Eine Lok geht auf Reisen

Heute Mittwoch steht eine Dampflok des Vereins Rheinschauen anlässlich der GV der Kantonalbank in der Olma-Halle. Am Montagmorgen überführte sie Stefan Raschle von der Firma Emil Egger nach St. Gallen.

Max Pflüger
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Ein Kran hebt die «St. Gallen» auf das kurze Schienenstück, das auf der Tiefladerbrücke bereitliegt. (Bild: Max Pflüger)

Ein Kran hebt die «St. Gallen» auf das kurze Schienenstück, das auf der Tiefladerbrücke bereitliegt. (Bild: Max Pflüger)

An der GV der St. Galler Kantonalbank ist das Rheintal Ehrengast. Es zeigt sich in der Olma-Halle den rund 4000 GV-Teilnehmern aus allen Teilen des Kantons mit seiner ganzen Vielfalt. So kann sich zum Beispiel auch der Verein «Rheinschauen» vorstellen. Als Publikumsmagnet brachte der Verein die 1910 gebaute Dampflok «St. Gallen» mit, das Herzstück des touristisch attraktiven Rheinbähnle.

Am frühen Montagmorgen brachte ein Transporter der Firma Emil Egger die rund elf Tonnen schwere Dampflokomotive nach St. Gallen. Unsere Zeitung begleitete den Chauffeur Stefan Raschle auf diesem spektakulären und nicht ganz alltäglichen Transport.

Spezialkran hebt die Lok

Es ist kurz nach sieben Uhr morgens. Stefan Raschle fährt mit seinem Volvo FH 12 auf dem Werkareal des Museums Rheinschauen in Lustenau ein. Die Dampflok ist für ihn eher ein Leichtgewicht. Er hat schon weit gewichtigere Lasten transportiert: Baukräne, Stahlbauelemente, Tankstellen-Module, ganze Eisenbahnwaggons, kurz: alles, was man sich in Überlänge, Überbreite oder Übergewicht vorstellen kann, oft Sondertransporte mit Polizeibegleitung. Attraktiv an dieser Fahrt ist das Ladegut: Eine weit über 100-jährige stählerne Dame, eine alte, elegante Dampflokomotive, die technisch interessierte Herzen höherschlagen lässt.

Ebenfalls zur Stelle ist ein Spezialkran der Lustenauer Firma Scheffknecht. Dann arbeiten alle Hand in Hand. Ruhig, ohne grosse Worte weiss jeder, was zu tun ist: der Kranführer, ein Helfer, der Werkstattleiter vom Verein Rheinschauen, Walter Stark, und Chauffeur Stefan Raschle. Kaum ist eine halbe Stunde vergangen, steht die «St. Gallen» fachgerecht gesichert auf einem kurzen Gleisstück auf der Ladefläche des Tiefladers.

Viel Papier im Grenzverkehr

Inzwischen ist es etwa acht Uhr geworden. Die Lok steht am Grenzübergang nach Au. Der Chauffeur packt die Papiere zusammen und geht ins Zollbüro. Das Grenzpapier «Carnet A.T.A.» für vorübergehend ausgeführte Ware umfasst mehrere Seiten. Allein fünf Seiten stark ist die «Gebrauchsanweisung», damit alles richtig ausgefüllt ist.

Beim österreichischen Exportschalter ist der nötige Stempel kein Problem. Die Schweizer Beamten aber brauchen mehr. Ihnen fehlt eine Bescheinigung über die Transportkosten. Nach einigen Telefonaten kann Stefan Raschle aber weiterfahren. Die Zollbeamten werden die nötigen Angaben selbst einholen und die Papiere bis zur Wiederausfuhr am Freitag ergänzen.

«Eine hervorragende Dienstleistung», meint Stefan Raschle, «die Hauptsache ist, dass ich ohne grosse Verzögerung weiterfahren kann.»

Der Fahrer ist ruhig geblieben und hat an der Grenze viel Geduld gezeigt. Doch nicht nur da. Auch bei Stau und vor Rotlicht zeigt er keine ungehaltenen Regungen. Sogar die wegen dem Zirkus Knie gesperrten Strassen rund um das Fahrziel Olma können ihm nichts anhaben. Zielstrebig lenkt er das schwere Fahrzeug, dessen Ladung immer wieder Aufmerksamkeit erregt, durch den Stadtverkehr. So richtig Geduld brauchte er dann aber am Endpunkt des Transports. In der Olma-Halle sind die Teppichleger und die Installateure der Bild-, und Tontechnik am Werk.

Andere Lieferanten bringen weitere Ausstellungsgegenstände oder Mobiliar. Es vergehen über zwei Stunden bis Raschle mit der Lock schliesslich in die Halle einfahren kann.

Schliesslich steht der Tiefladeanhänger mit der Dampflok an seinem Bestimmungsort. Kurz nach zwölf Uhr ist der Transport ausgeführt – Auftrag erledigt.

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