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«Er war mir ein guter Götti»

Im November verstarb Pfarrer Lorenz Wüst aus Widnau. Er hinterliess ein Tagebuch. Am Freitag präsentierte seine Familie «Mein Leben» der Öffentlichkeit. Schauplatz war eine der Pfarreien, in der der Priester wirkte.
Monika von der Linden
Gabi Ceric (Vertreterin des Dekanats Altstätten, von links), Felix Wüst-Bührer (Verleger «Mein Leben»), Romana (Romy) Mattle-Wüst (Nichte von Pfarrer Lorenz Wüst) und Christof Köppel (Präsident Katholische Kirchgemeinde Widnau). (Bild: Monika von der Linden)

Gabi Ceric (Vertreterin des Dekanats Altstätten, von links), Felix Wüst-Bührer (Verleger «Mein Leben»), Romana (Romy) Mattle-Wüst (Nichte von Pfarrer Lorenz Wüst) und Christof Köppel (Präsident Katholische Kirchgemeinde Widnau). (Bild: Monika von der Linden)

Lorenz Wüst wirkte 23 Jahre lang als Priester im Dekanat Altstätten. Im November letzten Jahres starb er im Alter von 86 Jahren. Wenige Tage zuvor wandte er sich mit einem rätselhaften Mail an seinen Cousin Felix Wüst-Bührer. Der Anhang fehlte. Einzig im Betreff war vermerkt: «Mein Leben». Der Verleger horchte auf.

Mit Lorenz Wüst verband den in Küsnacht lebenden Verwandten die Sehnsucht, die Wurzeln der Familie zu finden. Gemeinsam schrieben sie «Zilahanse – die Nachkommen des Johannes Wüst (1819 – 1889) von Montlingen» – ein Werk über ihre Familiengeschichte. Lorenz Wüst verstarb wenige Tage, nachdem er das Mail verschickt hatte. Der Inhalt blieb unbekannt – aber nur bis sein digitaler Nachlass auf seinem Computer zum Vorschein kam.

Ein akribischer und engagierter Seelsorger

Am Freitag, ein halbes Jahr nachdem der Geistliche verstorben war, stellte Felix Wüst als Verleger den geistigen Nachlass seines Cousins in Buchform der Öffentlichkeit im Jakobihus vor. «Unsere Kirchgemeinde war nicht der Lieblingsort seines Wirkens», sagte Christof Köppel, Präsident der katholischen Kirchgemeinde. Es fiel aber in eine Zeit des Wandels. «Widnau entwickelte sich von einem ländlichen Dorf in eine Agglomeration, und die Kirche war geprägt vom II. Vatikanischen Konzil.»

Christof Köppel hatte Lorenz Wüst als akribischen und engagierten Seelsorger erlebt, der auf eine tiefe Volksfrömmigkeit bedacht war. «Lorenz Wüst war mein Götti», sagte Romana Mattle-Wüst. Die Tochter des letzten noch lebenden Bruders pflegte ein gutes Verhältnis zu ihrem Onkel. Als dieser Pfarrer in Oberegg war, verbrachte das Mädchen ihre Ferien oft beim Götti. «Er liess mich ein Ministrantengewand anlegen», sagte sie. Und dies in einer Zeit, in der Mädchen der Ministrantendienst noch verwehrt war. Die Bewunderung anderer Mädchen war ihr gewiss.

Felix Wüst stammt wie sein Cousin aus Montlingen. Seine Eltern waren nach Basel übersiedelt. Sie fanden dort ihr Auskommen. Lorenz Wüst und seine zwölf Geschwister blieben im Rheintal und «mausarm», sagte der Verleger. Es sei für die Familie etwas ganz Grosses gewesen, dass Lorenz Wüst als einziges Kind die Matura ablegte, Theologie studierte und vermochte, Pfarrer zu werden.

Gabi Ceric (Pastoralassistentin in Oberriet) beobachtete Lorenz Wüst oft, als er als Bewohner des Altersheims Feldhof dasass und ein Word-Dokumente gestaltete. Eines war sein digitaler Nachlass. Gabi Ceric beschrieb den Verstorbenen als einen meditativen Menschen, der stets zurückhaltend mit seinem Gegenüber sprach. «Er blickte auf ein erfülltes Leben als Seelsorger zurück.»

Stationen in der Region

Primiz feierte Lorenz Wüst in Montlingen, Kaplan war er in Au (1959 – 1961) und in Oberegg (1964 – 1970). Bis ins Jahr 1981 war er Pfarrer in Oberegg. Weiter wirkte er als Pfarrer von Widnau (1981 – 1997), Diepoldsau (1997 –  2002). In Kriessern war er Resignat (2002 – 2014). Bis zu seinem Tod war er priesterlicher Mitarbeiter in der Seelsorgeeinheit Blattenberg. (vdl)

Hinweis «Mein Leben» ist im Verlag Felix Wüst AG, Küsnacht ZH, erschienen. Es ist in den Rheintaler Buchhandlungen erhältlich.

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