«Eitelkeit ist hier fehl am Platz»

Ende Juni hat Julia Nägele ihre Lehre in einer mehrheitlich von Männern dominierten Branche abgeschlossen. Die 19-jährige Automobilmechatronikerin spricht über ihre Ziele, ihre Überzeugung und die Herausforderungen in ihrem Alltag.

Sabrina Schmid
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Genau ihr Ding: Julia Nägele kann sich keinen anderen Beruf vorstellen. (Bild: Sabrina Schmid)

Genau ihr Ding: Julia Nägele kann sich keinen anderen Beruf vorstellen. (Bild: Sabrina Schmid)

Wieso haben Sie sich für eine Lehre als Automobilmechatronikerin entschieden?

Julia Nägele: Mein Vater besitzt eine eigene Autogarage. Bereits als Kind ging ich oft dorthin und habe so relativ früh Gefallen an diesem Beruf gefunden. Ich wusste, dass ich später in diesem Bereich arbeiten möchte. Auch finde ich, dass man mit diesem Beruf eine gute Grundlage für die Zukunft hat.

Den ganzen Tag an Autos herumzuschrauben hat schmutzige Hände, zerzaustes Haar und vor allem viel Schweiss zur Folge. Leidet da die persönliche Schönheitspflege?

Nägele: Überhaupt nicht. Ich kann gut damit umgehen. Heutzutage kann man sich mit den verschiedensten Reinigungsmitteln ganz gut säubern. Und wenn man schmutzig wird, spielt das keine grosse Rolle – man kann den Schmutz ja wieder entfernen. Eitelkeit ist hier wirklich fehl am Platz.

Haben Sie also kein Bedürfnis nach Ihrem jetzigen Lehrabschluss etwas Neues auszuprobieren?

Nägele: Nein, ich möchte in der Autobranche bleiben, denn das ist genau mein Ding. Etwas anderes könnte ich mir auch gar nicht vorstellen. Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich und interessant.

Welchen Herausforderungen stehen Sie als Frau in Ihrem Berufsalltag gegenüber?

Nägele: Zu Beginn stellte vor allem der grosse Kräfteaufwand bei den einzelnen Arbeiten ein grosses Problem dar. Aber das wurde mit der Zeit besser und ich habe mich daran gewöhnt. Noch heute stosse ich ab und an bei einzelnen Arbeiten an die Grenzen meiner Kräfte. Das ist allerdings kein Problem, weil ich von meinem Team die volle Unterstützung erhalte. Klar kommen hin und wieder Sprüche von meinen Teamkollegen, aber das muss man mit Humor nehmen. Sonst hatte ich nie Probleme mit meinen Mitarbeitenden oder dem männlichen Umfeld.

Welches berufliche Ziel verfolgen Sie?

Nägele: Ich möchte in weiter Ferne meinem Vater in der Autogarage im Verkauf und in der Werkstatt aushelfen. Natürlich mit der Absicht die Garage eines Tages selbst zu übernehmen.

Wie denken Sie über das Vorurteil, dass die Automobilmechatronik vielmehr ein Berufsfeld für Männer sei?

Nägele: Dem kann ich nicht zustimmen. Heute verfügt man über sehr viele und unterschiedliche Hilfsmittel, die einem die Arbeit in meinem Berufsalltag erleichtern. Kraft spielt hier keine allzu grosse Rolle mehr. Und falls man als Frau an seine Grenzen stösst, gibt es immer noch die Teamkollegen, die einem unter die Arme greifen.

Können Sie sich vorstellen, Ihren Overall eines Tages zu Hause zu lassen und in Damenanzug und High Heels zur Arbeit zu gehen?

Nägele: Ja, auf jeden Fall. Ich style mich privat sehr gern und sehe mich daher gut in beiden Garderoben: Auf der einen Seite seriös und chic gekleidet im Büro die Kunden betreuen, auf der anderen im Overall in der Werkstatt an Autos herumschrauben. Ich finde es schön, in einem Beruf beide Bekleidungsmöglichkeiten zu haben.