Entlassungen, die zu erwarten waren

EgoKiefer in Altstätten hat jüngst wieder Kündigungen verschickt. Überraschend kommen sie aber nicht wirklich. Der Chefposten ist seit Sommer neu besetzt. Für die Zeit ab 2018 ist manches noch ungeklärt.

Gert Bruderer
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Dass EgoKiefer in Altstätten bis Ende 2017 die Produktion abbaut, ist bekannt. Die Holzfenster-Produktion ist längst weg, nur die Holz-Aluminium-Produktion ist noch da.

Dieser Tage macht wieder die Nachricht von Kündigungen in grösserem Stil die Runde. Mit Entlassungen war schon seit über einem Jahr zu rechnen.

Am 3. März 2015 kam der erste Dämpfer

Am 3. März 2015, als in der Produktion noch 200 Mitarbeitende und weitere 100 in den Büros tätig waren, kam der erste Dämpfer, nachdem es zuvor nach einem Ausbau des Altstätter Standorts ausgesehen hatte. Doch nun hiess es plötzlich: Der geplante Kapazitätsausbau der Holz- und Holz-Aluminium-Produktion in Altstätten werde nochmals überprüft. Das Überangebot in der Schweiz, der zunehmende Import und der alles verschärfende Wechselkurs hatten dem Unternehmen zugesetzt.

Die eigentliche Hiobsbotschaft kam fünf Monate später. Radikale Massnahmen wurden kundgetan. Die Schlagzeile lautete: AFG schliesst Schweizer Werke. Der Ostschweizer Bauzulieferer Arbonia Forster war in die Krise geschlittert.

Der dritte Chef seit Gerosa

Keine drei Jahre zuvor, als der langjährige EgoKiefer-Geschäftsführer Thomas Gerosa in Rente ging, war alles eitel Sonnenschein. Über seinen Nachfolger sagte Gerosa: «Ich bin sicher, dass Roman Hänggi mit seinem Team in der Geschäftsleitung und der ganzen EgoKiefer-Mannschaft das Richtige für die Zukunft tun wird.» Doch nicht nur die AFG hat seither mehrere Chefwechsel erlebt, auch in Altstätten gaben sich die Chefs die Klinke in die Hand. Auf Hänggi folgte Ingo Kübler, neuerdings – seit 24. Juni – steht Andreas Weigelt als Vertriebsleiter an der Spitze.

Liegenschaften werden wohl verkauft

Was über das nächste Jahr hinaus in Altstätten bleiben wird, ist ein Service-Shop. Ob ausserdem ein Teil der Administration hier sein wird, ist offen wie manches andere. Auch, was mit den Altstätter EgoKiefer-Liegenschaften geschieht. Angesichts der Produktionsschliessung ist naheliegend, dass die Altstätter Liegenschaften ganz oder teilweise verkauft werden. EgoKiefer verfügt nicht nur über das grosse (rote) Bürogebäude, sondern auch über sieben Hallen. Diese haben eine Fläche von insgesamt fast drei Hektaren (4× rund 6000 m2 und 3× rund 1500 m2). Die aktuelle Kündigungswelle wird von EgoKiefer nicht beziffert. Es dürfte sich um drei, vier Dutzend Betroffene handeln.

Kündigungen «in ihrer Zahl dynamisch»

Immerhin bestätigt EgoKiefer, dass die Kündigungen im Laufe der Zeit bis zur Schliessung der Produktion «in ihrer Zahl dynamisch erfolgen». So könne es «vorkommen, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt auch viele Entlassungen gleichzeitig ausgesprochen werden und diese bis zur Schliessung des Werks nicht gleichmässig über die Perioden verteilt sind».

Wann jeweils Entlassungen stattfinden, hängt einerseits von Nachfrage und Angebot auf dem Markt ab, ausserdem spiele die Auslastung im noch betriebenen Werk eine Rolle, weil die Produktionskapazitäten im Ausland «nicht linear übernommen werden können». Alle Entlassungen würden in Absprache mit dem kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit erfolgen, schreibt EgoKiefer. Das Unternehmen teilt ferner mit, es trage mit diversen Massnahmen dazu bei, dass die entlassenen Mitarbeitenden möglichst schnell wieder eine Stelle finden. Dazu gehören Aus- und Weiterbildungen, externe Beratungen für die Stellensuche sowie Newplacements, ein Job-Center und weitere Angebote. Auch seien individuelle Auflösungsvereinbarungen mit Mitarbeitenden getroffen worden, damit diese nahtlos eine andere Stelle antreten können.