Einer stand auf, die Kirche zu retten

ST.MARGRETHEN. Grosse Erleichterung in St.Margrethen: In letzter Sekunde wurde mit Martin Stankowski ein neuer Präsident für die katholische Kirchgemeinde gefunden. Ein Kurator der Kantonalkirche wird somit hinfällig.

Maya Schmid-Egert
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Was keiner mehr für möglich hielt, machte Martin Stankowski wahr. Er kandidierte – und wurde gewählt. (Bild: Maya Schmid-Egert)

Was keiner mehr für möglich hielt, machte Martin Stankowski wahr. Er kandidierte – und wurde gewählt. (Bild: Maya Schmid-Egert)

Der Schweiss stand Michael Rüesch auf der Stirn, als er um 19.30 Uhr die Versammlung im Vikariat eröffnete. Niemand ist bis dahin dem Aufruf gefolgt, sich als neuer Präsident oder Pfleger zur Verfügung zu stellen. Mit betont ruhiger Stimme wickelte der in die Zentralschweiz wegziehende Präsident die Geschäfte ab. Diskussionslos und einstimmig wurden alle Anträge – trotz erneut budgetiertem Defizit (in der Höhe von rund 200 000 Franken) – angenommen. Der Steuerfuss bleibt bei 23 Prozent.

Dann kam Traktandum vier, die Ersatzwahlen. Noch einmal fragte Michael Rüesch in die Runde der 77 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger: «Gibt es Kandidaten?»

Nicht im Stich lassen

Ein Sänger des Männerchores, der vorher noch in der Messe gesungen hatte, stand auf. Ohne viel Federlesens sagte er: «Ich schlage Martin Stankowski vor.» Er sei ein flotter Kerl und verstehe etwas davon. Der Angesprochene erhob sich ebenfalls, stellte sich kurz vor. Seit 1996 sei er in der Gemeinde, aus Basel kommend. Martin Stankowski führt ein Büro für Altbau- und Kulturberatungen. Aus der Notlage heraus stelle er sich zur Verfügung. Dann stand noch ein Dritter auf, René Gasser, und sagte: «Meinen Sängerkameraden lasse ich nicht im Stich, ich kandidiere für das Pflegeramt.» Ein grosses Raunen als Zeichen der Erleichterung ging durch den Saal. Jetzt lächelte Michael Rüesch. Der guten Ordnung halber fragte er noch einmal: «Gibt es noch mehr Kandidaten?»

Die Fäden weiter in der Hand

Das war nicht der Fall. Schnell wurde nun abgestimmt. Ein herzlicher Applaus liess nicht lange auf sich warten. Alle wussten: Die Kantonalkirche muss nun keinen Kurator (unsere Zeitung vom 24. Januar) entsenden. Dies bedeutet: St. Margrethen behält die Kirchenfäden in der Hand, muss keine Fusion mit einer anderen Kirchengemeinde fürchten.

Katholisch St. Margrethen bleibt eigenständig – dank zweier Sänger des Männerchores, die sich und auch die Kirche nicht im Stich lassen wollen.

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