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Mundartserie: Die Oberrieter Mundart oder «Eppis i d Uuschtüür»

Die Mundartserie, die wir in loser Folge publizieren, setzt sich mit dem Sprachwandel auseinander. Als Beispiel dient die Oberrieter Mundart.
Christoph Mattle
Da Toneli häad da Moattar wela bim Büaza häalfa. Er meinte es ja so gut! (Bild: Mis Büechli, 2. Teil, Kant. Lehrmittelverlag, 5. Aufl. 1972)

Da Toneli häad da Moattar wela bim Büaza häalfa. Er meinte es ja so gut! (Bild: Mis Büechli, 2. Teil, Kant. Lehrmittelverlag, 5. Aufl. 1972)

Als ich Ende der Fünfzigerjahre in der Primarschule Oberriet mis Läasibüachli benützen durfte, war die Welt eine ganz andere als heute. Ich vermute, dass alle Mütter meiner Klassenkameraden voll und ganz im Haushalt tätig waren, allenfalls zusätzlich in der eigenen Puurerei. Heute würde man sagen uf em Hoof, im Gwäarb oder i da Landweatschaft. Die Hausarbeit bestand aus vielen Tätigkeiten, die verschwunden sind. Da gehörte das Iifüüra im Kachelofen oder im Herd dazu, ebenso das Waschen von Hand, das Glätten, das Bögla, das Flicken der Wäsche oder das Putzen. Die Hausfrau musste die Holzböden zuerst föarba, dann spöönla, wixxa und blocha. Föarba war ein Standardwort in der ganzen Ostschweiz. In St. Gallen ist es heute am Aussterben; so wie das Wort Goof und viele weitere. Für die Hausfrau von damals kam das jährliche Abawäscha und das Bettar Sünnala dazu, ebenfalls faktisch und sprachlich am Aussterben. Das Wort Zimmer existierte nicht, man schlief i da Kammer, die Eltern i da Näabaschtuba. Bis in die Siebzigerjahre hinein hatten viele alte Rheintaler Häuser kein Badezimmer, keine Waschmaschine, keinen Kühlschrank und kein WC mit Spülung. Man ging ufs Lööbali, ufs Abee oder uf dar Abtreatt. Was gekühlt werden musste, stellte man in der kalten Jahreszeit vor das Küchenfenster und sonst in Käar abi. Zum Beispiel die Butter. Das Wort Butter ist das einzige Wort, das in der Oberiedner Mundart drei verschiedene Genus führen darf. Sprachlich eine ganz grosse Rarität! Man darf wahlweise sagen: die Butter, der Butter oder das Butter; das letzte war im Oberied Standard. Ob junge Leute heute noch mehrheitlich das Butter sagen, weiss ich nicht.

Das Flicken der Wäsche nahm viel Zeit der Hausfrau in Anspruch. Die Kinder kamen nicht nur mit Grääsmosa homm, sondern auch mit varupfta Hosa oder Schoassa. Die Mutter nahm das Näikischtli oder Pfadazoana hervor und flickte.

Strumpfkugla – för waa?

Dazu benützte sie an Fingarhuad und a Strumpfkugla, Wörter, die jungen Menschen nicht mehr geläufig sind. Man nähte einen Bläatz auf die Hose, oder die Hausfrau häad da Schraanz im Hääss vawiflat und am Schluss alls vaschtäät. Das Wort Hääss ist am Verschwinden. Es wird durch das hochdeutsche Kleid oder gar Klamotte ersetzt. Auch die männliche Schala stirbt aus. Man sagt heute Aazug. Für den früheren Tschoopa oder Kittel hat sich noch kein allgemein gebräuchliches neues Mundartwort hervorgetan. Man spricht vom Veston, von der Jacke, vom Schaggett, vom Blääser und immer häufiger vom Sakko, ein Wort, das aus Deutschland zu uns schwappt, obwohl es italienisch (sacco) ist.

A Bettumrandig war ein Set aus drei Teppichen

Wenn a Moatli heiratete, fragte man, was sie id Uusschtüür bringe. Die Zahl der Tischdecken, der Leintücher oder der Bettbezüge war Gradmesser für den Wert der Braut. Man sagte damals Linntüachar, moderne Leute sprechen von Laken; ein Beispiel, dass heute vielerorts sogenannt hochdeutsche Wörter auch bei uns Einzug halten. Eine rechte Braut brachte eine Bettumrandig in die Uusschtüür. Die Bettumrandung war ein Set aus drei Teppichen, die auf beiden Seiten und am Fussende des Ehebettes auf dem Holzboden ausgelegt wurden. Oft war es Ehrensache, dass die Braut die Bettumrandig selber knüpfte. Viele Abende wurden dafür aufgewendet. Kam der Zukünftige uf d Schtubati oder uf d Schpinni, schaute er zu und konnte den Fortgang der strickenden Ehevorbereitung nah – aber in den meisten Fällen nicht hautnah – mitverfolgen. Denn zu Hautkontakten kam es in der Schtubati kaum, weil ja Eltern und oft eine Schwetti Goofa in der Stube hockten. Da gab’s kein Karisiara vom Pääli; höchstens, wenn da Vattar und d Moattar ir Näabaschtuba verschwunden waren. Aber Braut und Schtubatibuab wussten, dass man ir Näabaschtuba alles abhörte…

Wenn heute Mann und Frau wirklich befreundet sind, sagt man, sie seien zemma. Früher sagte man, sie gond mitanand oder sie seien ein Paar. Auf Oberriednerisch ist das a Pääli (Pärchen). Bekanntlich lässt man in der Oberiedner Mundart das r weg. Man sagt Gaata (Garten), Kaata (Karte), waata (warten), Soata (Sorte), foat (fort) oder moann (morn) und voann (vorn).

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