Empörung wird kalkulierbar

Vermutlich werden Sie denken, schon wieder etwas zu den Greueltaten in Paris, ich mag nichts mehr davon hören oder lesen. Es sind schliesslich schon zwei Wochen vergangen. Ist nicht längst alles gesagt und geschrieben?

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Vermutlich werden Sie denken, schon wieder etwas zu den Greueltaten in Paris, ich mag nichts mehr davon hören oder lesen. Es sind schliesslich schon zwei Wochen vergangen. Ist nicht längst alles gesagt und geschrieben?

Ich frage mich, darf man religiöse Gefühle verletzen, kann man es überhaupt? Lukas Fries-Schmid (Leiter Sunnehügel, Luzern) liess sich auf kath.ch zitieren: «Je verwurzelter ich bin in meinem Glauben, desto weniger werde ich erschüttert.»

Das ist plausibel. Ich richte meine Werte an dem aus, was ich glaube. Dabei spielt es keine Rolle, ob meine Überzeugung religiös oder humanistisch geprägt ist. Die Werte eines anderen Menschen verstehe ich, indem ich sie mit meinen vergleiche. Habe ich keine eigenen oder sind sie nur der Widerhall einer lauten Masse, werden sie verblassen, sobald die Masse verstummt. Was nützen Empörung und Betroffenheit, wenn sie kalkulierbar kurzlebig sind. Sie verlieren an Bedeutung und ich an Glaubwürdigkeit. (vdl)