Engelgasse taugt nicht als Ersatz

ALTSTÄTTEN. Der Stadtrat wollte die Marktfahrer, die ihre Stände seit Jahrzehnten an der Gerbergasse aufgestellt haben, in die Engelgasse umsiedeln. Dagegen wehren sich die Standbetreiber vehement.

Kurt Latzer
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Die Stände an der Gerbergasse haben Tradition. Den Standort wollen Marktfahrer auf keinen Fall mit dem an der Engelgasse tauschen. (Archivbild: Max Tinner)

Die Stände an der Gerbergasse haben Tradition. Den Standort wollen Marktfahrer auf keinen Fall mit dem an der Engelgasse tauschen. (Archivbild: Max Tinner)

ALTSTÄTTEN. Die Altstätter Hauptmärkte sind attraktiv. Viele Marktfahrer kommen von weit her, von ennet dem Ricken und aus dem hinteren Thurgau, um ihre Waren im Städtli anzubieten. Die Mitteilung der Marktkommission, dass bereits ab dem Klausmarkt auf der Gerbergasse keine Stände mehr aufgestellt werden dürfen, stösst bei ihnen auf Unverständnis. «Von der Massnahme sind etwa 35 Marktgeschäfte betroffen, mit etwa 50 Arbeitsplätzen», heisst es in einem Schreiben von Hiltrud Frei aus Diepoldsau, Präsidentin der Sektion Ostschweiz des Schweizerischen Marktverbandes.

Neue Verkehrsführung schuld

Als Grund, weshalb die Gerbergasse für den Markt nicht mehr gesperrt werden kann, gibt die Marktkommission die Bauarbeiten und die neue Verkehrsführung im Städtli an. Nach Fertigstellung der Ringgasse und des Busbahnhofes werde die Einbahn in der Ringgasse umgekehrt.

Der Verkehr aus Richtung Appenzellerland werde dann von der Stossstrasse und der Gerbergasse über Hintergärten und die Ringgasse in die neue Churerstrasse geleitet. Zwischen Rathausplatz und Ringgasse entstehe ein neuer Busbahnhof, dessen An- und Abfahrten mit einer Lichtsignalanlage gesteuert würden. Zudem sei für 2014 auf der Breite ein Kreisel geplant, der dem Schwerverkehr die Durchfahrt im Städtli erleichtern soll.

Nostalgiemarkt ein Reinfall

Am Montagabend präsentierten Christian Willi, Präsident der Altstätter Marktkommission, und Karl Segmüller, Leiter Unterhaltsdienste Altstätten, ihren Lösungsansatz. Die Aussicht, ihre Stände anstelle in der Gerbergasse bereits am Klausmarkt in der Engelgasse aufstellen zu müssen, ärgert die Marktfahrer. «Mit grossem Aufwand wurde in der Engelgasse und im Weberwinkel der Nostalgiemarkt organisiert», meinte einer der Marktfahrer, «das war ein Reinfall.» Sobald an einem Markt kein Rundgang mehr möglich sei, blieben auch die Besucher aus, sind die Marktfahrer überzeugt. Als Alternative schlugen einige vor, die Stände an der Gerbergasse mit Gittern gegen die Fahrbahn hin abzusichern. Andernorts, an weitaus grösseren Märkten in der Schweiz, funktioniere dies auch. Man könne an den drei Tagen im Jahr den Verkehr bereits weit vor dem Zentrum umleiten, über die Feldwiesenstrasse etwa, meinte ein anderer Marktfahrer.

Mehr Stände in der Marktgasse

Den Informationsabend besuchte auch der Altstätter Kantonsrat Meinrad Gschwend. Ihn haben die Marktfahrer gewonnen, um für ihre Interessen einzutreten. Gschwend erinnerte an die Bedeutung der Grossanlässe und an den Poststempel mit der Aufschrift «Marktstadt Altstätten». «Wenn zu viele Marktfahrer vergrault werden, befürchte ich den Untergang der traditionellen Märkte», sagte Gschwend. Man müsse mit den zuständigen Stellen im Kanton reden und eine Lösung finden. Er sieht die Sperrung der Gerbergasse für den Verkehr oder allenfalls den Ausbau des Marktes auf der Breite als das einzig Richtige.

Am Montagabend gab es zahlreiche weitere Vorschläge. Einer meinte, dass man in der Marktgasse Stände zusätzlich unterbringen könnte, wenn man dort mehr auf die Einhaltung der Flächen achten und diese markieren würde. Auch in der Obergasse sei Platz für Stände an den drei Hauptmärkten. Man könne mit den «Gmüeslern» über das Verlegen ihrer Stände in Richtung Trogenerstrasse reden.

Stände auf dem Rathausplatz

Die Mehrheit der Marktfahrer will, dass die Marktkommission nach Lösungen sucht, die Gerbergasse für den Markt zu erhalten. Vielleicht gebe es später auf dem neuen Rathausplatz Platz für Stände.

Christian Willi und Karl Segmüller versprachen, nochmals über die Bücher zu gehen und nach Lösungen zu suchen, wie etwa der weiträumigen Umleitung des Verkehrs.