er sich nicht. Aber er gab sich reuig.

René Schneider
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Drei Stäbe im Zaun der Liegenschaft Kirchstrasse 2 in St. Margrethen erinnern an die extreme Blaufahrt. (Bild: René Schneider)

Drei Stäbe im Zaun der Liegenschaft Kirchstrasse 2 in St. Margrethen erinnern an die extreme Blaufahrt. (Bild: René Schneider)

Die sozusagen amtlich registrierte Trinker-Karriere des heute 43-jährigen Mannes ist beachtlich: Seit 1983 fiel er der Justiz alle paar Jahre und in neuester Zeit in kürzeren Abständen als Trinker und Blaufahrer auf. Vor elf Jahren war er freiwillig zum Entzug und zu einer halbjährigen Therapie in einer Spezialklinik. Danach habe er sein Leben geändert, sagte er dem Richter.

Er sei nicht mehr in den Wirtshäusern herumgehockt, habe eine Familie gegründet und «die Einstellung zum Alkohol geändert».

Im Winter 2006 hatte er trotzdem alkoholisiert einen Selbstunfall gebaut. Das Kantonsgericht Appenzell Ausserrhoden verurteilte ihn zu 15 Monaten Gefängnis.

Rückfall während der Probezeit

Die fünf Jahre Probezeit liefen noch, als der Mann im Juni 2009 nach einer Firmen-Grillfest sturzbetrunken (mit 2,39 Gewichtspromille) auf der Autobahn von Oberriet nach St.

Margrethen fuhr. Der «Absturz» sei «total nicht geplant gewesen», sagte er dem Richter. Er habe mit dem Taxi heimfahren wollen. Doch dann seien Schnäpse aufgetischt worden. An das danach erinnere er sich nicht mehr. In St. Margrethen beschädigte er nachts um zwei Uhr einen Zaun. Ein Patrouille der Polizei wollte ihn anhalten, aber der Mann übersah die Leuchtschrift «Stop Polizei». Erst als die Polizisten das Blaulicht einschalteten, liess sich der Blaufahrer kontrollieren.

Gefängnisstrafe vollziehen

Die Staatsanwaltschaft verlangte eine Gefängnisstrafe von 15 Monaten. Die Strafe sei zu vollziehen, weil der Mann unbelehrbar sei und die letzte Strafe auf Bewährung ausgesprochen worden sei. Der Verteidiger erbat Milde: Der Mann habe den Job verloren, auf einen Teil Arbeitslosengeld verzichten müssen sowie Tausende von Franken Lohn eingebüsst und für Gebühren, Gutachten, Untersuche, Gerichts- und Anwaltskosten bezahlen müssen.

Der Monteur habe jetzt wieder eine Stelle, lebe «kontrolliert alkoholfrei» und habe sogar den Führerschein auf Probe wieder bekommen. Wenn der Mann jetzt für über ein Jahr ins Gefängnis müsse, bedeute das den wirtschaftlichen Ruin der Familie mit drei kleinen Kindern und womöglich das Ende der Beziehung. Der Angeklagte sei einsichtig, reuig, und er sei bereit für einen Vollzug in Halbgefangenschaft (während der Freizeit im Gefängnis). Er sei auch willig, in seiner Freizeit gemeinnützige Arbeit zu leisten.

Die Strafe reduziert

Das Gericht verurteilte den Mann zu einer Strafe von neun Monaten Gefängnis (die in Halbgefangenschaft vollzogen werden können) und verlängerte die Probezeit um zwei Jahre. Der Angeklagte unterschrieb das Urteil sofort und verzichtet auf eine schriftliche Urteils-Begründung.

Noch offen ist, ob die Staatsanwaltschaft die Milde des Kreisgerichts Rheintal gegenüber dem Mann akzeptieren, oder ob sie ein strengeres Urteil verlangen wird.