Eine Schule sichert sich ab

Weil sich in den letzten Jahren die Wünsche nach längeren Ferienabwesenheiten von Kindern gehäuft haben, führt die Primarschule eine neue Urlaubs- und Absenzenregelung ein.

Remo Zollinger
Merken
Drucken
Teilen

Auf der Homepage der Primarschule Hinterforst ist zurzeit eine Referendumsvorlage zu finden: Es ist die neue Urlaubs- und Absenzenregelung, die Schule und Schulrat erarbeitet haben. «Wir gehen diesen Weg, weil wir bisher kein explizites Reglement hatten und damit es juristisch hieb- und stichfest ist», sagt Albert Koller, Schulratspräsident von Hinterforst.

Die Schule will sich damit reglementarisch absichern und den Rahmen klar abstecken. Für die Schülerinnen und Schüler bestehen demnach zwei Möglichkeiten, Urlaub zu erhalten. Einerseits die beiden Joker-Halbtage, die jedem Schüler in jedem Schuljahr zur Verfügung stehen. Sie können unbegründet bezogen werden und bedürfen nur der Bewilligung durch die Lehrperson.

Die Jokertage sind im kantonalen Volksschulgesetz festgehalten – bei ihnen besteht kein Spielraum.

Es braucht triftige Gründe

Neu sind die Richtlinien des Schulrats über Urlaube von mehr als drei Tagen. Ein solcher kann nur mit einem triftigen Grund schriftlich beantragt werden, wobei es der Schulrat ist, der über diese Art von Urlaub entscheidet. Im neuen Reglement sind die triftigen Gründe festgehalten: Für Vereinsaktivitäten und Wettkampfsport, kulturelle Aktivitäten, hohe religiöse Festtage, die Förderung besonderer Talente, die Pflege familiärer Beziehungen, mehrmonatige Auslandaufenthalte der Erziehungsberechtigten sowie aus gesundheitlichen Gründen kann ein längerer Urlaub genehmigt werden. In diese Kategorie gehören auch familiäre Gründe wie etwa die Teilnahme an Hochzeiten nahe stehender Personen sowie Absenzen bei Todesfällen.

Ferienanfragen häuften sich

Ebenso klar steht im neuen Reglement: «Für Ferienverlängerung wird kein Urlaub gewährt.» Der Grund für diesen Passus ist, dass sich in Hinterforst Anfragen dieser Art gehäuft haben.

Strittige Fälle habe es nicht gegeben, sagt Albert Koller, aber: «Wir haben in jüngerer Vergangenheit immer mehr Ferienanfragen zur Verlängerung vor den offiziellen Schulferien im Sommer und an Weihnachten/Neujahr erhalten.» Mit der neuen Regelung schiebt die Schulgemeinde diesen Anfragen einen Riegel vor.

Anders als bei den Jokertagen hat die Schule bei Urlaubsverlängerungen Spielraum. In der kantonalen Verordnung zum Volksschulunterricht heisst es: «Voraussehbare Abwesenheit bedarf der vorgängigen Bewilligung.» Und: «Der Schulrat regelt das Verfahren für vorgängige Bewilligung von Abwesenheit.» Das bedeutet: Der Schulrat kann selbst entscheiden, ob er einen längeren Urlaub genehmigen will oder nicht. Vom Schulrecht der Volksschule des Kantons werden die Schulen lediglich dazu angehalten, mit Rücksicht auf die verfassungsmässige Schulpflicht bei Urlaubsgesuchen Zurückhaltung zu üben. Eine Regelung, wie sie die Primarschule Hinterforst erarbeitet hat, ist also nicht Pflicht.

Schule kann entscheiden

In Rebstein gibt es eine solche denn auch nicht. «Wir haben keine offizielle Regelung in Kraft», sagt Urs Hartert, Schulverwalter der Primarschule Rebstein. Urlaubsgesuche über zwei Halbtage würden aber ohnehin sehr wenige eingehen. «Wir gehen davon aus, dass dies mit der restriktiven Handhabung zu tun hat», sagt Hartert.

In Widnau gibt es auch keine Regelung, sondern Merkblätter. Sie haben einen ähnlichen Inhalt wie die Hinterforster Regelung, und wie in Rebstein gebe es auch hier sehr selten Anfragen zur Ferienverlängerung. «Tendenziell entsprechen wir ihnen aber eher, als dass wir sie ablehnen», sagt Manfred Kügel, Schulleiter der Unterstufe. Probleme gebe es aber ohnehin keine.