Eine Frau unter lauter Männern

WIDNAU. Die 19-jährige Corina Frei arbeitet als Strassenbauerin bei der Firma Bernhard Frei AG in Widnau, wo sie auch ihre Lehre absolviert hat. Für sie ist dies der Traumberuf.

Susi Miara
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Corina Frei drückt sich vor keiner Arbeit. (Bild: Susi Miara)

Corina Frei drückt sich vor keiner Arbeit. (Bild: Susi Miara)

Ein schwarzes Stirnband, die blonden Haare hinten zusammengebunden, orange Überhosen und eine graue Softshell-Jacke: Corina Frei fällt auf. Die 19-jährige Widnauerin ist Strassenbauerin und arbeitet zurzeit auf der Baustelle an der Bahnhofstrasse in Widnau.

Vor einem Monat hat Corina Frei die Strassenbauer-Lehre abgeschlossen und wurde sofort von ihrem Lehrbetrieb, der Bernhard Frei AG, übernommen. «Weil sie so gut ist?», wollen wir wissen. «Das hoffe ich», antwortet die selbstbewusste Frau. Das muss sie auch sein. Sie ist die einzige Frau unter vielen Männern und wird von allen auch akzeptiert. «Man muss sich eben wehren können», sagt sie.

Kein Frauenberuf

Dass sie den Beruf des Strassenbauers gewählt hat, bereut sie nicht. Lange wusste sie nicht, welchen Beruf sie erlernen soll. Ein Bekannter, der bei der Firma Bernhard Frei AG arbeitet, habe ihr vorgeschlagen, dort zu schnuppern. Bereits während der Schnupperlehre musste sie richtig anpacken. Danach habe sie sich bei der Firma beworben und wurde genommen. Ihre Eltern hätten zuerst etwas komisch reagiert. Trotzdem hätten sie nie versucht, ihr ihre Entscheidung auszureden. Und mit der Zeit hätten sie sich daran gewöhnt. In der Lehre war für sie dann aber die Schonzeit vorbei. Auch vor schwerer Arbeit habe sie sich nie gedrückt. Sie habe immer zuerst probiert, und wenn es nicht ging, um Hilfe gebeten.

Arbeiten bei Hitze und Regen

Die Arbeit an der frischen Luft macht ihr Spass. «Bei starker Hitze oder extremer Kälte zu arbeiten, hat mir am Anfang ein wenig Mühe gemacht», sagt Corina Frei. Doch auch daran habe sie sich gewöhnt. Wenn ihre Kollegen die T-Shirts ausziehen und «oben ohne» arbeiten, ziehe sie einfach ein Träger-Shirt an. Andere Unterschiede gibt es nicht. Wie ihre Kollegen ist auch sie überall einsetzbar.

Weiterbildung möglich

Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es in ihrem erlernten Beruf viele. Sie könnte sich zur Vorarbeiterin, Polierin oder Bauführerin weiterbilden. Doch im Moment komme das nicht in Frage. Corina Frei will die nächsten zwei Jahre arbeiten und sparen. Würde sie ihren Beruf anderen Frauen weiterempfehlen? «Ja. Man muss aber von klein auf bereits handwerklich etwas gemacht haben», sagt sie. Sie haben bereits als Kind in der Werkstatt ihres Vaters ihr Fahrrad selbst repariert, teilweise ganz auseinandergenommen und wieder zusammengeschraubt. Und man darf kein «Finöggeli» sein, ergänzt Corina Frei. Bei ihrer Arbeit mache man sich die Hände schmutzig.