Eichenwies
Ein Stall für die Schweizergarde – der Krippenverein Montlingen-Eichenwies schickt bald eine Krippe nach Rom

Der Krippenbauverein Montlingen-Eichenwies schickt demnächst einen Stall und Figuren nach Rom.

Monika von der Linden
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Zum ersten Mal setzen Norbert Schegg (von links), Daniel Kühnis, Hans Benz, Otmar Keel und Helmut Grutschnig die Krippe im heimatlichen Stil für die Kapelle der Schweizergarde in Rom zusammen. Weiter gehört Reini Wüst dem Krippenbauteam an.

Zum ersten Mal setzen Norbert Schegg (von links), Daniel Kühnis, Hans Benz, Otmar Keel und Helmut Grutschnig die Krippe im heimatlichen Stil für die Kapelle der Schweizergarde in Rom zusammen. Weiter gehört Reini Wüst dem Krippenbauteam an.

Bild: Monika von der Linden

Betritt man das alte Holzhaus, das neben der Schule steht, verrät der Duft frischer Sägespäne, hier sind Bastler am Werk. Sie sägen, schleifen, schrauben, kleben, bohren und malen. Dort, wo einst der Pfarrer einen Viehstall unterhielt, entsteht eine andere Art Stall. Seit knapp drei Jahren setzt der Krippenbauverein Montlingen-Eichenwies die Geburt Jesu in Bethlehem immer wieder in Szene. Aktuell fertigt er eine Kirchenkrippe für die Schweizergarde in Rom und passt sie genau in die Kapelle ein, in der die Gardisten Weihnachten feiern.

Gespendet werden auch 100-jährige Krippenfiguren

Der Verein ist noch jung. Seine Mitglieder sind allesamt «alte Hasen». Es ist kaum möglich, alle Krippen aufzuzählen, die Präsident Daniel Kühnis, Helmut Grutschnig, Reini Wüst, Norbert Schegg, Hans Benz und Otmar Keel selbst entworfen und gebaut haben. Ausserdem stehen die sechs Männer Kindern und Erwachsenen in Kursen mit Rat und Tat zur Seite.

Darüber hinaus ist Daniel Kühnis im Vorstand der Krippenfreunde Schweiz vertreten. Dort erfuhr er von einem Mail, dass Vizekorporal David Meier im Namen von Gardekaplan Don Thomaso Widmer aus Rom geschrieben hatte. Dieser hatte angefragt, ob landesweit jemand bereit sei, den Gardisten eine Kirchenkrippe zu spenden.

Fast gleichzeitig räumte die Kirchgemeinde den Estrich der Josefskirche. In Holzwolle verpackt und doch beschädigt, kam eine vollzählige Gruppe Krippenfiguren zum Vorschein. Die grösste misst 45 Zentimeter Höhe. Die Heilige Familie, Könige, Hirten, Gloriaengel, Schafe sowie Ochs und Esel wurden vor mehr als hundert Jahren aus Gips gefertigt. Daniel Kühnis schätzt ihren Wert auf 1000 Franken pro Figur. «Wir haben keine Ahnung, wo und wie sie einst präsentiert wurden», sagt Daniel Kühnis, der auch die Kirchenverwaltung präsidiert. Er vermutet, dass die Figuren in der längst ersetzten Alten Josefskapelle aufgestellt wurden. «Eine Krippe fanden wir nicht.»

Der Krippenbauverein holte bei der Kirchenverwaltung die Bewilligung ein, die Figuren der Schweizergarde in Rom zu spenden. Als Zugabe wollte er Jesus mit seinen Begleitern schön in Szene setzen und in Freiwilligenarbeit eine Krippe bauen. «Die Heilige Familie sollte ihre zweite Chance erhalten», sagt Daniel Kühnis und spannt einen Bogen in die Gesellschaft der Gegenwart: «Das kann gut gehen, falls man weiss, was beim ersten Mal schieflief.» Er kenne aber die erste Krippe nicht. Also hofft er, dass der neue Stall so schön wird, dass niemand auf die Idee kommt, ihn einzustampfen.

Unterstützung von allen Seiten

Das Projekt erhielt freie Fahrt, nachdem auch die Finanzierung des Materials gesichert war. Die Kirchgemeinden der Region, die Ortsgemeinde und politische Gemeinde, der Verkehrsverein und der Admini­strationsrat in St.Gallen trugen insgesamt etwa 5000 Franken bei. Mit der Planung und Konstruktion der Landschaft starteten die sechs Krippenfreunde im Februar. Jeder brachte seine Talente und Erfahrungen aus verschiedenen handwerklichen Sparten ein.

Anhand von Fotos und Massangaben der Kapelle berechnete zum Beispiel Hans Benz Form und Grösse der Krippe. Norbert Schegg übernahm die technische Leitung. Er trieb Fensterscheiben auf, die vormals bereits Einblick in ein anderes Gebäude gewährt hatten. Nicht zu zählende Schindeln decken das Stalldach. Sie wirken so, als ob sie in einer Hütte auf dem Montlinger Schwamm verbaut gewesen wären. Jede einzelne hatten die Männer von Hand auf alt gebeizt. Summiert man all die beanspruchten Minuten, die Handgriffe und Überlegungen, ergeben sich weit mehr als 500 Stunden Fronleistungen. Und noch ist die Krippe nicht fertig. Hinzurechnen muss man die Arbeiten, die die Kerngruppe nicht selbst zu erledigen vermochte. Zum Beispiel bemalte Lea Kühnis die Einzelteile mit den passenden Farben. Weiter brachten sich Nelly Wüst und Hampi Gschwend tatkräftig ein. Der pensionierte Maler Willi Lüchinger reinigte die Figuren und besserte Schäden aus. Die Kenntnisse hatte er erworben, als er seine Lehre bei einem Restaurator absolviert hatte.

Bethlehem im Thurgau vor Alpsteinkulisse

Das Hintergrundbild wird Peter Riml aus Wenns malen. Der Krippenbauer und Künstler hat sich auf diese Fertigkeit spezialisiert. Er reist eigens aus Tirol an, um das Panorama von Alpstein und Altmann auf Holzplatten zu bannen. «Wir möchten den vielen Ostschweizer Gardisten ein Heimatgefühl vermitteln», sagt Daniel Kühnis. Beim Anblick des Stalls können sie ihr Heimweh abstreifen. Die Wände haben die Krippenbauer in Montlingen dem Thurgauer Fachwerk nachempfunden. Der Blick aus dem Stallfenster offenbart mal den Dorfplatz und mal den Schwamm Montlingens. Am Rande der Geburtsszene «wächst» eine Tanne. Daniel Kühnis hat einen künstlichen Baum erworben. «Wir montieren ihn auf einem verknorzten Baumstrunk. Das wirkt täuschend echt.»

Noch bis Ende September haben die Krippenbauer Zeit, ihr Werk zu vollenden. Am 1. Oktober reist eine dreissigköpfige Gruppe aus Vereinsmitgliedern und Gönnern nach Rom und überbringt der Garde das Geschenk persönlich.

Die Pfarrei Montlingen- Eichenwies kann die Einweihung an Weihnachten nicht vor Ort miterleben. Daniel Kühnis hofft dennoch, über Fotos oder Videos Anteil am Fest zu haben. Vielleicht wird ja Papst Franziskus die Kapelle besuchen und so einen Eindruck dessen erhalten, welche Heimat viele seiner Beschützer gerade vermissen.

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