Eine späte Ehrung

Lieber spät als nie! Es geht hier um eine Frau. Allerdings ist dieser Frau im Laufe von 2000 Jahren durchaus Ehre zuteil geworden, doch Maria von Magdala wurde auch viel Unrecht getan. Magdala ist eine Ortsbezeichnung. Daraus entwickelte sich der Frauenname Maria Magdalena oder einfach Magdalena.

Ingrid Grave Dominikanerin In Zürich
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Lieber spät als nie! Es geht hier um eine Frau. Allerdings ist dieser Frau im Laufe von 2000 Jahren durchaus Ehre zuteil geworden, doch Maria von Magdala wurde auch viel Unrecht getan. Magdala ist eine Ortsbezeichnung. Daraus entwickelte sich der Frauenname Maria Magdalena oder einfach Magdalena.

In Magdala am See Genezareth in Palästina, dort muss sie dem Wanderprediger Jesus begegnet sein. Krank! Hat sie Heilung gesucht? Vielleicht, denn durch die Begegnung mit Jesus sind aus ihr sieben Dämonen ausgefahren. Dies wird in der Bibel nur im Nebensatz erwähnt (Lk 8, 1 – 2). Gleichzeitig bezeugt die Textstelle, dass sie – wie die Jünger – zu jener Anhängerschaft Jesu gehörte, die mit ihm von Ort zu Ort wanderte. Und sie war nicht die einzige Frau.

Was ist mit ihrer Krankheit? Deuten die Dämonen hin auf depressive Zustände, die sich in der Begegnung mit diesem durch und durch seelisch gesunden Jesus «auflösten»? Auf jeden Fall lässt diese Frau, die eher aus wohlhabenden Verhältnissen stammen könnte, alles zurück und beginnt ein unbequemes Wanderleben in der Gefolgschaft Jesu. Für sie gibt es kein Zurück mehr. Ihre Seele ist geheilt.

Wodurch wurde sie geehrt?

Noch im Mittelalter galt sie in der Kirche als die Apostelin der Apostel.

Die Bibel «weiss», dass sie Jesus auf seinem bitteren Weg bis zum Kreuz begleitet hat. Dann ihre Präsenz am Grab Jesu. Als Erste überhaupt erlebt sie Jesus als den Lebendigen, der ihr sagt: «Verkünde meinen Brüdern, dass ich lebe!»

Das bedeutet, es gibt ein Leben durch den Tod hindurch, auch für uns. Sie ist die erste Beauftragte Jesu für die Verkündigung seiner Botschaft und damit eine von ihm selbst ausgewiesene Apostelin.

Wo tat man ihr Unrecht? Im Laufe der Kirchengeschichte «verwechselte» man sie mit einer anderen Frau, einer Frau ohne Namen. Es ist die Frau, die sich Jesus bei einem Gastmahl unaufgefordert näherte, ihm unter Tränen die Füsse salbte und mit ihren Haaren trocknete: Eine Frau, die in der Bibel als stadtbekannte Sünderin (Prostituierte) bezeichnet wird (Lk 7, 36 – 50).

Ihre späte Ehrung?

Seit Jahrhunderten erhielten in der katholischen Kirche herausragende Persönlichkeiten (Heilige) einen festen Gedenktag.

So auch Maria Magdalena. Doch nun wird sie offiziell auf Wunsch von Papst Franziskus liturgisch in den Rang einer Apostelin erhoben.

Man soll am 22. Juli nicht nur ihrer gedenken, sondern den Tag als Fest verstehen: Das Fest der gleichberechtigten Würdenträgerin im männlichen Apostelkreis!