Eltern sollen helfen – aber nicht zu sehr

ST. MARGRETHEN. 2500 Besucher kamen an den Berufsevent des Vereins Chance Industrie Rheintal in der Rheinauhalle. Nebst Lehrstellensuchenden waren besonders auch die Eltern eingeladen, die ihre Kinder bei der Berufswahl unterstützen sollen.

Max Tinner
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«Es ist gut, wenn Eltern einem bei der Berufswahl helfen – wenn sie einen aber zu sehr drängen, wird es mühsam», meint Marco Fassl. Links von ihm Vanessa Halter, Antonia Pilicic und Amer Salih. (Bild: Max Tinner)

«Es ist gut, wenn Eltern einem bei der Berufswahl helfen – wenn sie einen aber zu sehr drängen, wird es mühsam», meint Marco Fassl. Links von ihm Vanessa Halter, Antonia Pilicic und Amer Salih. (Bild: Max Tinner)

18 Industrieunternehmen haben sich im Verein Chance Industrie Rheintal zusammengetan, um den Jugendlichen, die vor der Berufswahl stehen, die Ausbildungsmöglichkeiten in ihren Betrieben aufzuzeigen. Sie beschäftigen allein im Rheintal 6500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bieten 450 Lehrstellen in 21 Berufen an. Am dreitägigen Berufsevent in der Rheinauhalle zeigten junge Leute, die selbst noch in der Ausbildung sind, was sie in ihrem Beruf tun und weshalb er ihnen gefällt.

Selbständigkeit zeigen

Zum Abschluss der Berufswahlmesse waren am Samstag im Besonderen die Eltern angesprochen, die ihre Kinder bei der Lehrstellensuche unterstützen können und dies auch sollen, wie Albert Koller, Leiter der Berufsbildung bei der Jansen AG, betonte.

Allerdings sollen sie dies tun, ohne den Jugendlichen zu viel abzunehmen. So schätzen es die Ausbildungsverantwortlichen der Firmen, wenn sich die Buben und Mädchen selbst nach der Möglichkeit eines Tagespraktikums oder einer Schnupperlehre erkundigen. «Soviel Motivation und Selbständigkeit erwarte ich», betonte Jörg Haas, Lehrlingsverantwortlicher bei SwissOptic. Zur Selbständigkeit gehört für Ivo Riedi, Leiter berufliche Grundbildung bei SFS, auch, dass die Jugendlichen wissen, wie man sich benimmt.

«Eltern sollen ihren Kindern bei der Berufswahl eine Brücke schlagen, ohne ihnen diese gleich fertig zu bauen», meinte Cornelia Grill, Lehrlingsverantwortliche bei der Sefar AG. Eine sinnvolle Hilfestellung ist beispielsweise das Gegenlesen der Bewerbungsunterlagen, um Rechtschreibfehler und andere Mängel zu entdecken.

An der als Podium gestalteten Elterninformation beteiligten sich mit Vanessa Halter, Antonia Pilicic, Amer Salih und Marco Fassl auch vier Lehrlinge. Sie berichteten von den Erfahrungen während ihrer eigenen Berufswahl. Etwa wie sich beim Schnuppern plötzlich die Präferenz verschob, weil man erkannte, dass einer der Berufe, für den man sich interessierte, viel spannender ist, als man ihn sich vorgestellt hatte.

Ralf Good, Oberstufen-Schulleiter in Altstätten, betonte, wie wichtig Praktika und Schnupperlehren sind. Bevor man sich aber um solche bemühe, gelte es, sich erst einmal einen Überblick über die verschiedenen Berufe zu verschaffen. Danach informiere man sich detaillierter über jene Berufe, für die man sich besonders interessiere, zum Beispiel im Rahmen von Berufsinformationen von Firmen.

Nichts überstürzen

Auch die Berufs- und Laufbahnberatung Rheintal in Altstätten hilft gerne. Deren Leiterin, Felice Baumgartner, warnte vor einer überstürzten Berufswahl: Die Gefahr eines Lehrabbruchs sei gross. Jörg Haas nahm den Eltern auch ein wenig die Sorge, dass ihr Kind möglicherweise für seinen Traumberuf zu schlechte Noten haben könnte. «Wichtiger als gute Noten sind mir das Interesse und die Motivation eines Jugendlichen während der Schnupperlehre.»

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