Englischer Rasen nur fürs Auge: Die Rheintaler Fussballplätze sind in perfektem Zustand – gespielt wird aber nicht

Die Fussballplätze sind in bestem Zustand, weil schon lange unberührt. Es ist wie mit dem Schoggi-Osterhasen: Zu schön zum Anbeissen.

Yves Solenthaler
Drucken
Teilen
Die Fussballplätze wirken, als seien die Grashalme mit der Nagelschere getrimmt worden.

Die Fussballplätze wirken, als seien die Grashalme mit der Nagelschere getrimmt worden.

Bild: ys

In nicht-pandemischen Zeiten hätten viele Platzwarte in dieser Woche geflucht: Nasses und kaltes Wetter, dazu Vollbelegung. Das sind Zutaten, die einem Rasen Schaden zufügen.

Jetzt dürften sich viele Platzwarte, die meist von den Gemeindebauämtern gestellt werden, über den Regen gefreut haben: Natürliche Nahrung für die Gräser.

Alle Fussballplätze im Rheintal wurden Mitte März wegen des Lockdown geschlossen, inzwischen trainieren nur in Rebstein und Rüthi wieder ein paar wenige Mannschaften. Alle anderen Fussballvereine hoffen darauf, im Juni wieder ohne Einschränkungen trainieren zu können.

Die Fussballplätze strahlen geradezu über diese Schonung – in einem saftigen Grün wie in einer Appenzeller Hügellandschaft. Ohne braune Stellen am Anspielkreis und in Tornähe. Die Grashalme wirken akkurat, als seien sie mit der Nagelschere getrimmt und dann mit dem Kamm ausgerichtet worden, Halmhöhe 24 Millimeter.

Man hält es für möglich, dass die Platzwarte in Au, Widnau oder Altstätten in kurzer Zeit das Ersatzturnier für Wimbledon ermöglichen könnten. Dazu müssten sie nur noch die Gräser auf 8mm kürzen.

Bald Rasentennis auf Rheintaler Fussballplätzen?

Die Ruhe wird allerdings für andere Arbeiten genutzt, als einen Tennisplatz zu erstellen. In Widnau hat’s an den Banden Bodenplatten gegeben – wo sich früher bei Regen eine Pfütze bildete, kommt man nun trockenen Fusses vorbei.

Die Plätze werden also zusätzlich zur Schonung noch intensiver gepflegt und gehegt, als wenn sie wie üblich Dauerstress ausgesetzt sind. Vielleicht gibt’s tatsächlich den einen oder anderen Platzwart, der heimlich mit der Nagelschere nachhilft, um sein Kunstwerk zu perfektionieren. Der perfekt getrimmte Rasen kann wie in einem Museum bestaunt werden. Er ist zwar in perfektem Zustand für ein Fussballspiel.

Das erinnert an den kunstvoll verzierten Schoggihasen, der auch Wochen nach Ostern noch das Mädchenzimmer ziert: Zu schön zum Anbeissen. Die Osterhasen-Geschichte endet als Drama: Wenn der böse Bruder nicht irgendwann ein Ohr abbeisst, wird die Schokolade ungeniessbar.

Bei den Englischen Rasen Rheintaler Prägung wird das nicht passieren, solange sie so gründlich gehegt werden. Die Fussballer dürfen auf einem, wie sie sagen, Teppich spielen, wenn es wieder losgeht. Allerdings können schlechte Leistungen nicht mit schlechten Platzverhältnissen begründet werden.

Die Ausrede ist freilich nur ausgesetzt: Nach wenigen Wochen Fussball werden wieder braune Stellen in Tornähe zum Vorschein kommen.