Eine vielfältige Kirche ist gefragt

Bei der Vorversammlung zur Kirchbürgerversammlung der Evangelischen Kirchgemeinde Altstätten wurde eine Standortbestimmung gemacht. Vor allem das mittlere und ältere Segment fühlt sich vernachlässigt.

René Jann
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Präsidentin Ursula Schelling führte durch die Vorversammlung. (Bild: j)

Präsidentin Ursula Schelling führte durch die Vorversammlung. (Bild: j)

ALTSTÄTTEN. Eingangs der Vorversammlung zur ordentlichen Kirchbürgerversammlung vom 29. März stellte Ursula Schelling, Präsidentin der Evangelischen Kirchgemeinde Altstätten, den Amtsbericht zur Diskussion. Erwin Wälter kritisierte dabei, dass sich viele Kirchbürger wegen der «einseitigen Ausrichtung» innerhalb der Gemeinschaft nicht mehr wohl fühlen würden.

Offen sein für alle

Ob die 37 Kirchenaustritte von 2013 einmalig seien oder diese einem neuen Trend entspreche? Die Antwort: «Alle im Alter zwischen 20 und 30 Jahren haben das gleiche Formular mit derselben Begründung eingereicht.» Ursula Schelling bedauerte die Austritte und beteuerte, dass die Ausrichtung der Evangelischen Kirchgemeinde Altstätten für alle offen sein soll. Dennoch soll die Kirche ein klares Profil haben, machte Pfarrer Hansurs Walder geltend. Künftig müsse man aber die Frage stellen, was zu verändern sei, um von den heute rund 2000 Kirchbürgern mehr als nur hundert von ihnen ansprechen und zum Kirchgang motivieren zu können. Diverse Voten forderten eine vielfältige Kirche, die alle Alterssegmente anspreche. Es dürfe nicht sein, dass die Konfirmation bereits der Abschluss sei. Die Kirche müsse offen sein für alle. Dazu bedürfe es einer breiten Abstützung. Diakon Urs Noser erklärte, dass er gerne Impulse aufnehme und machte Mut, Anregungen und Bedürfnisse zu formulieren, um diese in breiter Runde diskutieren zu können. «Alle haben Anspruch darauf, abgeholt zu werden», betonte Peter Amsler. Nur so könne eine lebendige Gemeinschaft funktionieren.

Guter Rechnungsabschluss

Wie Ursula Schelling erklärte, schloss die Verwaltungsrechnung um rund 50 000 Franken besser ab als budgetiert. Der Finanzausgleichsbeitrag von 435 437 Franken sei bereits eingegangen. Um die Überstunden in den Griff zu bekommen, sei das Pensum des Mesmers um zehn Prozent erhöht worden. Erfreulicherweise seien mit dem Steuerertrag von 1 001 353 Franken gegenüber dem Budget 2014 rund 16 000 Franken mehr eingenommen worden. Das Budget 2015 liege um 76 460 Franken tiefer als im Vorjahr. Dafür sei auch mit einem um rund 100 000 Franken geringeren Finanzausgleichsbeitrag zu rechnen. Für 2015 würden sich nach Ursula Schellings Ausführungen die vorgesehenen Abschreibungen von 282 000 auf 167 000 Franken reduzieren. Im Konto baulicher Unterhalt der Kirche sei unter anderem ein neues Schliesssystem enthalten und ein Gesamtkonzept «Beleuchtung, Bild und Ton». Der Steuerbedarf 2015 betrage 997 000 Franken. Der Beitrag vom Finanzausgleich der St. Galler Zentralkirche sei bereits zugesichert worden. Den Steuerfuss habe man gleichbleibend auf 30 Prozent (26,9 Prozent Kirchensteuer und 3,1 Prozent Zentralsteuer) budgetiert.

Lohn aus Spendengeldern

Die regionale 40-Prozent-Stelle «Geistliche Begleitung von Kindern und Jugendlichen» von Enrico Pezzoni soll gemäss Ausführungen der Kirchenpräsidentin erhalten bleiben. Finanziell beteiligen sich die drei Kirchgemeinden Rebstein-Marbach, Eichberg-Oberriet und Altstätten. Der Anteil von einem Drittel soll nach Meinung der Altstätter Kirchenvorsteherschaft durch Spendengelder gedeckt werden. Eine zweite Variante sehe vor, den Betrag ins ordentliche Budget aufzunehmen. Bei der Vorversammlung folgte die Mehrheit dem Vorschlag der Kirchenvorsteherschaft. Zuhanden der ordentlichen Kirchbürgerversammlung schlägt die Kirchenvorsteherschaft zur Wahl in die Pfarrwahlkommission elf Mitglieder vor: Gabriel Küng (Präsident), Roger Benz, Erika Gut, Hanspeter Küng, Andrea Leibundgut, Urs Noser, Enrico Pezzoni, François Rappo, Jana Schacht, Ursula Schelling und Gerda Tanner. Guy P. Jenny forderte, zusätzlich in die Pfarrwahlkommission Peter Moser und Peter Künzler aufzunehmen. Einen entsprechenden Antrag wolle er bei der ordentlichen Kirchbürgerversammlung stellen, wo auch weitere Nominationen noch möglich sind. Bei der Diskussion wurde bedauert, dass gerade beide Pfarrer (Hansurs Walder geht in Pension, Gregor Weber zieht ins Ausland) gleichzeitig zu ersetzen seien. Bemängelt wurde, dass die vorgeschlagene Pfarrwahlkommission im stillen Kämmerlein bestellt worden sei. Es wurde auch die Frage aufgeworfen, ob denn nicht ein Pfarrer genüge.