Eine Beiz zeigt Herz

Weil er negative Schlagzeilen rund um das Thema Flüchtlinge leid war, rief Restaurantbesitzer Florian Reiser zur Spendenaktion auf. Bereits zeichnet sich ein Erfolg ab: Das Echo ist enorm.

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ST. GALLEN. Die Flüchtlingskrise beschäftigt Menschen auf der ganzen Welt. Auch Florian Reiser, Inhaber des St. Galler Restaurants Focacceria, und seine Mitarbeiter lassen die Bilder und Neuigkeiten nicht los. Das Team wird aktiv und sammelt für Flüchtlinge in den umliegenden Unterkünften. «Anonym und abstrakt» sei die derzeitige Flüchtlingskrise betrachtet aus der sicheren Schweiz, sagt Reiser. Etwas, das weit weg passiere. Doch auch in der nahen Umgebung gebe es Flüchtlinge in Not. «Dagegen wollte ich vorgehen und einen Beitrag, wenn auch einen kleinen, leisten.» Auch seine kleine Tochter bestärkte ihn in dem Vorhaben: «Wenn sie Hunger hat, kann ich ihr schnell etwas aus dem Kühlschrank holen. Anderen ergeht es nicht so gut.»

Das Projekt begann ursprünglich innerhalb seines Freundeskreises und zog bald immer weitere Kreise. Um der Aktion mehr Gewicht zu geben, beschloss Reiser schliesslich, die Gäste der «Focacceria» einzubeziehen.

Den Kleiderschrank räumen

Reiser erkundigte sich in Flüchtlingsunterkünften in St. Gallen, Uzwil und Wil, was die Menschen dort benötigen. Das Resultat: Es fehlt an allem Möglichen. Deshalb hofft der 40-Jährige nun, dass viele Menschen hilfreiche Spenden bringen und ihren Kleiderschrank aussortieren. «Kleidungsstücke, vor allem wärmere für die bevorstehende Jahreszeit, Schuhe, Kinder- und Babykleider, Spiel-, Lern- und Malsachen, Hygieneartikel oder auch Schokolade, um die schwierige Zeit zu versüssen – wirklich alles ist gefragt», sagt er.

Den Spendenaufruf schaltete Reiser auch auf der Facebookseite der «Focacceria» auf – und erntete unzählige, ausschliesslich positive Rückmeldungen: «Super! Wir packen schon die Säcke!», heisst es etwa. Oder: «Es freut mich, wenn die Hilfsbereitschaft wächst.»

Reiser ist begeistert von der Solidarität: «Das Echo ist super, ja sensationell.» Nun sei er gespannt, was bei der Aktion zusammenkomme. Morgen Freitag und am übernächsten Freitag, 11. September, können die Spenden bei der «Focacceria»-Manufaktur an der Rosenheimstrasse 12 abgegeben werden, jeweils von 10 bis 11 Uhr und von 17 bis 18 Uhr. Es steht ein Lieferwagen bereit, der gefüllt werden will. «Ich glaube, dass einiges zusammenkommt. Nebst dem Fremdenhass gibt es auch viel Hilfsbereitschaft.»

Gipfeli und Prosecco

Zur Belohnung für die Spender bietet das «Focacceria»-Team Kaffee, Gipfeli und am Abend Prosecco an. Die Hilfsgüter bringt Florian Reiser am darauffolgenden Tag in den umliegenden Unterkünften vorbei. «Dann wissen wir auch, dass sie zu hundert Prozent die Flüchtlinge erreichen.» (woo/nh)