Eine neue Tankstelle: Ja, aber …

ST.MARGRETHEN. Die Gemeinde St. Margrethen wollte den Bau einer Tankstelle auf dem Baumgarten-Areal am Ortseingang verhindern. Nachdem ihre Pläne vom Baudepartement gestoppt wurden, hat sie das Gespräch gesucht und arbeitet nun mit der Agrola an einer Lösung.

Claudio Donati
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Die Agrola will auf dem Baumgarten-Areal eine Tankstelle bauen. (Bild: Claudio Donati)

Die Agrola will auf dem Baumgarten-Areal eine Tankstelle bauen. (Bild: Claudio Donati)

ST. MARGRETHEN. Am Ende fragt man sich: Hätte sich dieser Streit auch einfacher lösen lassen? Vor dem Ende aber liegen zwei Jahre, während denen sich die Agrola und die Gemeinde St. Margrethen in den Haaren gelegen sind. Jetzt liegen sie sich zwar nicht in den Armen, aber zumindest haben sie sich die Hand gegeben und darauf geeinigt, nun den Bau der Tankstelle mit vierstöckigem Gebäude gemeinsam in einer Projektstudie voranzutreiben.

Erst Rechtsstreit, dann Gespräch

Am Anfang stand die Absicht der Agrola, auf dem Baumgarten-Areal eine Tankstelle zu bauen. Der Gemeinde passte das nicht. «Hier gehört keine Tankstelle hin», sagte Gemeindepräsident Reto Friedauer im Juli 2010 gegenüber unserer Zeitung. Er hatte mit seinen Kollegen beschlossen, die Ortseingänge zu verschönern. Eine Tankstelle entsprach dabei nicht den Vorstellungen des Gemeinderats. Ausserdem plante dieser, das Gebiet in eine Zone mit verkehrsarmer Nutzung umzuwandeln. Nachdem die benachbarte Ottersbach-Überbauung Anfang Jahr an der Urne gescheitert war, fiel die Parzelle auf dem Baumgarten-Areal aus der Planungszone. Das Baudepartement stützte zudem den Rekurs der Agrola gegen den Teilzonenplan, der eine verkehrsarme Nutzung vorgesehen und eine Tankstelle (auch für LKW) verunmöglicht hätte. Gegen diesen Entscheid reichte die Gemeinde Anfang September Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Vorsorglich, wie Reto Friedauer auf Nachfrage erklärte, während Agrola-Bereichsleiter Marc Lippuner noch nichts davon wusste und sich am Telefon lautstark über die «wiederholte Blockiererei» ärgerte. Friedauer aber hatte andere Absichten: «Jetzt ist Zeit, zusammen an den Tisch zu sitzen.» Der Gemeinderat werde den Rekurs zurückziehen, gleichzeitig den Agrola-Vertretern eine Einladung zum klärenden Gespräch schicken, damit eine Lösung gefunden werde. Anfang Oktober liess er die Beschwerde fallen, Ende Oktober fand nun das erhoffte Gespräch statt. Die Tankstelle müsse man wohl akzeptieren, sagte Reto Friedauer. Aber er hielt an Bedingungen fest, die im Überbauungsplan für das Baumgarten-Gebiet festgeschrieben sind. So forderte er, dass mit dem zur Verfügung stehenden Boden haushälterisch umgegangen wird und deshalb auf eine einfache Tankstelle verzichtet werde. Hier sind sich die Parteien schnell einig geworden. Die Agrola beabsichtigte gar nie, eine «08/15- Tankstelle» zu bauen, obwohl sie letztes Jahr ein entsprechendes Bauermittlungsgesuch gestellt hatte, «aus taktischen Gründen», wie Christoph Fisch von der Agrola klarstellt. Die Investitionen, von denen gemäss Agrola regionale Handwerker profitieren würden, schätzt er auf knapp 10 Mio. Franken. Auf den 4700 Quadratmetern soll nämlich ein vierstöckiges Gebäude mit unterirdischen Parkplätzen, gewerblicher Nutzung und möglicherweise Wohnungen im obersten Geschoss entstehen. Ein Fitnessstudio habe bereits Interesse angemeldet, sagt Liegenschaftsverwalter Fisch.

Tankstelle bei Landi soll weg

Weiter will die Gemeinde nicht, dass an der neuen Tankstelle Lastwagen tanken. Ohne diese Möglichkeit macht der Bau für die Agrola aber wenig Sinn, da sie die bestehende Tankstelle bei der Landi abreissen will, wo viele Kunden des landwirtschaftlichen Gewerbes und Transportfirmen ihren Treibstoff besorgen. Die Gemeinde hat die Agrola gebeten, ihre Pläne einer LKW-Zapfsäule zu überdenken, denn weder Zufahrt noch Zonenkonformität für eine solche Nutzung seien geklärt. Es ist anzunehmen, dass in dieser Frage für die weiteren Verhandlungen am meisten Zündstoff liegt. Wünsche der Gemeinde betreffend Abständen, Erschliessung, Verkehrszugängen usw. will die Agrola berücksichtigen. Ein erster Kompromiss sei gefunden. «Jetzt soll es schnell gehen», sagt Christoph Fisch. Bis im Januar würden erste Entwürfe geprüft, begleitet von einem Architekten und Raumplaner. Läuft alles nach Wunsch, könnte die Agrola Ende 2012 die Bauauflage einreichen.