Eine fast gewöhnliche Versammlung

ST. MARGRETHEN. Einmal mehr bot die CVP-HV kaum Spektakuläres. Das hat nichts mit Langeweile zu tun, sondern mit den Ämtli- Inhabern, die ihre Arbeit in bester Manier leisteten. Aufhorchen liess hingegen ein an die CVP Rheintal gerichteter Brief.

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Von links: Roland Kluser, Präsident, Martin Tribelhorn, Altkassier Karl Osterwalder, René Gasser. (Bild: pd)

Von links: Roland Kluser, Präsident, Martin Tribelhorn, Altkassier Karl Osterwalder, René Gasser. (Bild: pd)

Die Statuten schreiben es vor: An der HV muss ein Stimmenzähler gewählt werden. So geschah es auch letzte Woche im Restaurant Gletscherhügel, wo sich rund zwanzig Mitglieder der örtlichen CVP eingefunden hatten. Gefordert wurde er in seiner Aufgabe allerdings nicht, alle Traktanden fanden die ungeteilte Gunst der Anwesenden.

Ob Bilanz oder Budget, ob Bericht der Geschäftsprüfungskommission GPK oder Protokoll der letztjährigen HV, nichts gab es zu beanstanden. Mit anerkennendem Applaus wurde deshalb allen für das Geleistete gedankt. Und der Stimmenzähler? Er verbrachte einen sehr geruhsamen Abend. Ebenfalls keine Wellen warfen die Ergänzungswahlen. Wegen des Wegzugs des bisherigen Kassiers war ein neuer zu ernennen, zudem wurde der Vorstand um einen Beisitzer erweitert. Mit René Gasser (Kassier) und Martin Tribelhorn (Beisitzer) konnten die Vakanzen besetzt werden. Die vorgeschlagenen Personen wurden von den Mitgliedern durch Handerheben eingesetzt. Einstimmig.

Das Gemeinwohl kommt zu kurz

Für Schwung sorgt stets Präsident Roland Kluser mit seinen Gedanken «zur Lage der Nation». Das war auch dieses Jahr so. Bedenkenswertes und Leichtgepfeffertes machen seinen Jahresbericht aus. Diesmal setzte er einen pointierten Satz gleich zu Beginn seiner Ausführungen: «In der heutigen Zeit vermisse ich den gesunden Menschenverstand. Es scheint mir, dass nicht mehr für die Sache, sondern nur noch der Machterhaltung bzw. des persönlichen Eigennutzes wegen politisiert wird.» Damit war klar, dass Politiker ihr Fett wegbekämen. Themen würden nicht diskutiert, vielmehr beharre jede Gruppierung auf ihrer Meinung oder sie glaube, die Wahrheit mit Löffeln «gefressen zu haben».

Zurzeit nicht nur Sonnenschein

Wer ein Beispiel hierzu wolle, der sehe sich die «Arena» des Schweizer Fernsehens an. Die Leidtragenden dieser «Nur-ich-hab-recht-Kultur» seien schliesslich die Bürger. Denn folgerichtig engagierten sich die Politiker zu wenig für das Gemeinwohl, auch wenn sie dies nie und nimmer zugäben. Unstimmigkeit macht Kluser auch zwischen der CVP-Regionalpartei und der Ortspartei St. Margrethen aus. Um diese Differenzen zu beheben, findet demnächst eine Aussprache zwischen den beiden statt.

Dabei werden die vor vier Jahren deponierten Themen wie Familiennachzug, Sessionshöck etc., angesprochen. Nach dieser Chropfleerete und den letzten Traktanden brach der gemütliche Teil der Versammlung an. Bei dem einen Bier und dem andern Wein oder auch bei Nichtalkoholischem wurde eifrigst diskutiert. Die Stimmung war durchaus aufgeräumt, aber das macht auch den Reiz der Lokalpolitik und von Hauptversammlungen aus. (pd)