Eine einmalige Chance für das «Städtli»

RHEINECK. Wenn die Finanzierung gesichert ist, kann der Gebäudekomplex am Rheinecker Rathausplatz in alter Schönheit wieder hergestellt werden und die Hauptstrasse des «Städtlis» um ein weiteres Bijou bereichern.

Maya Seiler
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Nach dem Abbruch der neuen Krone ist der Komplex «Alte Krone-Laterne-Lutze-Huus» von der Bahnhofseite her gut zu überblicken. (Bild: rlc)

Nach dem Abbruch der neuen Krone ist der Komplex «Alte Krone-Laterne-Lutze-Huus» von der Bahnhofseite her gut zu überblicken. (Bild: rlc)

Trotz Schmutzigem Donnerstag und schlechten Strassenverhältnissen kamen gegen 50 Interessierte, um sich über das Projekt Alte Krone-Laterne-Lutze-Huus zu informieren. Es ging besonders um die Finanzierung des Gebäudekomplexes. Wie Stadtpräsident Hans Pfäffli zeigte, ist die Planung der nötigen Mittel endlich auf gutem Weg (s. rechter Kasten). Die alte Krone stand 25 Jahre leer, ist baufällig und unansehnlich: es besteht Handlungsbedarf.

Nachdem lange Zeit keine Lösung in Sicht war, weil sich alle privaten Investoren angesichts der immensen Schwierigkeiten wieder zurückzogen, hat die Stadt die Initiative ergriffen. Zusammen mit der Krone- und der Arnold-Niederer-Stiftung und den Fachleuten des Architekturbüros rlc steht die Sanierung der Eckhäuser Rathausgasse-/Hauptstrasse vor der Verwirklichung.

Archäologische Spuren

Martin Schindler, Leiter der Archäologie des Kantons St. Gallen, berichtete über die archäologischen Untersuchungen des Bodens unter den Gebäuden der Alten Krone. Man konnte die älteste Schicht anhand der Jahrringe alter Holzbalken auf 1370 datieren. Als ersten Bodenbelag über einem Fundament aus groben Kieselsteinen stiess man auf einen Sandsteinplattenboden, der stellenweise stark zerstört, andernorts noch erstaunlich gut erhalten ist. Im Hofbereich suchte man nach Spuren der alten Stadtmauer, die eventuell hier durchgeführt hat.

Man fand aber nichts; vielleicht auch, weil der Untergrund bei Baumassnahmen im 19. Jahrhundert bereits zu sehr gestört worden war. Titus Ladner vom Architekturbüro rlc erläuterte die Planung, die im Hinblick auf die Restauration der Gebäude bereits sehr weit fortgeschritten ist. Als wichtigste Massnahme hat man den Komplex mit Stahlträgern gegen den Einsturz gesichert, da sich das Holzwerk des Fundaments in einem desolaten Zustand befand.

Wie sich das Äussere der drei Gebäude nach der Restauration präsentieren wird, ist bereits mit der Denkmalpflege abgesprochen. Im Innern will man soweit als möglich bestehende Strukturen verwenden. Die drei Häuser sind Holzbauten, zum Teil mit Riegelmauern, die restauriert werden sollen. Viele Details wie Holzböden, Täfer oder bemalte Decken machen die spezielle Atmosphäre der Krone aus.

Man ist in der glücklichen Lage, dass die Räume im Erd- und ersten Geschoss von Krone und Laterne für Biblio- und Ludothek vorgesehen sind. Die Erschliessung der fünf Wohnungen erfolgt mit Treppe und Lift vom Lutze-Huus aus. Im zweiten und im Dachgeschoss sollen zwei grosszügige Maisonette-Wohnungen entstehen; dazu kommen drei kleinere Appartements. Eine Besichtigung dieser einzigartigen Wohneinheiten wird schon während der Bauzeit möglich sein.

Eventuell günstiger bauen

Wie Pfäffli in der Kostenübersicht erklärte, können mit den Mieten Zinsen und Amortisation des Bankkredits gedeckt werden.

In der abschliessenden Diskussion zeigte sich unter den Anwesenden kein Widerstand gegen das Vorhaben. Ein Votant wollte wissen, ob man mit dem Baubeginn zuwarte, bis der Fehlbetrag von knapp 600 000 Franken aufgebracht sei.

Der Stadtpräsident erläuterte, bei günstigem Bauverlauf würden sich die Gesamtkosten eventuell noch reduzieren; auch Ladner hoffte, bei sorgfältigem Kostenmanagement günstiger abzuschliessen.

Am wichtigsten sei laut Pfäffli, dass die Stimmbürger dem Denkmalpflege-Beitrag zustimmten, weil der Kantonsbeitrag davon abhänge. Aber er betonte, wenn der Stadtrat das Risiko nicht auf sich genommen hätte, wäre man noch keinen Schritt weiter. Er zähle auf die Solidarität der Rheinecker, auch was das Sponsoring angehe (s. Kasten links).

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