Eine Leidenschaft, zwei Wege

Was zwei Räder und einen Motor hat, fasziniert die Brüder Werner und Peter Schmitter seit jeher. Einer unterstützt Tom Lüthi und der andere betreibt eine Agentur für talentierte Töfffahrer.

Yves Solenthaler
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Faszination Motorradsport (von links): Peter und Werner Schmitter unterstützen Talente und Cracks. (Bild: ys)

Faszination Motorradsport (von links): Peter und Werner Schmitter unterstützen Talente und Cracks. (Bild: ys)

Widnau. Der Motorradsport hat die Brüder Werner und Peter Schmitter schon von Kindesbeinen an fasziniert. Zwar ist der 55-jährige Werner nie selbst Rennen gefahren, aber er hat seinem jüngeren Bruder, dem 49-jährigen Peter, den Umgang mit dem Motorrad beigebracht. Peter Schmitter fährt inzwischen Langstreckenrennen, «aber nie auf der Strasse». Werner Schmitter hat das Motorradfahren vor einem Jahr aufgegeben: «Ich hatte zu oft Scherereien mit der Rennleitung in St. Gallen» – gemeint ist das Strassenverkehrsamt. Dem Sport sind beide noch verbunden: Werner Schmitter ist als Mitinhaber der saw seit mehr als sechs Jahren Sponsor vom Schweizer Töff-Aushängeschild Tom Lüthi und Peter Schmitter betreibt mit zwei Kollegen die Managementagentur PCP für hoffnungsvolle Motorrad-Talente.

Von Mutters Familie infiziert

Dabei ist es nicht die Familie Schmitter, die Benzin im Blut hat, wenngleich beide die Leidenschaft an ihre Söhne vererbt haben – Peters Sohn Dominic Schmitter ist gar eines der hoffnungsvollen Talente, die von PCP betreut werden. Die Passion für die Zweiräder ist den Brüdern von der Mutter vererbt worden: Erna Schmitter-Weder, Jahrgang 1930, hatte elf Geschwister, von denen sieben Brüder Motorrad gefahren sind. Einer davon war der kürzlich verstorbene Urs Weder aus Au; der Mechaniker hält den Streckenrekord des Bergrennens Rheineck–Walzenhausen. Die Mutter hatte mit ihren Brüdern oft Ausfahrten mit dem Töff unternommen, und auch die Leidenschaft ihrer Söhne unterstützt (selbst Motorrad gefahren ist Erna Schmitter-Weder indes nie; dieses Hobby entsprach nicht dem Frauenbild zur Mitte des letzten Jahrhunderts).

Der Vater war gar nicht erfreut darüber, dass seine Söhne vom Töff-Virus infiziert worden sind. Werner Schmitter sagt: «Als er einmal auf einem Motorrad sass, stürzte er nach wenigen Metern, und rutsche durch einen Zaun hindurch.» Damit war das Thema für Vater Schmitter erledigt, zu seinem Leidwesen aber nicht für die Söhne. Werner, der Ältere, erinnert sich daran, dass er wegen seines Hobbies dauernd Krach mit dem Vater hatte. Peter konnte dann später sein Motorrad in der Garage seines älteren Bruders einstellen, der Vater sollte von seinem Hobby nichts wissen. «Das klappte so lange, bis ich ihm einmal im Rennkombi begegnet bin», erinnert sich Peter Schmitter.

Talente oft nicht betreut

Peter Schmitter hat auch dank den Erfahrungen mit seinem Sohn Dominic festgestellt, dass im Schweizer Motorradsport vieles auf Zufall basiert. Die Karriereplanung hängt oft von den Eltern ab, und vor allem deren Vermögen: «Es kommt regelmässig vor, dass junge Fahrer die Karriere unter- oder gar abbrechen müssen», sagt er. Eine IDM-Saison, wie sie zurzeit Dominic Schmitter erstmals bestreitet, kostet ungefähr 100 000 Franken. Oft finden Talente kein Team oder müssen die Saison vorzeitig abbrechen, weil das Geld ausgeht. Gemeinsam mit Orlando Capaul und Anwalt Johannes Tsukalas betreibt er deshalb die Managementagentur PCP. In dieser ist Peter Schmitter für Strategie, Koordination und das Fahrercoaching zuständig. Mit Töff-Talenten wird langfristig zusammengearbeitet. PCP sucht für junge Fahrer Rennteams, betreibt gar eine eigene Rennserie und ist vor allem bei der Sponsorensuche als Türöffner aktiv. Die Perspektive ist es, junge Fahrer möglichst in der ab 2012 laufenden Moto-3-WM-Klasse unterzubringen. Ein Kandidat dafür ist sicherlich Dominic Schmitter.

Treuer Lüthi-Sponsor

Die saw, deren Mitinhaber Werner Schmitter ist, unterstützt Dominic Schmitter auch. Doch das Betonelementwerk ist mit dem Motorradsport vor allem durch das Sponsoring von Tom Lüthi verbunden. Noch vor dessen WM-Titel 2005 war die saw eingestiegen, und ist inzwischen nebst «Interwetten» der treueste Sponsor des Emmentalers. Dabei geht es der saw in erster Linie um die Pflege langjähriger Kundenbeziehungen. «Ob Lüthi vorne mitfährt und oft im TV-Bild erscheint, ist für uns nicht wichtig», sagt Werner Schmitter. Man wolle gute Kunden an die Rennen mitnehmen, und ihnen in entspannter Atmosphäre ein unvergessliches Erlebnis bieten. «Hospitality» heisst das Zauberwort, das im Sportsponsoring in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat.