Eine Petition gegen das Warten

ALTSTÄTTEN. Die Arbeitsgruppe Wirtschaft der CVP Altstätten will, dass das Problem mit dem oft geschlossenen Bahnübergang gelöst wird. Sie sammelt Unterschriften für eine Petition. Die von der AGW angegebene Wartezeit deckt sich allerdings nicht mit den Messergebnissen der Redaktion.

Gert Bruderer
Drucken

Die Bittschrift trägt den Titel «Ostumfahrung Altstätten». Sie ist an die St. Galler Regierung und an den Altstätter Stadtrat gerichtet. Dieser ist auch ohne Petition vom Anliegen der AGW überzeugt. Jedenfalls sagt Stadtpräsident Ruedi Mattle, der Stadtrat unterstütze das Umfahrungsprojekt – und treibe es voran.

Unterführung bauen

Urs Dörig, der die Arbeitsgruppe Wirtschaft (AGW) präsidiert, nennt den Bau einer Unterführung und somit den Anschluss ins Industriequartier als vorrangiges Ziel. Die Wartezeit vor dem Bahnübergang sei nicht mehr tragbar. Die Petition spricht von «massiven Ausfällen an Arbeitszeit».

Tatsächlich sind die Barrieren häufig unten. Sechsmal stündlich wegen Reisezügen. Wenn auch noch Güterzüge und einzelne Loks die Stelle passieren, kommt weitere Wartezeit hinzu. In ihrer Petition schreibt die AGW, die Schranke beim Bahnübergang Grüntal sei «rund 37 Minuten pro Stunde geschlossen». Das ist aber übertrieben.

Pro Stunde 15 Minuten warten

Die Redaktion hat, unabhängig von der Petition, schon im Herbst während zwei Stunden die Wartezeiten (je eine Stunde am Vormittag und über Mittag) gemessen und sich gestern erneut mit der Stoppuhr zum Bahnübergang begeben. Von 13.30 bis 14.30 Uhr betrug die summierte Wartezeit vor dem Bahnübergang gut 13 Minuten. Die Messungen im Herbst ergaben wegen zusätzlich vorbeirollender Loks je eine gute Viertelstunde.

AGW-Mitglied Andreas Broger räumt auf Anfrage ein, vielleicht eine falsche Gesamtzeit ermittelt zu haben. Das Problem sei dennoch unbestritten. Die AGW bzw. das Petitionskomitee fordert deshalb «geeignete Sofortmassnahmen» für einen besseren Verkehrsfluss.

Ostumfahrung zurückgestuft

Das Problem besteht seit Jahrzehnten – und hat sich verschärft. Die Zahl der Autos und Lastwagen hat sich vervielfacht (gestern befuhren von 13.30 bis 14.30 Uhr 65 Lastwagen und 31 Lieferwagen den Bahnübergang), das Angebot der Bahn wurde markant ausgebaut, und der früher zweite Bahnübergang 300 Meter weiter südlich dient nur noch Fussgängern und Zweiradfahrern. Als Ergänzung zur Altstätter Südumfahrung, die seit 2007 besteht, sollte daher die Ostumfahrung gebaut werden. Diese steht jedoch in Konkurrenz zu zahlreichen anderen Entlastungswünschen im Kanton. Bei der Verabschiedung des letzten Strassenbauprogramms durch den Kantonsrat genoss das Altstätter Projekt nur noch B-Priorität. Die kantonalen Planer hatten die Ostumfahrung zuletzt nur noch als bedingt wirksam eingestuft.

Falls die Zahl der Züge pro Stunde weiter zunimmt, wovon auszugehen ist, steigt auch die Wartezeit. Die AGW beabsichtigt, am Thema dranzubleiben und hat bereits einen öffentlichen Anlass für Donnerstag, 3. September (19 Uhr, «Grüntal»), organisiert. Als Referent kommt Kantonsingenieur-Stv Marcel John. Es geht dann um den Stand der Planung und um nächste Schritte. Die Unterschriftensammlung läuft bis zu jenem Tag.

Unterschriftenbögen erhältlich bei urs.doerig@spaeter.ch