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Eine Frau, die von früher erzählt

BALGACH. Man traut sich kaum, es in die Hand zu nehmen, das Buch von Milly Hug. Schon auf den ersten Blick ist ihm die grosse Arbeit, die in ihm steckt, anzusehen. Und es ist, obschon fast druckfrisch, eine Rarität.
Gert Bruderer
Milly Hugs Buch ist, obschon ganz neu und mit einer internationalen Standard-Buchnummer versehen, nicht erhältlich. (Bild: Gert Bruderer)

Milly Hugs Buch ist, obschon ganz neu und mit einer internationalen Standard-Buchnummer versehen, nicht erhältlich. (Bild: Gert Bruderer)

Milly Hug, mit vollem Namen Milly Hug-Halter, wird 83 und ist eine einfache, hellwache Frau. Wie Unternehmen, die eine Homepage haben, betreibt Milly Hug eine eigene Webseite – www.naturseite.ch. Wer sie aufruft, kann sofort erkennen: Hier verbreitet jemand lauter Schönes, steckt ein Mensch dahinter, der Lebensfreude als Grundhaltung versteht.

Das Buch – 300 Seiten dick und fast zwei Kilo schwer – ist so aussergewöhnlich wie seine Autorin. Obschon versehen mit einer ISBN, einer internationalen Standard-Buchnummer, ist es nicht erhältlich. Nur 15-mal gibt es das grossformatige Werk. Fast identisch ist die Zahl der nächsten Verwandten.

Milliy Hug hat sechs Enkel, zwei Söhne, eine Tochter, zwei Schwestern und einen in Balgach lebenden Bruder.

Strümpfe und «Berabrot»

Anders als viele historische Schunken, handelt das Werk der Balgacherin nicht von Ämtern, Denkmälern, und einem Haufen trockener Materie, sondern von Strümpfen und Mäusen, vom Reisen in der 3. Klasse und vom besten «Berabrot» der Welt. Anstatt von hoher Warte die gesellschaftliche oder wirtschaftliche Entwicklung zu beschreiben, macht Milly Hug, was alle Menschen laufend machen: Sie erinnert sich. Was sie erzählt, kommt mitten aus dem Leben, Milly Hug sagt: «Es ist alles so, wie ich es fühlte und erlebte.» Ihre Kindheit und die Jugendzeit in Balgach, das Leben daheim und das Leben im Dorf.

Die Gemeindepräsidenten – oder die Ammänner, wie man sie früher nannte – hatten mit Milly Hug öfter zu tun. Weil sie Ideen hatte, spontan sein konnte, vorbeikam, auch Missstände benannte. Sie sagt, immer habe der Rat ihre Hinweise vorbildlich behandelt.

Als die SBB vor drei Jahren zwischen Heerbrugg und Balgach fast alle Pflanzen entlang der Bahnstrecke entfernten, schickte sie dem Staatsbetrieb umgehend einen Brief. Die Antwort lautete: Man wolle es in Zukunft wieder besser machen.

In ihrem Buch beschreibt Milly Hug die Zeit bis 1953. In jenem Jahr war sie 21. Sie hat für ihr Buch auch Erkundigungen eingeholt, Fotos beschafft, Dokumente zusammengetragen und sich, den hohen Kosten zum Trotz, eine so grosszügige Bebilderung gegönnt, dass das Ergebnis zum Schmökern geradezu zwingt. Das Buch ist eine prall gefüllte Wundertüte. Wo immer man mit Lesen einsetzt, weckt der Text sogleich das Interesse.

Seite 126: «Meistens kaufte Mutter die Weihnachtsgeschenke in Altstätten. Hier und in Berneck gab es <die guten Geschäfte>.»

Seite 233: «Es waren Marokkaner, die jeweils an der Schweizergrenze beim Strandbad Diepoldsau erschienen.»

Seite 222: «Ganz abgelegen von unserem Dorf, ganz oben am Waldrand, stand eine so genannte Knabenanstalt, die Wyden.»

Seite 111: «Mäuse im Haus galten damals als eine Selbstverständlichkeit.»

In Natur hineingeboren

Milly Hug wurde sozusagen in die Natur hineingeboren. Die Eltern hatten einen nebenbei geführten Landwirtschaftsbetrieb und Reben, Milly Hug bewirtschaftete später selbst, zusammen mit ihrem Gatten Hans, 18 Rebberg-Aren. Sie war Mitglied bei Balger Natur, Vorstandsmitglied im Rebbauverein, hat dessen Anliegen schriftlich vertreten und mehrere Fotoausstellungen durchgeführt. Eine grössere fand 1996 statt, in Balgachs Altem Rathaus, später an der Agrex in St. Gallen.

Auf ihrer Homepage schreibt Milly Hug, die Natur gehöre zu ihrem Leben wie Essen, Trinken und Schlafen.

Zu lesen ist auch eine simple, mögliche Erklärung dafür, warum ihr innerer Drang, sich in der Natur aufzuhalten, so gross ist, warum sie sich in ihr frei und wohl fühlt, weshalb Sorgen sich dort in Nichts auflösen und das Lebensglück neu erblüht: Milly Hugs Geburtstag fällt in den Frühling.

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