Eine Quelle sprudelnden Wassers

Kaltes, klares, reines Wasser ist etwas Wunderbares: Ein Wasser, das tief aus der Erde kommt und das aus dem Boden sprudelt. Im heissen Sommer und jetzt im Spätsommer ist das herrlich. In den Wäldern in unserer Region gibt es einige frische Quellen.

Jürgen Kaesler, Pfarreibeauftragter In Rüthi
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Sprudelndes Wasser vermag, die Lebensgeister zu wecken. (Bild: Shutterstock)

Sprudelndes Wasser vermag, die Lebensgeister zu wecken. (Bild: Shutterstock)

Kaltes, klares, reines Wasser ist etwas Wunderbares: Ein Wasser, das tief aus der Erde kommt und das aus dem Boden sprudelt. Im heissen Sommer und jetzt im Spätsommer ist das herrlich. In den Wäldern in unserer Region gibt es einige frische Quellen. Man muss sie vielleicht etwas suchen oder wissen, wo sie sind.

Ein älterer Mann hat mir vor längerer Zeit einmal eine Wassertretstelle gezeigt, die er in der Nähe seines Dorfes mit einigen Kollegen gebaut hatte. Dafür haben die Männer im Pensionsalter eine alte Quelle wieder freigelegt, die Jahrzehnte zuvor zugeschüttet worden war. Er hat sich gemerkt, wo sie entspringt und sich daran erinnert. Ich sehe diesen liebenswürdigen Menschen, wie er glücklich an dem Gemeinschaftswerk der Pensionisten sitzt, wie er an «seiner» neuen Tretstelle sitzt. Das kühle Wasser läuft über seine müden Füsse. Er hat etwas Wunderbares geschaffen, denn viele Wanderer und Spaziergänger erfreuen sich seitdem an dieser Quelle. Der Prophet Jeremia hat vor vielen Jahrhunderten gesagt: Gott ist nicht anders, er ist genauso wie eine frische Quelle! Er ist heilsam, erfrischend: wie eine Quelle lebendig sprudelnden Wassers, das über das Gesicht, die Hände oder die Füsse läuft und die fähig ist, die Lebensgeister zu wecken. Wenn ich Gott nahe bin, kann es sich genauso anfühlen. Mir kann es dann richtig gutgehen. Auf jeden Fall fühle ich mich lebendig. Frisches Wasser ist in unseren Breitengraden selbstverständlich, wir haben mehr als genug davon. Wir nehmen es nicht als etwas Besonderes wahr. Wir konsumieren es häufig gedankenlos. Leitungen bringen uns das Wasser in jedes Haus – wir müssen nur noch den Wasserhahn aufdrehen. Aber das ist nicht vergleichbar mit einer lebendig sprudelnden Quelle. Es ist nicht Wasser als unverfügbares Geschenk, sondern Wasser, das wir uns nutzbar gemacht haben. Es fliesst, wann wir es wollen, zu unseren Bedingungen, und wir können den Verbrauch ablesen. Wir können es einfach bezahlen. Doch für Millionen Menschen in anderen Breitengraden ist Wasser auch heute noch genau wie für Jeremia ein ganz besonderes Geschenk. Gott ist wie eine Quelle. Unverfügbar, einfach da, heilsam und erfrischend. An dieses Wasser ist kein Wasserzähler angeschlossen, dafür müssen wir nicht bezahlen, dieses Wasser ist rein und klar: Diese Quelle versiegt nicht. Es sprudelt immer neues Wasser nach. Das macht frisch für den Tag und frisch für das Leben. Aber manchmal kann es beim Menschen auch sein, dass die Quelle verschüttet ist. Gut, wenn der Mensch dann weiss, wo die Quelle lag.

Eine Wanderung mit meiner Frau auf dem Berg oder im Riet oder ein schöner Abend mit Freunden kann mich daran erinnern. Ein unverhoffter Anruf von jemandem, von dem ich lange nichts mehr gehört habe oder eine schöne Musik – vor allem, wenn ich sie mit anderen gemeinsam erleben darf. Hier bricht die Quelle auf und sprudelt wie eh und je – ganz neu und ganz frisch. Gott ist die strömende Quelle, die meine Lebensgeister erneuert und meine Wunden heilt, die Nahrung schenkt zur rechten Zeit.

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