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Enkel wehrt sich für «Sonneblick»

Aus Südafrika meldet sich ein Nachkomme von Paul Vogt, Gründer des Sonneblicks. Dass die Institution zum Durchgangszentrum werde, «ist nicht im Sinne meines Grossvaters».
Monika Egli
Nicht nur der Enkel, auch der Gemeinderat und die Hälfte aller Stimmberechtigten sind gegen das Durchgangszentrum. (Bild: Michel Canonica)

Nicht nur der Enkel, auch der Gemeinderat und die Hälfte aller Stimmberechtigten sind gegen das Durchgangszentrum. (Bild: Michel Canonica)

«Die Leitung des Sonneblicks ist dabei, die Seele der Institution zu verkaufen. Zu sagen, das geschehe ganz im Geiste des Gründers, ist nicht wahr.» In einem langen Schreiben äussert sich Daniel Vogt, Enkel von Flüchtlingspfarrer Paul Vogt, aus Südafrika, wo er seit 25 Jahren lebt.

Daniel Vogt erinnert an die Gründungszeit, als sein Grossvater «im Geiste von christlicher Fürsorge und Nächstenliebe» in Walzenhausen für die zahlreichen Arbeitslosen der 1930er-Jahre das evangelische Sozialheim Sonneblick errichtete. Wie es auch Hanspeter Strebel, Stiftungsratsmitglied des «Sonneblicks», in einem ausführlichen Porträt im Sommer darlegte, wurde das Appenzellische Hilfswerk für Arbeitslose zu einem Schweizer Pionierwerk. Während des Zweiten Weltkriegs waren es dann Flüchtlinge und Theologen der Bekennenden Kirche Deutschlands, die hier Aufnahme fanden. Daniel Vogt schreibt dazu, dass es seinem Grossvater «nicht einfach nur um eine humanitäre Hilfsaktion ging». Denn Paul Vogt sei sehr früh bewusst gewesen, dass Juden nicht nur um ihres Glaubens willen verfolgt, sondern dass sie systematisch vernichtet wurden. Der Staat habe seinem Grossvater nicht sonderlich geholfen, dieser sei seinen Weg aber unerschütterlich gegangen.

«Was aber jetzt geschieht», schreibt Daniel Vogt, «ist etwas völlig anderes.» Die Politik stehe angesichts des aktuellen Flüchtlingsproblems unter Druck. Der Staat nehme nun einfach den sozial Bedürftigen in der Schweiz einen Ort, an dem diese einige Tage Ferien verbringen konnten. So sei die Politik schnell und einfach aus der Klemme , statt selber etwas zu tun.

Während der letzten Jahre bot die Stiftung Sonneblick unter anderem Ferien für alleinerziehende Mütter und Väter mit ihren Kindern an. Die Preise richteten sich dabei nach deren Einkommen.

Der «Sonneblick» habe sich stets um jene Probleme gekümmert, die der Staat versäumte. Die Hilfe für Flüchtlinge und Asylsuchende, die es hier und jetzt zu leisten gelte, könne die Politik aber auf andere Art leisten. «Dazu braucht es nicht unbedingt den Sonneblick.» Den zahllosen armen Schweizer Bürgerinnen sowie Ausländern, die in der Schweiz leben und auf die Institution Sonneblick angewiesen seien, werde man keinen Ersatz bieten. «Der Sonneblick wird geopfert, um es dem Staat einfach zu machen. Dies ist eine Prostitution der Stiftungsurkunde.»

«Was ist sicherer als ein Vertrag mit dem Staat?»

Vogt frage sich, welches die Beweggründe der Leitung und des Stiftungsrats seien. Man gebe zwar vor, diese seien nicht finanzieller Art. «Das ist aber schwer zu glauben», heisst es im Schreiben weiter. Denn: «Was ist finanziell sicherer als ein fester Vertrag mit dem Staat? Das ist ganz bestimmt nicht im Sinne meines Grossvaters.» Daniel Vogt schliesst sein Schreiben: «Ich appelliere an den Vorstand des Sonneblicks, den Vertrag, sollte dieser schon unterschrieben sein, zu kündigen und im wahren Geist meines Grossvaters weiterzumachen. Denn mir scheint, Stiftungsrat und Leitung des Sonneblicks haben seit der Wiedereröffnung eine insgesamt hervorragende Arbeit geleistet.»

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