Einheitsgemeinde wackelt

Es ist eine Frage, die viel Raum einnimmt und umstritten ist. Sollen sich die Primarschule und die Politische Gemeinde Au zusammenschliessen? Am 10. Februar entscheiden die Stimmberechtigten.

Hildegard Bickel
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Ob sich die Primarschulgemeinde Au-Heerbrugg mit der Politischen Gemeinde Au zusammenschliesst, sei schwierig abzuschätzen, sagt Schulratspräsident Walter Portmann. «50:50» lautet seine Prognose. (Bild: Archiv)

Ob sich die Primarschulgemeinde Au-Heerbrugg mit der Politischen Gemeinde Au zusammenschliesst, sei schwierig abzuschätzen, sagt Schulratspräsident Walter Portmann. «50:50» lautet seine Prognose. (Bild: Archiv)

Die Gemeinde wartet mit offenen Armen und empfiehlt ein Ja zur Einheitsgemeinde. «Die Vorteile liegen bei schlankeren Führungsstrukturen», sagt Gemeindepräsident Christian Sepin. «Ich bin überzeugt von diesem Erfolgsmodell.» Der Schulrat hingegen bleibt bei den Nein-Argumenten. «Im Vordergrund steht die Selbstständigkeit, die man nicht verlieren möchte», sagt Schulratspräsident Walter Portmann. Er vertritt die Meinung des Rates, wäre persönlich aber einer Einheitsgemeinde nicht abgeneigt.

Das Thema beschäftigt seit Juni 2017. Damals entschieden die Schulgemeinde und die Politische Gemeinde, einen Zusammenschluss zu prüfen. Als frühestmöglichen Termin für eine Einheitsgemeinde gaben Schulratspräsident Walter Portmann und Gemeindepräsident Christian Sepin den 1. Januar 2019 an. So rasch ging es nicht, dennoch steht nun ein Entscheid bevor.

Mit Wissen Verständnis schaffen

Christian Sepin sagt, er werde oft gefragt, «was macht ihr denn Verrücktes in einer Einheitsgemeinde?» Sobald er Argumente nennt wie auszumerzende Doppelspurigkeiten oder dass die Schule von Aufgaben entlastet wird, die nicht zum eigentlichen Schulbetrieb gehören, erntet er Verständnis. «Die Herausforderungen, eine Schule zu führen, ändern sich», sagt Christian Sepin. Er sieht es als «Lauf der Zeit», auf das Modell der Einheitsgemeinde umzusteigen. Trotzdem wagt Christian Sepin keine Prognose zur Abstimmung zu fällen. Das Projekt wurde schon einmal ausgebremst.

Der Schulrat prüfte die Bildung einer unechten Einheitsgemeinde in Eigenkompetenz und beschloss Ende 2017, das Projekt nicht weiter zu verfolgen. Unecht heisst die Organisationsform deshalb, weil die Oberstufe weiterhin nicht zur Einheitsgemeinde gehört hätte. Der Entscheid stiess jedoch auf Widerstand und eine Mehrheit forderte an der Bürgerversammlung letzten März, dass der Schulrat der Primarschulgemeinde Au-Heerbrugg der Bürgerschaft die Vor- und Nachteile einer Fusion mit der politischen Gemeinde detailliert und abstimmungsreif darlegen soll. Es folgten die Rücktrittsankündigungen von zwei Schulrätinnen, die das Ergebnis als Misstrauensbeweis werteten.

Schulgemeinde mit speziellen Fällen

Mit Beginn des neuen Jahres ist der Schulrat wieder komplett, doch die neuen Mitglieder würden zum Geschäft der Einheitsgemeinde noch keine Meinung vertreten, sagt Walter Portmann. Der Schulrat hält nach wie vor an den Überlegungen fest, dass es bei einem Zusammenschluss zu viele Nachteile gäbe.

In einem speziellen Fall würden Schulbürger zudem ihr Stimmrecht verlieren. Nämlich Familien, die in Heerbrugg wohnhaft sind und dort ihre Kinder beschulen lassen, politisch aber Berneck oder Balgach angehören. Einfluss auf den Schulbetrieb hätte dies nicht, da die Gemeinden die Beschulungsverträge guthiessen. Um diese Situation vertieft zu schildern, findet ein Infoanlass speziell für Schulbürger aus den Politischen Gemeinden Balgach und Berneck statt, am 23. Januar, 19 Uhr, Aula OMR Am Bach, Heerbrugg.

Hinweis

Allgemeinde Infoanlässe zur Einheitsgemeinde sind an folgenden Daten geplant: 14. Januar, 19 Uhr, MZH Wees Au, 18. Januar, 19 Uhr, Kantonsschule Heerbrugg.