Einblick ins Netzwerk der Natur

Wetterfest und wanderlustig war die Schar, welche sich am Donnerstag beim Eindunkeln auf dem Rathausplatz traf, um von Felix Indermaur interessante Details über das ökologische Gleichgewicht zu erfahren.

Maya Seiler
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Die Zuhörerschar liess sich von Felix Indermaurs lebhaften Schilderungen faszinieren. (Bild: Maya Seiler)

Die Zuhörerschar liess sich von Felix Indermaurs lebhaften Schilderungen faszinieren. (Bild: Maya Seiler)

berneck. Der dritte Spürgang ins Reich der Insekten wurde zu einem flammenden Appell an das Verantwortungsbewusstsein. Felix Indermaur kritisierte scharf den Ausdruck Schädling oder Unkraut; welche man mit allen Mitteln ausrotten musste. Er war schon als Weinbau-Student an der Ingenieurschule von Wädenswil ein Verfechter der Ökologie im Sinne von Umweltschutz. Das brachte ihm sogar eine ungenügende Note in einer Semesterarbeit, weil er Ökologie als Unterrichtsfach forderte.

Zum Rundgang «Insekten als Netztwerkcoaches» versammelte er die Zuhörer beim uralten Chrysler-Cabrio neben dem Rathaus. Die einstige Luxuskarosse symbolisierte als Zeuge des Wirtschaftswunders die damalige Fortschrittsgläubigkeit. Anfang der Siebziger setzte ein Umdenken ein, und man begann, über die «Grenzen des Wachstums» (Titel einer Studie des Club of Rome) nachzudenken.

Geheimnisse der Bienen

Felix Indermaur ist nicht nur Rebbau-Spezialist, sondern auch Imker, weshalb ihm die Bienen besonders am Herzen liegen. Darum führte sein Spürgang hinauf zur Weierbüntstrasse, von wo man einen guten Blick auf die Biene am Silo der Weissmühle hatte. Hier erzählte er Faszinierendes aus dem Leben im Bienenstock. Die «Ime», wie er sie in seinem urchigen Bernecker Dialekt nennt, gehören zu den staatenbildenden Insekten. Zusammen mit den Seidenraupen sind sie die meist genutzten Kerbtiere überhaupt.

In einem Bienenstock leben drei Arten: eine Königin, welche täglich bis zu 2000 Eier legt; unfruchtbaren Arbeiterinnen und im Frühsommer auch männliche Bienen oder Drohnen. Die Arbeiterinnen sorgen durch die Grösse der Zelle und durch die Fütterung dafür, dass aus einem Ei entweder eine Arbeiterin, eine Drohne oder eine Königin wird. Eingeschleppte Krankheiten bedrohen im Moment die Bienenbestände massiv.

Vernetzte Wirkungen

Als Beispiel für die Symbiose zwischen den Lebewesen nahm Indermaur den riesigen Baum auf dem Lindenhausplatz: Jede Baumart bietet für etwa 600 Insekten Lebensraum in Krone und Wurzelwerk. Unter der Erde kommt das Myzel von Pilzen dazu. Eingriffe in dieses labile Gleichgewicht können gefährliche Folgen haben. Insekten und andere Gliederfüssler wie Libellen oder Spinnen sorgen als «Räuber»; für den Ausgleich und werden als Nützlinge zu Schädlingen der Schädlinge.

Aber auch indifferente Organismen haben ihren Platz im Netzwerk der Natur, wie das Insekt beim Leuehof, welches der Naturkenner der Familie der Hautflügler zuordnete. Weder Schädling noch Nützling, spielen sie trotzdem ihre Rolle im Netzwerk der Natur. Zum Abschluss forderte Indermaur alle zu einem kleinen Fussmarsch zur Rosenburg auf. Obwohl inzwischen ein beharrlicher Sprühregen eingesetzt hatte, nahm eine grosse Anzahl Teilnehmer den Weg in Angriff.

Auf dem Rosenberg gab es nicht nur die einzigartige Aussicht aufs nächtliche Rheintal, sondern auch einen Umtrunk, liebenswürdig ausgeschenkt von Vreny Rüedi und Peter Schmid.