Ein Zustand wie im Tiefschlaf

HEERBRUGG. Der Widnauer Künstler Armin Nüesch wird am nächsten Donnerstag 70 Jahre alt. Diesen Tag feiert er im Stellwerk Heerbrugg mit einer Ausstellung. Dort, wo er seit zehn Jahren Herzblut und Sachverstand als Vorstandsmitglied einbringt.

Monika von der Linden
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Im Laufe der Zeit fasste Armin Nüesch Mut, abstrakt zu malen. «Der Betrachter kann in meinen abstrakten Bildern immer auch Gegenstände erkennen und sich in das Bild versetzen.» (Bild: Monika von der Linden)

Im Laufe der Zeit fasste Armin Nüesch Mut, abstrakt zu malen. «Der Betrachter kann in meinen abstrakten Bildern immer auch Gegenstände erkennen und sich in das Bild versetzen.» (Bild: Monika von der Linden)

«Einen Querschnitt durch mein Schaffen werde ich im Stellwerk zeigen», sagt Armin Nüesch im Gespräch über seine nächste Bilderausstellung. Genau am Tag seines 70. Geburtstags – morgen Donnerstag um 17 Uhr – lädt er zur Vernissage in den Kulturraum Stellwerk Heerbrugg ein. Die Idee, seinen runden Geburtstag mit einer Ausstellung zu verbinden, sei ihm wie ein Gedankenblitz gekommen.

Die Frage, weshalb er seine Werke gerade im Stellwerk präsentieren wird, entlockt ihm ein Lächeln: «Zehn Jahre sind es bereits, die ich mich für den Kulturraum einsetze. Deshalb ist es besonders schön, meinen Geburtstag hier feiern zu können.» Eröffnet worden ist der Kulturraum im Herbst 2003. Im Jahr vorher hat er sich in Fronarbeit an der Renovation beteiligt. Nüesch erinnert sich, wie stark der Boden unterhalb der Stellhebel mit Öl verschmiert war und wie schön das Ergebnis wurde, als der originale Holzboden wieder zum Vorschein kam und abgeschliffen war.

Es ist wunderbar geworden

Rund neun Jahre nach der Eröffnung blickt Nüesch nicht ohne Stolz auf den recht begehrten Ausstellungsort. «Das Stellwerk ist wunderbar geworden. Solch einen Raum gibt es im Rheintal nirgends. Das kleine Haus hat ein grosses Wachstum erfahren und ist sogar bis nach Winterthur bekannt», sagt der künstlerische Leiter des Vereins Idee Stellwerk Heerbrugg. «Wir sind keine Galerie und müssen nicht profitabel sein. Das erwirtschaftete Geld investieren wir in den Unterhalt.» Bei der Auswahl der ausstellenden Künstler verlangt Nüesch aber ein minimales künstlerisches Niveau. «Ich erwarte Bilder, die ansprechend und ausgereift sind. Der Betrachter muss erkennen können, dass sich der Künstler seit mehreren Jahren mit Kunst beschäftigt und nicht nur Hobbymaler ist.» Einmal eine Gemeinschaftsausstellung für Hobbymaler zu organisieren, wäre denkbar, sagt Nüesch. Gerne erinnert sich der Maler an die Vernissage des Vorarlbergers Gerhard Mangold. Vor den Augen der Gäste führte dieser vor, wie ein Aquarell entsteht. Auch mag Nüesch es, wenn Wort und Bild bei einer Lesung miteinander verknüpft werden.

Von real bis abstrakt

«Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal abstrakt malen würde. Aber mit viel Übung und durch Anregung von aussen habe ich Mut gefasst, das abstrakte Malen auszuprobieren und zu experimentieren», sagt er. Als er 1979 als Hobbymaler anfing, nahm er noch seine Staffelei mit ins Riet und malte vor Ort realistische Landschaftsbilder in Öl. Einige Jahre später versuchte er sich an Pastellkreide und entwickelte seine Technik immer weiter. «Heute nutze ich verschiedene Techniken und kombiniere sie in einem Bild miteinander. Ich entdecke für mich ungeahnte Möglichkeiten, um dem Bild Tiefe zu geben.» In seinen abstrakten Bildern gibt es jedoch keine totale Auflösung von Formen. Einzelne Gegenstände bleiben immer erkennbar. Der Betrachter könne sich selber in das Bild versetzen und seinen Standort suchen, sagt er.

Die Entwicklung vom realen Landschaftsbild zum abstrakten Gemälde bedeutet für Nüesch, ein grösseres Spektrum gewonnen zu haben. Dennoch bewahrt er sich die Freiheit, weiter Landschaften zu malen. Dieses Spektrum zeigt Nüesch den Besuchern an der Ausstellung auf. Er wird sowohl Ölbilder von 1995 als auch abstrakte Bilder in Acryl aus diesem Jahr zeigen.

«Ich ruhe in mir»

Malt Nüesch heute ein Landschaftsbild, verwendet er keine reale Vorlage mehr. «Wenn ich zu malen beginne, bin ich gedankenfrei», sagt er und mutet etwas philosophisch an: «In meinem Kopf entsteht eine absolute Leere, die mich von der Aussenwelt abkoppelt. Ich ruhe in mir. Dieser Zustand erinnert mich an den Tiefschlaf, währenddessen haben wir auch keine Gedanken.»

Dieses Abtauchen in den Urzustand erinnert ihn an die Kinder-Malkurse, die er während rund 15 Jahren gegeben hat. Wenn Kinder sich so sehr in eine Tätigkeit vertiefen, wie er es oft hat beobachten können, koppeln sie sich ebenso von der Umwelt ab.

Vernissage ist am Donnerstag, 27. September, 17 Uhr. Weitere Öffnungszeiten: Samstag, 29., und Sonntag, 30. September, 14 bis 17 Uhr; Donnerstag, 4. Oktober, 15 bis 18 Uhr; www.idee-stellwerk.ch